Internationale Jagd- und Schützentage: Von den Anfängen bis heute

Die Internationalen Jagd- und Schützentage begannen 2014 mit 150 Ausstellern in Ellingen. Heute kommen mehr als 30.000 Besucher nach Grünau, wo rund 540 Aussteller die Verbindung aus Jagd, Schützenwesen, Brauchtum und modernem Messeerlebnis prägen.

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Eröffnung der Schützentage auf Schloss Grünau © Florian Stiebing

Im Interview blicken Hans-Joachim Reich, Geschäftsführer Hubertus Reich und Projektleiter Leopold Reich auf die Entwicklung der Messe zurück. Sie sprechen über den Umzug nach Grünau, das Hundedorf, die Bedeutung von Tradition und darüber, wie die Jagd- und Schützentage in Zukunft aussehen sollen.

Wie die Jagdmesse 2014 in Ellingen begann

Die Messe hat einmal am 2. Oktober 2014 mit 150 Ausstellern in Ellingen angefangen. Wenn Sie jetzt zurückblicken, wie war diese Zeit damals? Warum genau so eine Messe aufziehen?

Hans-Joachim Reich: Mein Grundgedanke war von Anfang an, schon als ich in den 1980er Jahren die Jagdmesse in Erding durchgeführt habe: Eine Jagdmesse gehört nach draußen, ins Freie, in ein Umfeld, das zur Jagd passt. Ich wollte die Jagd von ihrer schönsten Seite zeigen, auch aus der Überzeugung heraus, dass die Jagd eine gute Öffentlichkeitsarbeit braucht. Je mehr man zeigt, dass die Jagd Teil unserer Kultur ist, desto besser wird sie verstanden und erlebbar.

Mit dieser Idee bin ich mit meinen beiden Söhnen damals 2014 in Ellingen angetreten, um eine Jagdmesse aufzubauen, die unbedingt zwei Dinge vereinen sollte: hohe Qualität bei den Ausstellern und gelebtes Brauchtum und Tradition. Ellingen selbst war ja auch ein Traditionsort, mit fürstlicher Jagdgeschichte – das hat perfekt zu unserer Idee gepasst.

Hans-Joachim Reiche

Hans-Joachim Reich hatte die Idee für die Jagd- und Schützentage. © Florian Stiebing

Dabei waren die Anfänge alles andere als einfach, aber mit der festen Überzeugung, dem Glauben an dieses Konzept und der Unterstützung unserer Aussteller wurde mit dem Umzug nach Grünau aus der Idee schon bald Deutschlands größte Outdoormesse für Jäger und Schützen – mit heute 540 renommierten Ausstellern, über 11.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche in den Zelthallen und im Freigelände und mehr als 30.000 Besuchern.

Prägende Momente aus der Anfangszeit

Was war in dieser Anfangszeit einer der prägendsten Momente für das Messeteam?

Hans-Joachim Reich: Für mich war einer der prägendsten Momente ganz klar der, als ich gemerkt habe: Meine Vorstellung von einer Jagdmesse wird wirklich angenommen. Und zwar zu hundert Prozent – von den Ausstellern genauso wie von den Besuchern. Ich war einfach glücklich über die vielen positiven Rückmeldungen, dieses ehrliche „Das ist genau das, was wir gebraucht haben“. In solchen Momenten wusste ich: Wir sind auf dem richtigen Weg.

Geschäftsführer Hubertus Reich: Für mich war das Prägendste in dieser Anfangszeit, dass ich ziemlich früh gespürt habe: Das entwickelt sich in die richtige Richtung. Ich habe von Anfang an an die Zukunft der Messe geglaubt, aber zu sehen, dass unsere ganze Mühe nicht umsonst war, war für mich einer der stärksten Momente überhaupt.

Projektleiter Leopold Reich: Ich habe sehr früh in den persönlichen Gesprächen mit den Ausstellern gemerkt, dass ihnen unsere Idee wirklich gefällt. Das hat mir unglaublich viel Freude bereitet und auch Auftrieb gegeben. Und das größte Kompliment war und ist auch heute noch für mich, wenn ein Aussteller direkt nach der Messe sagt: „Wir kommen nächstes Jahr wieder.“ Mehr Bestätigung kann man eigentlich nicht bekommen.

