Neues Tierfund-Kataster für bundesweite Wildunfall-Erhebung

Wildunfall Tierfund-Kataster Unfall DJV

Die seit Jahrzehnten konstant hohe Zahl von Wildunfällen ist ein deutliches Zeichen dafür, dass Wildtiere immer mehr Barrieren überwinden müssen, um Partner oder Nahrung zu finden. Das Bundesprogramm Wiedervernetzung soll Korridore über Verkehrswege hinweg für Tiere schaffen. Knapp 100 Konfliktstellen im deutschen Straßennetz müssen umgehend beseitigt werden. Dort kollidieren wichtige Wanderachsen von Wildtieren mit bedeutenden Verkehrswegen. Grünbrücken oder Ottertunnel können Abhilfe schaffen.

Als Partner des Leuchtturmprojektes Holsteiner Lebensraumkorridore hat der DJV in den vergangenen Jahren in der Praxis ermittelt, wie Querungshilfen optimal funktionieren. Am kommenden Montag (27. März 2017) stellen Experten in Berlin auf der Fachtagung „Lebensraumkorridore für Tier und Mensch“ vor, wie die Wiedervernetzung von Lebensräumen künftig gestaltet werden muss und welche Fortschritte bisher erreicht werden konnten.

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Konflikt Wildtier und Verkehr

Der Schutz von Natur und Tier ist in Deutschland gesetzlich verankert. Er stellt jedoch eine zunehmende Herausforderung dar, weil sich die Siedlungs- und Verkehrsflächen in den letzten 60 Jahren mehr als verdoppelt haben. Darüber hinaus hat sich das Verkehrsaufkommen seit 1974 vervierfacht.

Insgesamt ermittelt der Deutsche Jagdverband jährlich zwischen 200.000 und 250.000 Kollisionen mit Hirsch, Schwein oder Reh. Die Dunkelziffer liegt jedoch vermutlich 5 mal so hoch. Dabei können für seltene Arten, wie Wildkatze oder Fischotter, Wildunfälle sogar bestandsbedrohend sein.

Um Konfliktstellen im Straßennetz zu entschärfen, arbeiten einige Bundesländer an der Erstellung von Wildwegeplänen. Zudem gibt es seit 2011 das Bundesprogramm Wiedervernetzung, dessen Ziel es ist, Lebensraumkorridore wieder miteinander zu verbinden. Bis heute gibt es jedoch keine bundesweite Erfassung von Wildunfällen, auf deren Grundlage Verkehrswege wildtierfreundlicher gestaltet und Unfallschwerpunkte vermieden werden könnten.

Weitere Todesursachen für Wildtiere

Neben Straßen und Bahnlinien stellen beispielsweise auch Zäune eine Gefahr für Wildtiere dar. Zum einen verfangen sich die Tiere in Drähten, zum anderen zerschneiden Zäune, ähnlich wie Straßen, den Lebensraum der Wildtiere und haben somit einen wesentlichen Einfluss auf deren Wanderverhalten und Raumnutzung.

Eine Gefährdung für Vögel bilden vor allem Windräder, mit denen es immer wieder zu tödlichen Kollisionen kommt. Auch natürliche Ursachen wie Krankheiten, Nahrungsmangel oder Ertrinken führen zur Mortalität von Wildtieren.

©PM DJV