Niederwild – Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah?

Hund mit Hase

Niederwildjagd ohne Hund geht nicht. Foto: Sophie Linckersdorff

Bilder von riesigen Strecken an Niederwild lassen einen vor Neid erblassen. Dutzende Hasen, jeder Fünfte halb vorgezogen. Fasane in unglaublichen Mengen in Reih und Glied zur Strecke gelegt. Das ist schön – und es sei jedem gegönnt. Zu finden ist das in Deutschland kaum noch. Ganz anders in den großen Niederwildrevieren Europas, in Ungarn. Vielleicht in England. Hier kümmern sich Berufsjäger um den Besatz, setzen aus, um dem Jagdgast das Wild im Herbst vor die Flinte zu treiben. Schön. Es sei jedem gegönnt.

Besatz sichern durch Entnahme

Ganz anders, aber nicht weniger schön ist es da im eigenen Revier, auf einer Bauernjagd. Es kann doch kaum etwas besseres geben, als selbst das Wild zu Hegen und den Besatz über Jahre zu entwickeln um dann abzuwägen, wie viel des Herbstbesatzes man – unter Berücksichtigung des Frühjahrsbesatzes – entnehmen kann. Man entnimmt, um den Fortbestand zu sichern. Etwas, was weder Naturschützer noch Jagdgegner je verstehen werden.

Fasan fliegt dicht über Knick.

Bewirtschaften heißt bejagen!  Foto: Sophie Linckersdorff

Auch Misserfolg ist ein Erlebnis

Auf so einer Jagd hat sogar das seinen Reiz, was nicht gelingt. Und da bin ich nicht bei einer „kleinen“ Strecke. Ich bin bei der normalen Imperfektion, die den charmanten Unterschied zu professionell organisierten Jagden macht. Jäger in feinem Zwirn sind hier die Seltenheit. Morgens gibt es einen starken Kaffee und Mittags eine Bockwurst. Man kennt sich. Man amüsiert sich über kleine Fehler beim Anstellen, über die eher wellenartig statt schnürlegrad gehende Treiberwehr. Man ist unter Freunden. Nunja, es sind halt keine Profis. Es sind die Jungs aus der Nachbarschaft. Vielleicht ein paar Jagdschüler, die versuchen das Wild hoch zu machen. Schützenstände sucht man vergebens, wer mit will, der muss mitgehen.

Um so höher schlägt das Herz und das Jagdfieber steigt, wenn aus Richtung der Treiber ein „Hase nach hinten“ oder ein „Henne, Henne, Henne“ kommt, weil eben nur die Hähne frei sind. Keine enttäuschten Blicke, wenn der Jagdleiter Hahn in Ruh gibt, obwohl noch Hasen laufen. Eher Respekt davor, dass er seinen Besatz des Niederwilds im Blick hat und ihn halten will. Hier gibt es das Wild weder in Paketen noch wird pro Schuss oder Kreatur abgerechnet, es wird gejagt um den Bestand zu regulieren. Für den Pächter ist die Strecke ein Lohn für seine oft langjährige Arbeit.

Jäger stehen mit orangen Westen bereit auf den Abschuss.

Manchmal sind Misserfolge genauso erfüllend wie Jagderfolge. Foto: Sophie Linckerdorff

Niederwild als eigenes Glück

Dabei ist es in keinster Weise verwerflich,  sich in prächtigen, großen und weiten Revieren dieses Glück zu kaufen. Auch hier gehen Angebot und Nachfrage Hand in Hand. Aber es ist naturgemäß etwas Erkauftes und hat einen anderen Reiz, als wenn es selbst gemacht wäre. Hier jage ich mit Freude und mit Freuden. Und das ist auch in heimatlichen Gefilden noch möglich. Es gibt sie noch, die kleinen aber oftmals feinen Niederwildoasen, in denen sich eine Handvoll Reviere mit den berühmten fünf W’s dem Niederwild verschrieben haben: Weiden und Wiesen, Weizen und Wasser. Wald im Sinne von kleinen Dickungen und Feldhecken, die gepflegt und konstant erweitert werden wollen. Hier hat man, mit etwas Fleiß und Passion eine realistische Chance sich über ein paar wenige Jahre eine gute Population an Niederwild heranzuhegen. Und es ist die Mühe immer wert!