Der Iltis: Lebensweise, Nahrung und Bestandsentwicklung

Durch seine heimliche Lebensweise führt der Iltis quasi ein „Leben unter Ausschluss der Öffentlichkeit“. Sollte ihm gerade das zum Verhängnis werden? Andreas David bringt Licht ins Dunkel und beleuchtet die Lebensweise eines sympathischen Stinkers.

Aufmacher_Iltis

Einige Iltisse haben sich auf Kaninchen spezialisiert und leiden unter deren Rückgang. © AdobeStock / Scott

Zur Sache: Der Europäische Iltis ist selbst vielen Jägerinnen und Jägern lediglich vom Hörensagen (er stinkt wie ein Iltis), aus der Literatur oder dem Internet bekannt. Zählt er doch zu jenen Wildtierspezies, die gefühlt zwar immer „irgendwie dazugehören“, die man aber nur selten oder gar nicht zu Gesicht bekommt. Warum?

Ein nächtlicher Stöberer in Wassernähe

Einerseits ist der Marder mit der Maske und den weiß geränderten Gehören fast nur jenseits des „guten Büchsenlichtes“ auf den Läufen. Tagsüber schläft oder „ratzt“ er namensgebend in seinen Verstecken. Ausnahmen bilden lediglich die Zeit der Ranz, die im Normalfall etwa Mitte März beginnt und in der die Rüden auf der Suche nach Partnerinnen umherstreifen, sowie die Zeit der Welpenaufzucht, in der die Fähen zu mehr oder minder großen Teilen tagaktiv sind bzw. sein müssen.

Iltis Lebensraum bei Nacht

Im Gegensatz zum Steinmarder fühlt sich der Iltis in der Nähe von Siedlungen nicht so wohl. © AdobeStock/slowmotiongli

Andererseits bevorzugt der Ratz deckungsreiche Kleinlebensräume wie bewachsene Bach-, Fluss- und Teichufer, verlandende Röhrichtgürtel, grabenreiche Wiesenlandschaften, Tümpel, reich gegliederte Waldrandbereiche, Feldgehölze und vernetzte Heckensysteme. Sein kurzläufiger, aber lang gestreckter und extrem wendiger Körper prädestiniert ihn dafür. Derartige Strukturen kommen seiner „stöbernd suchenden“ Jagdstrategie entgegen und geben ihm geeigneten Schutz vor Feinden.

Wo der Iltis seinen Lebensraum findet

Große, geschlossene Waldgebiete werden gemieden. Die Bezeichnung „Waldiltis“ verfehlt folglich die tatsächliche Lebensraumnutzung und dient eher als Abgrenzung zum Steppeniltis. Letzterer besiedelt offene Lebensräume wie Steppen und Halbwüsten, landwirtschaftlich genutzte Flächen und Brachen in Osteuropa und Asien.

Darüber hinaus nutzt unser Ratz zwar auch Feldscheunen, Gärten und andere Siedlungsbereiche (oft in Gewässernähe), bewachsene Dämme und Böschungen, ist in seiner Häufigkeit als Kulturfolger aber von Steinmarder und Waschbären weit entfernt. Zur Häufigkeit jedoch später mehr.

Was frisst der Iltis?

Seine Einflussnahme auf das Artenspektrum in Kulturlandschaften ist seit jeher umstritten. Doch lässt ihn der fortschreitende Wissenszuwachs – vor allem im Vergleich mit anderen Raubsäugern – in zunehmend neutralerem Licht erscheinen.

Abgesehen davon, dass sich auch beim Iltis das Beutespektrum an der jeweiligen lebensraum- und jahreszeitlich bedingten Verfügbarkeit orientieren muss, hält er sich als Nahrungsopportunist an alles, was sich leicht erbeuten bzw. unter geringem Energieaufwand sammeln lässt. Vorwiegend an Kleinsäuger und Amphibien. Wobei sich Zorro als exzellenter Rattenfänger einen Namen gemacht hat!

Hinzu kommen Hasenartige (Junghasen und Kaninchen), Aas, Bisamratten, Vögel und Gelege, gelegentlich Reptilien und Fische, selten Krebse und andere Wirbellose. Iltisse sind übrigens gute Schwimmer und können auch tauchen.

