Der Unterschied zwischen Hauskatze und Wildkatze

Europäische Wildkatze schleicht

Weiße Barthaare und schwarze Schwanzspitze: ist es wirklich eine Wildkatze? © AdobeStock/WildMedia

Wildkatzen sind heimliche Waldbewohner und sind leicht mit Hauskatzen zu verwechseln. Doch einige Merkmale sind recht sicher.

Die Europäische Wildkatze (Felis silvestris silvestris) und die Hauskatze (Felis catus) können in denselben Lebensräumen vorkommen. Wenn nicht die Fellfarbe sofort einen deutlichen Hinweis gibt, wird es schwierig. Handelt es sich um eine verwilderte Hauskatze oder doch eine seltene Waldkatze?

Die Wildkatze ist eine eigene Art

Wichtig ist zu wissen, dass Wild- und Hauskatze zwei unterschiedliche Arten sind. Unsere Hauskatzen stammen nicht von der Wildkatze ab, sondern von der afrikanischen Falbkatze. Diese wurde vor ca. 9000 Jahren domestiziert und diese Hauskatzen wurden von den Menschen in alle Welt gebracht.

Die große Gefahr für die Wildkatze ist eine genetische Vermischung mit Hauskatzen. In Baden-Württemberg zeigt eine Untersuchung, dass Mischlinge, sogenannte Blendlinge, in manchen Regionen durchaus häufiger in der Wildkatzenpopulation zu finden sind. Am besten abgegrenzt sind die Arten in Waldgebieten. So zeigt sich zum Beispiel bei der sehr kleinen Wildkatzenpopulation in einem Waldgebiet in der Nähe der Großstadt Leipzig eine sehr hohe genetische Reinheit.

Wie erkenne ich eine Wildkatze?

Bei der Größe der Katzenarten gibt es Überschneidungen. Mit einem Gewicht von 4 bis 8 Kilo wirkt die Wildkatze jedoch immer gedrungener, fast knuffig bis plump. Dies liegt an ihrem dichten Fell, das ihre Konturen „abrundet“.  Zum Beispiel wirken die Ohren der Katze kleiner, weil die Kopfhaare länger sind und so deutlich über den Ohransatz hinausragen.

Wildkatze mit markanter Fellzeichnung

Die Wildkatze hat auf ihrem Rücken einen sogenannten „Aalstrich“, einen dunklen Streifen, der bis zum Schwanzansatz geht. Die Schnurrhaare der Wildkatze sind weiß und im Nackenbereich zeichnen sich 4 dunkle Streifen auf dem grau bis ockerfarbenen Fell ab. Der Wildkatzenschwanz ist in der hinteren Hälfte mit durchgängigen, gut abgegrenzten schwarzen Ringen versehen und hat immer eine schwarze Spitze. Auch ist der Schwanz keulenförmig, was bedeutet, dass er sich nicht wie bei der Hauskatze zum Ende hin verjüngt.

Schädel größer und Darm kürzer

Anatomische Untersuchungen an toten Waldkatzen haben gezeigt, dass die Wildkatze einen kürzeren Darm hat. Mit einer Länge bis zu 150 Zentimeter ist er relativ kurz. Dies liegt wohl entwicklungsgeschichtlich daran, dass die Waldkatze ein hochspezialisierter Fleischfresser ist und die Hauskatzen im Umfeld der Menschen auch andere Nahrung bekommen haben. Der Darm der Hauskatze ist bis zu 2,1 Meter lang. Misst man das Volumen eines Wildkatzenschädels, so ist dieses im Vergleich zu einer Hauskatze größer.

Unterschied über DNA nachweisen

Inzwischen hat die moderne DNA-Analyse solche Methoden jedoch fast überflüssig gemacht. Wissenschaftler untersuchen inzwischen komplette Wildkatzenbestände mit Lockstöcken. In verdächtigen Wildkatzengebieten werden aufgeraute Holzpflöcke eingeschlagen und mit Baldrian besprüht. Besonders in der Paarungszeit von Januar bis März reiben sich die Katzen an den Stöcken. Die in der Jägersprache Kuder genannten männliche Tiere nehmen diese Lockstöcke auf ihrer Brautschau gerne an. Doch auch die weiblichen Katzen interessieren sich für den Duft. Durch das Reiben bleiben Haare in den Holzfasern hängen. Diese Hinterlassenschaften können genetisch analysiert werden und geben so Auskunft über Art, Geschlecht und genetische Herkunft.

 

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