Leopold Reich

Leopold Reich übernimmt die Kommunikation mit den Ausstellern © Florian Stiebing

Warum die Jagdmesse nach Grünau umzog

2018 folgte der Umzug nach Grünau. War es nur der Platzbedarf, der gestiegen war oder gab es noch andere Gründe?

Hubertus Reich: Der Platzbedarf war sicher der wichtigste Grund für den Umzug, aber er war nicht der einzige. In Ellingen war die erforderliche Infrastruktur einfach nicht mehr gegeben – weder für die Aussteller noch für die Besucher. Grünau war diesbezüglich deutlich besser. Mehr Hotels in Neuburg und Umgebung, die Nähe zu Ingolstadt, die Autobahn in unmittelbarer Nähe, die gesamte Logistik – das war für uns ein riesiger Vorteil. Dort war alles vorhanden, was so eine Messe braucht, und vor allem: In Grünau war Wachstum überhaupt möglich.

Und dann kommt noch etwas dazu: Wir haben mit Schloss Grünau ein echtes Jagdschloss gefunden, also einen Ort, der historisch mit der Jagd verbunden ist. Das passt einfach. Wir sind beim Wittelsbacher Ausgleichsfonds von Anfang an auf offene Ohren gestoßen. Grünau ist ideal für eine Outdoormesse. Die Umgebung, die Geschichte, die Nähe zu Neuburg an der Donau – das alles zusammen hat den Ausschlag gegeben. Es war der logische nächste Schritt.

Leopold Reich: Von meiner Seite kann ich sagen, dass es auch den Ausstellern unglaublich gut gefällt, dass in diesem historischen Ambiente eine moderne Jagdmesse möglich ist. Viele sagen uns jedes Jahr, wie besonders dieser Rahmen für sie ist. Die festen Zelthallen machen uns wetterunabhängig, wir haben genügend Platz für Parkplätze, für die Logistik, für die ganze Infrastruktur – das ist für eine Messe dieser Größe einfach entscheidend. In Grünau haben wir den idealen Platz für die Jagd- und Schützentage gefunden. Ein Ort, an dem Tradition und Moderne zusammenpassen, und an dem sich die Aussteller wirklich wohlfühlen.

Hans-Joachim Reich: Einer der Gründe für den Umzug nach Grünau war außerdem: Hier können wir all das so zeigen, wie es gedacht war. Ein großes Hundedorf im Freien, mit Platz, Luft und Bewegung. Und bei der Greifvogelvorführung ziehen Adler und Falke ihre Kreise unter weiß-blauem Himmel. Dazu kommt der Schlossinnenhof, der wie geschaffen ist für die Aufmärsche, die Konzerte, die Salutschießen und für das gemütliche Beisammensein im Schlossbiergarten. Und natürlich das beeindruckende Abschlusskonzert mit rund 300 Jagdhornbläsern, das jedes Jahr für Gänsehaut sorgt.

Grünau ist für all das einfach wie gemacht. Ein Ort, an dem unsere Idee und unser Konzept genau so umgesetzt werden können, wie wir es uns immer vorgestellt haben.

Von den Jagd- und Fischereitagen zu den Jagd- und Schützentagen

Der eigentliche Name war ja „Internationale Jagd- und Fischereitage“. 2019 kam die nächste Veränderung: Aus Fischerei wurde Schützen. Was hat diesen Kurswechsel ausgelöst?

Hubertus Reich: Das Jagd- und Schützenwesen hat viele natürliche Überschneidungen: in der Waffen- und Optiktechnik, aber auch im gesamten kulturellen Bereich sowie im Brauchtum. Unsere Messe lebt unter anderem von den Schützenaufmärschen, der Musik, den historischen Bezügen zur Wittelsbacher Jagdtradition – und in diesem Umfeld passen Jäger und Schützen einfach deutlich besser zusammen. Deshalb haben wir 2019 den Schritt gemacht und aus den Jagd- und Fischereitagen die Jagd- und Schützentage werden lassen. Das war eine Entscheidung, die sich aus der Nachfrage seitens der Aussteller, dem gesamten Angebot der Messe und aus der Kultur heraus in logischer Konsequenz ergeben hat.