Da die Geschlechter hinsichtlich ihrer Größe und Gewichte bedeutende Unterschiede (Rüden 1.200–2.000 g, Fähen 600–900 g) aufweisen, können sich auch die Beutetiere in Größe und Gewicht unterscheiden. Zusätzlich nimmt er geringe Mengen pflanzlicher Kost. So bleibt z. B. der Anteil an Obst weit hinter den Größenordnungen beim Dachs und Steinmarder zurück.

Wenn der Iltis Nahrung für später bunkert

Doch erneut zur Beute: Der Ilk ist bekannt dafür, in Überflusssituationen umfangreiche Nahrungsdepots anzulegen. Ein von mir in einer Voliere am Zoologischen Institut der Uni Braunschweig zu Studienzwecken gehaltener Wildfang, ein Rüde namens „Kalle“, bestätigte dies auf eindrucksvolle Weise.

Besonderes Geschick zeigte er beim Eintragen größerer Beute in seinen Bau (drei Baustoffröhren, zwei Kessel). Da sich Iltisse, wie Dachse, sehr gut rückwärts bewegen können, zog er in einem Fall drei Ringeltauben und einen Eichelhäher nacheinander, am Kopf gefasst und rückwärtsgehend, durch die Röhren in einen der Kessel. Vorwärts wäre er mit der Beute im Fang niemals durch die engen Röhren gekommen.

Überdies bestätigte mir der Rüde, dass die oft zu lesende Behauptung, dass Iltisse nur sehr schlecht oder gar nicht klettern können, nicht stimmt. Sie tun es ohne Not wohl selten, wenn es aber darauf ankommt, zeigen sie auch „im Geäst“ erstaunliche Fähigkeiten.

Warum der Iltis auch Stinkmarder heißt

Viele von Ihnen, liebe JÄGER-Leserinnen und Leser, werden die Gattung Mustela in der Ausbildung jägersprachlich als „Erd- oder Stinkmarder“ kennengelernt haben. Während der Begriff Erdmarder, wie beschrieben, nicht immer zutreffend erscheint, trifft die Bezeichnung Stinkmarder in die Zehn!

Abgesehen davon, dass neben Losung und Urin auch das Analbeutelsekret zur Markierung eingesetzt wird, spielt es im Abwehrverhalten neben einem ohrenbetäubenden Geschrei eine besondere Rolle.

Auch das demonstrierte mir „Kalle“ mehrfach und eindrucksvoll aus nächster Nähe. Zum einen geht der Schrei wirklich durch Mark und Bein, zum anderen grenzt der Geruch des Sekrets, in geballter Ladung abgesetzt, an „seelische Grausamkeit“!

Verbreitung des Iltis: Auf dem absteigenden Ast?

Und nun zurück zur oben kurz angerissenen Häufigkeit. Es ist bekannt, dass seltene oder fehlende Beobachtungen nicht immer mit der tatsächlichen Verbreitung oder Abundanz korrelieren und über den Status quo sowie die Entwicklung von Populationen wenig aussagen. Könnte man es auch im Falle des Iltis also mit Sokrates „Ich weiß, dass ich nichts weiß“ halten? Eher nicht.

Zwar sind gezielte Erfassungen methodisch schwierig, selten zu finanzieren und folglich rar. Doch überall dort, wo kontinuierliche Datensammlungen einen Vergleich zu „früheren Zeiten“ ermöglichen, deuten die Ergebnisse auf einen spürbaren Rückgang hin. Und der war ein Stück weit absehbar.

Lebensraumverlust setzt der Art zu

Dass die oben genannten, bevorzugten Habitate nicht eben zunehmen, ist hinlänglich bekannt. Und die Intensivierung der Landwirtschaft bis hin zu vorübergehend großflächig deckungslosen Agrarsteppen sowie die ständig wachsende Zerschneidung der Landschaft durch Wohnungsbau, Gewerbeflächen und Verkehrswege setzen neben unzähligen anderen Arten auch dem Iltis zu.

Unfall mit Iltis

Der Iltis leidet besonders unter Lebensraumzerschneidung und Strukturverlust. © AobeStock/marnag

Der Flächenverbrauch in Deutschland beträgt laut Statistischem Bundesamt durchschnittlich 50 Hektar – pro Tag! Zum Vergleich: Der Vatikan als kleinster anerkannter Staat der Welt hat eine Gesamtfläche von 44 Hektar.

