BR Reportage beleuchtet Wildschützen und ihre Jagdpassion

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Am 6. November 1877  – die Sonne gerade auf. Der berüchtigte Wilderer Jennerwein steigt hoch in die Berge, er will auf die Pirsch. Und das, obwohl das Marerl ( Bay. Koseform von Maria) an verabredeter Stelle sehnsüchtig auf ihn wartet. Gemeinsam wollten sie nach Tölz zum Leonhardi-Umzug. Doch die schöne Bauerstochter wird ihren Jennerwein nie mehr lebend sehen. Noch am selben Tag wird ihn der Forstgehilfe und ehemaliger Freund Pföderl hinterrücks zur Strecke bringen.

Was treibt den Wilderer Georg Jennerwein an jenem Tag in die Berge? Obwohl er mit seiner Geliebten verabredet ist? Sie ist eine Partie, von der ein armer Holzknecht nur träumen kann. Außerdem tobt das größte Fest der Region im Tal. Ist es der Hunger? Braucht er Geld? Will er sich beweisen? Was treibt ihn in aller Herrgottsfrüh auf den Berg? Er weiß, dass er mit dem Leben bezahlen muss, wenn er erwischt wird.

 Wilderer – Gejagte Volkshelden

Wilderei ist eine Straftat - schon immer. Genau so lange werden Wilderer romantisiert. Warum? Welche Rolle spielt die Jagdpassion? Der BR hat

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Hinter den Volksgeschichten und Heldensagen versteckt sich eine teils grausame historische Wirklichkeit von Armut, Hunger und Aufbegehren gegen die Obrigkeit. Trotz immer wiederkehrender Bestrafungen, oder vielleicht gerade deswegen, war das Wildern als ländliches „Kulturgut“ nicht auszumerzen und erreichte ein Art „Robin Hood”-Status.

Vor allem bei den jungen unverheirateten Männern gehörte das Wildern beinahe zum guten Ton. Fast jede Dorfgemeinschaft hatte ihre Verdächtigen. Immer wieder verschärfte sich der Konflikt zwischen Wilderern und Forstpersonal und es kam zu nicht enden wollenden Gewaltspiralen, die ganze Dörfer über Jahrzehnte beherrschten.

Das Jagen im Blut

Nur eines war dem Adeligen, Jäger und Wilderer gemeinsam: die Jagdpassion. Es heißt, nicht jeder habe das „Jagerblut“ in sich, aber so gut wie jeder, der einmal mit der Jagd beginnt, kann oder will nicht mehr aufhören. Diesem Thema hat sich ein Film des Bayerischen Rundfunks gewidmet. In der Reportage  „Wilderer – Von gefallenen Helden“ kommen Historiker, Jäger/innen, Soziologen, Psychologen und ein Wildschützen selbst zu Wort. Auch JÄGER-Redakteurin Dr. Nina Krüger hat hinter den „Mythos Wildschütz“ geschaut.

 

Gibt es ihn nämlich beim Menschen, den angeborenen Jagdtrieb? Müssen wir jagen? Die Frage, warum wir zur Jagd gehen, stellt sich uns heute vielleicht öfter als früher. Vor allem, weil wir uns rechtfertigen müssen – vor nichtjagenden Familienmitgliedern, Freunden oder Jagdgegnern. Aber findet sich in den Antworten auch eine Erklärung, warum Wildschützen wie Jennerwein trotz der steten Bedrohung mit dem Tod einfach nicht aufhören konnten zu wildern.

HOHER STATUS DURCH JAGDERFOLG

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Die körperliche Anstrengung und der Jagderfolg aktivieren das Belohnungssystem im Gehirn, das mit der Ausschüttung des gemeinhin als Glückshormon bekannten Dopamin motiviert – das ist eine alte, evolutionäre Entwicklung.

Schließlich wurde die Jagd an sich zu einer Verkettung von so angenehmen Empfindungen, dass zwar die Notwendigkeit, Beute zu machen, nicht in den Hintergrund geriet, aber doch die Anstrengungen, die Angst, die Entbehrungen und die Möglichkeit, bei dem Unterfangen selbst auf der Strecke zu bleiben, billigend in Kauf genommen wurden. Zu guter Letzt wurden die erfolgreichsten Jäger auch noch mit höherem sozialem Status entlohnt und pflanzten sich mit größerem Erfolg fort als solche mit weniger Jagdtrieb und/oder Jagderfolg.

SÜCHTIG NACH DER JAGD

Jäger kenn das Gefühl, dass Sie nach längerer Jagdabstinenz einfach nur raus wollen. Dass sich nach erfolgreicher Erlegung ein kaum in Worte zu fassendes Glücksgefühl einstellt? Selbst die Jagd nach den größten, stärksten Individuen lässt sich evolutionär erklären, und zwar mit der wissenschaftlichen „Angeber“-Theorie. Sie besagt, dass die Erlegung von starkem, imposantem Wild mehr soziale Aufmerksamkeit generiert und so die soziale Stellung des Jägers erhöht, wodurch er sich auch erfolgreicher fortpflanzen kann. Vermutlich ist auch das einer der Antriebe der historischen Kultfiguren, wie Jennerwein gewesen.

 

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