Das Hundedorf als Publikumsmagnet

Das Hundedorf ist der heimliche Star der Veranstaltung. Wie ist dieses über die Jahre gewachsen und welchen Stellenwert hat es inzwischen im Messeplan?

Hubertus Reich: Das Hundedorf hat sich in den vergangenen Jahren zu einem echten Publikumsmagneten entwickelt. Am Anfang war das eine kleine, liebevoll zusammengestellte Fläche – und heute ist es einer der zentralen Bereiche der Jagd- und Schützentage. Dort zeigt sich die ganze Faszination der Jagdhundearbeit, und genau das haben die Besucher gern. Mit jedem Jahr in Grünau ist das Hundedorf weiter gewachsen. Inzwischen stehen dort sechzehn weiße Pagoden im Schlossgraben, und in ihnen werden über vierzig Jagdhunderassen präsentiert.

Jagdhunde

Auch Jagdhunde sind vertreten. © Florian Stiebing

Da ist wirklich alles vertreten: die großen Apportier– und Vorstehhunde, die Schweiß- und Stöberhunde und natürlich auch die kleinen Erdhunde – allen voran unsere Teckel in allen Haararten. Zwei Mal täglich werden die Hunde vorgestellt und geben kleine Kostproben ihrer Arbeit. Es gehört für mich einfach zur Jagd sowie zur Messe dazu, dass zwischen Hörnerklang und Schussknall Hundegeläut zu hören ist. Und man muss ganz ehrlich sagen: In dieser Größe und Lebendigkeit gibt es das so nur in Grünau.

Welche Rolle spielt Tradition auf der Jagdmesse?

Alphorn, Bläsercorps und Trachten – wie wichtig ist Tradition in einer modernen Erlebnismesse?

Hans-Joachim Reich: Für uns ist Tradition kein dekoratives Element, sondern ein wesentlicher Bestandteil der Jagd und damit auch der Internationalen Jagd- und Schützentage. In Grünau ist sie nicht bloß ein Motto oder schmückendes Beiwerk – sie ist in den Grundfesten verankert und unverzichtbarer Bestandteil im gesamten Konzept unserer Messe.

Die Jagd kommt aus der Geschichte, und lebt auch von der Kultur und dem Brauchtum. Deshalb gehören Alphorn, Bläsercorps und Trachten für uns ganz selbstverständlich dazu. Sie schaffen eine besondere Atmosphäre und verbinden das moderne Messeerlebnis mit dem, wo die Jagd herkommt.

Diese Mischung aus dem hochwertigen Angebot unserer 540 Aussteller und gelebtem Brauchtum ist etwas, das Grünau auszeichnet.

Qualität und Vielfalt bei den Ausstellern

Worauf achten Sie bei der Zusammenstellung der Aussteller?

Leopold Reich: Für uns war es von Anfang an wichtig, dass in Grünau Qualität gezeigt wird und das Warenangebot passt. Garant dafür sind unsere renommierten Aussteller, die ein breites Spektrum zeigen und neben Altbewährtem auch ihre Neuheiten präsentieren. Und genau da kommt auch unser Familienmotto ins Spiel: Brauchtum erhalten – Zukunft gestalten. Das sieht man in Grünau an jeder Ecke.

Aussteller

Auf der Messe können die Besucher bei fielen Ausstellern an die Stände kommen.

Die Besucher können zuschauen, wie ein Gamsbart gebunden, eine Lederhose bestickt oder eine Basküle graviert wird – und gleich am Stand daneben lassen sie sich zur neuesten Wärmebildtechnik oder Wildkamera beraten. Danach geht’s in die nächste Zelthalle, um einen Janker oder Jagdhut anzuprobieren. Für jeden, der die Natur und das Landleben gernhat, wird die Messe damit zum echten Einkaufserlebnis. Da lohnt es sich wirklich für jeden, auf die Pirsch zu gehen.

Jagdliteratur und Kultur als Teil des Messeprogramms

Mit Lesungen und Jagdliteratur haben Sie Kultur ins Programm geholt. Ist dies auch ein bisschen ein Kontrapunkt zum Konsum? Wollen Sie damit auch Werte vermitteln?