Damit einher geht zwangsläufig der Rückgang diverser Nahrungskomponenten. Zum Beispiel der Amphibien, die zu allem Überfluss seit einiger Zeit auch noch von den vielerorts restlos ausufernden Waschbärvorkommen dezimiert werden.

Hinzu kommt z. B. der dramatische Einbruch der Wildkaninchenbesätze durch die Chinaseuche (RHD), die zum kompletten Verschwinden etlicher, zuvor großer und stabiler Vorkommen der grauen Flitzer führte. In kaninchenreichen Revieren konnte sich der Ratz auf die Lapuze „spezialisieren“, wobei ihm neben Altkaninchen vor allem die noch in den Satzröhren oder im Mutterbau hockenden Jungtiere zur Beute wurden.

Rückgang des Iltis: Ein Geflecht verschiedener Ursachen

Wie so oft ist es letztlich also ein Geflecht von Rückgangsursachen. Noch funkt der Iltis nicht SOS. Doch deutet vieles darauf hin, dass sein Kahn in etlichen Gebieten bereits Leck geschlagen hat.

Eine im Vorfeld durchgeführte Umfrage gibt dazu interessante Einblicke. Auch wenn u. a. der Stichprobenumfang zu gering ist, um eine Repräsentativität zu erreichen, glaube ich, dass die Ergebnisse der Realität in den meisten Regionen unseres Landes relativ nahekommen dürften.

Dort, wo noch möglich, können wir bei der Bejagung des Stänkers also guten Gewissens kürzertreten. Lassen Sie uns zum Schutz der Artenvielfalt unser Hauptaugenmerk auf ungleich häufigere Beutegreifer richten. Es gibt weit mehr als genug davon.

Selten bis gar nicht: Was eine Umfrage unter Jägern zeigt

Im Vorfeld wurden 126 Jägerinnen und Jäger aus Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Brandenburg, Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Hessen befragt, ob sie

  1. Schon einen Iltis erlegt haben?
  2. Einen Iltis in freier Wildbahn lebend beobachtet haben?

Weiterhin wurde gefragt, ob ihre Wildkameras in den zurückliegenden 3 Jahren Iltisse

a) gar nicht
b) selten (< 5 / Jahr)
c) regelmäßig (1–5 x / Monat)
d) häufig (> 10 / Monat)

aufgenommen haben (b, c und d geschätzt).

Nur 8 Teilnehmer (6,3 %) haben bereits einen Iltis erlegt. 11 haben unabhängig von einer Erlegung Iltisse in freier Wildbahn live beobachtet (8,7 %). Bei 10 Teilnehmern wurde der Ratz selten, bei 116 (92 %!) gar nicht von den Wildkameras erfasst.

Dabei handelt es sich weder um „Drückjagdtouristen“ noch um Schreibtischtäter. Die allermeisten sind entweder Jagdpächter, Jagderlaubnisscheininhaber oder Berufsjäger. Reine Waldreviere sind nicht darunter. Allen Teilnehmern sei an dieser Stelle herzlich gedankt!

Was sagen Sie: Iltis bejagen oder schonen?

Sachsen-Anhalt schont den Iltis bis 2029 per Sonderregelung. Hessen hat den Iltis am 1. April 2026 ins Jagdrecht aufgenommen. Was ist richtig?

Sollten wir Jäger uns im Sinne des Artenschutzes für den Iltis zurücknehmen oder gerade im Interesse von Niederwild und Amphibien die Bejagung intensivieren?

Schreiben Sie uns an: [email protected]


JÄGER auf der Messe Grünau 2026

Sie interessieren sich für Jagdhunde, Jagdkultur, Neuheiten und aktuelle Themen aus der Jagdpraxis? Vom 9. bis 11. Oktober 2026 ist JÄGER bei den Internationalen Jagd- und Schützentagen auf Schloss Grünau vor Ort. In unserem Gläsernen JÄGER-Studio erwarten Sie Gespräche mit Gästen aus Jagd, Industrie und Praxis. Alle Beiträge, Termine und Informationen zu unserem Messeauftritt finden Sie auf unserer Grünau-Seite.