Kälteschutz für die Fuchsjagd

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Fuchsjäger brauchen viel Geduld und die richtige Ausrüstung. Denn bei langen winterlichen Ansitzen wird es bitterkalt. Frank Heil hat einige gute Tipps auf Lager, sodass die Hände nicht Zittern, wenn der Fuchs endlich kommt.

Trotz aller modernen Spezial-Bekleidung hat das Zwiebelschalenprinzip seine Berechtigung. Viele dünne Bekleidungsschichten wärmen auf der Grundlage der isolierenden Luft-Zwischenräume besser als ein oder zwei dicke. Gleichzeitig bleibt die Beweglichkeit erhalten. Die einzelnen Schichten sollten allerdings miteinander harmonieren. Hautanliegend empfiehlt sich feuchtigkeitsleitende Funktions-Unterwäsche (keine Baumwolle). Darüber kommt ein ebenfalls feuchtigkeitsleitendes Hemd, dem sich etwa eine Fleecejacke anschließt. Die atmungsaktive Oberbekleidung schützt schließlich vor Wind und Wetter. Letztere darf auch in der Bewegung keine Geräusche verursachen, denn Füchse sind außerordentlich hellhörig. Jacken und Hosen sollten wind- und wasserdicht, dabei atmungsaktiv (Spezialmembrane) und aus robustem, reißfestem Material sein. Eine Oberflächenbehandlung mit Teflon- oder Nanospray schützt den Oberstoff vor Schmutz und Feuchtigkeit. Bein-, Arm- und Halsabschlüsse müssen dicht schließen. Viele Außentaschen bieten Raum für die notwendigen Jagdutensilien.

Nur nicht schwitzen

Während des bei hohem Schnee oft anstrengenden Marsches zur Ansitzeinrichtung empfiehlt es sich, die Jacke auszuziehen und hinter die Rucksackriemen zu klemmen. Schweißgebadete Jäger unterliegen während der Ansitzphase der Verdunstungskälte. Deren auskühlende Wirkung kann Funktionsbekleidung zwar wesentlich mindern, aber nicht völlig verhindern. Und Freund Ischias ist schnell verärgert. Ist die vorhandene Oberbekleidung nicht warm genug, kann sich der Jäger mit beheizbaren Westen und Jacken behelfen. Funktionieren sie, schützen sie zuverlässig vor unerträglichen Kälteeinwirkungen. Doch wehe, diese Krücken fallen aus. Dann beginnt das große Frieren. Der pirschende Jäger benötigt selbst bei grimmiger Kälte keine besonders hoch isolierende Kleidung. Und das besonders dann, wenn er bei einer kniehohen Schneelage von vornherein Schneeschuhe oder Ski nutzt. In solchen Fällen erhält Funktions-Sportunterwäsche das Wohlbefinden.

Stets gut tarnen

Manchmal bringt Tarnbekleidung Vorteile. Geschlossene Schneedecke und freies Feld erfordern reinweiße Kleidung. Für schneeverhangene Dickungen und von Hecken und Windschutzstreifen unterbrochene Feldfluren eignen sich weiße Grundfarbe und grüne, braune und schwarze Aufdrucke wie Hardwoods Snow besser. Fürs dunkle Fichtenaltholz taugt auch ein übliches Realtree-Tarnmuster, sofern der Braunanteil überwiegt. Sehr effektiv wirkt Flattertarnbekleidung mit aufgenähten Blättern. Verhält sich der Jäger richtig und steht der Wind gut, ist es immer wieder überraschend, wie weit der Fuchs an den getarnten Jäger heranschnürt, ohne diesen zu bemerken. In Bodennähe lässt sich Bekleidung oft mit Tarntüchern und Netzen kombinieren.
Hände und Füße wärmen

Von großer Bedeutung ist das Schuhwerk. Es soll sowohl der Pirsch auch im schwierigen Gelände und durch wadenhohen Schnee genügen sowie während des anschließenden Ansitzes die Füße warm halten. Manches Schuhwerk, als Beispiel seien Moonboots genannt, erfüllt zwar die wärmende Funktion, bietet jedoch während der Pirsch dem Fuß keine Stabilität. Spezial-Gummistiefel, gefüttert mit einem Kilogramm oder mehr Thinsulate pro Stiefel, sind da schon die bessere Wahl.

Dem Optimum nahe kommen hohe, mit stark isolierendem Futter gerüstete Schnürschuhe mit Leder- oder robustem Corduraschaft. Mit ihnen kann der pirschende Jäger auch schwieriges Terrain meistern, sofern das Sohlenprofil den winterlichen Anforderungen entspricht. Wem hoch isolierende Spezialschuhe zu teuer sind, der kann sich mit chemischen oder elektrischen Krücken wie beheizten Einlegesohlen helfen. Um der Verdunstungskälte durch feuchte Füße vorzubeugen, sollten zumindest die der Haut aufliegenden Socken feuchtigkeitsleitend sein. Man unterschätze die Bedeutung von Handschuhen nicht. Sie haben die Aufgabe, zuverlässig zu wärmen, dürfen jedoch nicht durch zu großes Volumen oder zu starren Aufbau feinmotorische Bewegungen unterbinden.

Bewährt hat sich die Kombination eines relativ dünnen Handschuhes mit einem gut isolierenden Fausthandschuh, dessen Vorderteil sich bei Bedarf (Schuss) hochklappen lässt. Manche Modelle nutzen für das Arretieren des hochgeklappten Vorderteils nicht mehr die lauten Klettverschlüsse, sondern eingearbeitete und geräuschlos arbeitende kleine Magnete.Beim Menschen entstehen die größten Wärmeverluste am Kopf. Vor allem wenn die Jagdjacke keine Kapuze besitzt, empfehlen sich Wintermützen mit herausklappbarem Nackenschutz. Solch ein „Klapp-Lappen“ hält Wind und Schnee vom Nacken fern auch beim Durchkriechen schneeverhangener Dickungen. Selbstverständlich sollten solche Wintermützen auch herausklappbare oder besser außen herunter zu klappende Nacken- und Ohrenschützer haben. Besonders wenn zur niedrigen Temperatur kräftiger Wind hinzukommt, empfiehlt sich das Anlegen von Gesichtsmasken.
Winternächte genießen

Im freien Feld bieten sich vor allem bei Schnee und zumindest bei Halbmond gelegentlich Chancen auf weite Schüsse. Klar, die entsprechende Technik (präzise schießende Waffe, weitreichendes Kaliber, lichtstarkes und hoch vergrößerndes Zielfernrohr mit beleuchtetem Absehen) muss ebenso vorhanden sein wie ein günstiges Umfeld (stabile Waffenauflage, wenig Wind, sicherer Kugelfang). Und zur winterlichen Jagd auf den roten Freibeuter gehören letztendlich Hasenklage, Vogelangstgeschrei und Mauspfeifchen.

Geschlossene, winddichte und isolierte Kanzeln, die sich vielleicht sogar heizen lassen, erleichtern in bitterkalten Nächten den Ansitz. Aber erstens gibt es sie nur an wenigen Stellen und zweitens geht mit ihnen ein guter Teil der Stimmung verloren, die in mondhellen Schneenächten den auf Ansitzleitern, Halbkanzeln oder in Bodensitzen verharrenden Jäger beglückt: Eulenruf, Fuchsgebell, das Spiel der Lichter und die Schatten der wandernden Winterwolken.