Hans-Joachim Reich: Die Jagdbelletristik-Lesungen waren mir ein großes Anliegen und sind seit Jahren fester Bestandteil unseres kulturellen Rahmenprogramms. Für uns sind sie nicht einfach eine Ergänzung, sondern etwas, das den Charakter der Messe mitprägt. Gerade in einer Zeit, in der vieles digital geworden ist, merken wir, wie spannend und berührend es für die Besucher ist, alte Jagdschriftsteller wiederzuentdecken oder neue lesenswerte Jagdgeschichten zu hören. Und wir freuen uns sehr, dass das in Grünau unter der Federführung von Jörg Mangold so eindrucksvoll umgesetzt wird.

Diese Lesungen im historischen Schlossgewölbe schaffen Momente zum Genießen – echte Ruhe, Gänsehaut, leise Klänge der Jagdmusik, und die Autoren, die selbst aus ihren Büchern lesen. Das passt wunderbar zu Grünau und funktioniert in diesem Ambiente einfach besonders gut.

Hubertus Reich: Und zu diesem kulturellen Teil gehören nicht nur die Lesungen. Auch die Aufmärsche und Auftritte der Jagdhornbläsergruppen, die Schützenabordnungen aus Bayern und Tirol, die Alphornbläser, die Gstanzlsänger, die schottische Drum-and-Pipe-Band, die Goaßlschnalzer, der Sternmarsch der Blaskapellen und als ein Höhepunkt das große Abschlusskonzert mit rund dreihundert Jagdhornbläsern im Schlosshof – all das macht Grünau zu einem Ort, an dem Brauchtum nicht gezeigt, sondern gelebt wird. Unser Ziel ist ein Programm, das fachlich überzeugt, kulturell bereichert und den besonderen Geist von Grünau transportiert. Und ich glaube, das haben wir bereits erreicht.

Hubertus Reich

Auch das kulturelle darf nicht zu kurz kommen. Darum kümmert sich Hubertus Reich. © Florain Stiebing

Schloss Grünau und die deutsche Jagdkultur

Das Schloss der Wittelsbacher als Kulisse – wie sehr ist das Ihre Marke geworden, welche Rolle spielen Tradition und deutsche Jagdkultur?

Hans-Joachim Reich: Für uns ist das Schloss der Wittelsbacher nicht bloß eine Kulisse, sondern Heimat und Zentrum der Jagd. Es ist ein Ort alter jagdlicher Tradition, die wir mit den Jagd- und Schützentagen wieder aufleben lassen. Wir holen die Jagd alljährlich dorthin zurück, wo sie zu Hause ist. Die historische Umgebung verleiht der Messe ihren besonderen Charakter und verbindet die Moderne mit gewachsenen kulturellen Wurzeln. Tradition und deutsche Jagdkultur spielen dabei eine wesentliche Rolle: Sie schaffen Identität, machen das Bild der Messe komplett und Grünau zu „Deutschlands schönster Jagdmesse“.

Wie sieht die Zukunft der Jagd- und Schützentage aus?

Wo sehen Sie die Messe in 10 oder 20 Jahren?

Hubertus Reich: Für uns ist wichtig, dass wir auf dem bestehenden Konzept weiter aufbauen und Grünau das bleibt, was es ist. Auch in zehn oder zwanzig Jahren soll man sagen können: In Grünau ist die Jagd zu Hause. Das ist unser Anspruch.

Wir wollen die Messe so weiterentwickeln, dass die Grundidee erhalten bleibt und die Menschen auch in Zukunft gern nach Grünau kommen. Dass sich Jungjäger hier genauso daheim fühlen wie die erfahrenen Besucher, und dass die besondere Atmosphäre, die Grünau ausmacht, nicht verlorengeht. Wenn uns das gelingt, dann hat die Messe auch in zwanzig Jahren noch denselben Geist wie heute.

Familie Reich

Familie Reich blickt mit Zuversicht in die Zukunft. © Florian Stiebing

Und genau dafür setzen wir uns ein – mit vereinten Kräften, mit vollem Engagement und mit viel Herzblut. Das ist unser Ziel, und daran arbeiten wir als Familie jeden Tag.