Swarovski AT Balance: Spektiv mit Bildstabilisator im Praxistest

Mithilfe von Spektiven kann Wild auf große Entfernungen beobachtet und sicher angesprochen werden. Eberhard Venator hat das Swarovski AT Balance getestet, das dank integriertem Bildstabilisator auch ohne Stativ gestochen scharfe Bilder liefern soll.

Aufmacher-Swarovski-Spektiv-1

Mit dem AT Balance von Swarovski kann Wild auch freihändig beobachtet werden. © Eberhard Venator

Ein Spektiv ist die Lupe des Jägers und ermöglicht genaues Ansprechen auf große Distanzen. Aber es ist auch eine Jagdoptik, die viel Zeit kostet, denn ohne Stativ oder zumindest sorgfältig hergerichteter Auflage ist ein Beobachten mit hoher Vergrößerung nicht möglich.

Das wird jetzt anders, denn mit dem AT Balance hat die österreichische Optikfirma Swarovski ein 18-65-faches Spektiv entwickelt, das sich auch aus freier Hand nutzen lässt. Wir waren mit dem technischen Wunderwerk unterwegs.

Zwei Modelle des Swarovski AT Balance zur Auswahl

Es gibt zwei Modelle, ein 18-45×65 und ein 14-35×50. Wir haben das größere 65er genommen, nicht wegen der höheren Endvergrößerung, sondern wegen der besseren Lichtstärke. Ein 50-mm-Spektiv ist in der Dämmerung kaum noch zu gebrauchen, wenn man mit 25-30-facher Vergrößerung beobachten will. Da ist das 65er schon deutlich im Vorteil.

Swarovski AT Balance Spektiv Seitenansicht

Das Swarovski AT Balance ist kompakt gebaut und lässt sich dadurch auch im Tagesrucksack problemlos mitführen. © Eberhard Venator

Größe und Gewicht des Swarovski AT Balance

Es gibt wahlweise eine Ausführung mit geradem (ST) und mit schrägem (AT) Einblick. Das AT Balance ist mit 268 mm Länge sehr kompakt und wiegt 1.470 g. Es ist mühelos auch in einem kleinen Tagesrucksack unterzubringen.

Mit dem angebrachten Riemen kann man es auch bequem und sofort zugriffsbereit wie ein Fernglas um den Hals tragen. Beim Balance macht das Sinn, denn es ist durch den Bildstabilisator sofort einsatzbereit und man muss nicht erst ein Stativ aufbauen oder eine Auflage richten.

Bedienung wie bei einem klassischen Spektiv

Nimmt man es in die Hand, sieht es aus wie ein normales Spektiv. Scharfstellung über einen großen griffigen Fokussierring am Rohrkörper, Zoomring am Okular und eine Drehaugenmuschel für Brillenträger gibt es auch.

Die einzigen sichtbaren Unterschiede zu einem normalen Swarovski ATS-Spektiv sind der kleine Knopf unterhalb des Okulars, eine LED, die anzeigt, dass der Stabilisator arbeitet, und eine links angebrachte Klappe, hinter der sich der Batterieschacht verbirgt.

Nimmt man es in die Hand und schaut durch, ist auch alles normal, es wackelt heftig und es ist nicht viel zu erkennen, bis man es auflegt. Dann liefert es ein bis in den Randbereich hinein knackscharfes und farbechtes Bild – wie eben von Swarovski gewohnt. Bis hierher alles wie bei jedem Spektiv.

Bildstabilisator: Der Powerknopf für scharfe Bilder

Das WOW-Erlebnis tritt ein, wenn man den besagten kleinen Knopf unterhalb des Okulars drückt. Schaut man jetzt aus freier Hand hindurch, wirkt das Bild wie eingefroren – oder als wenn das Spektiv auf einem Stativ befestigt wäre. Jetzt hat der Bildstabilisator seine Arbeit aufgenommen.

Die Linse im Bau des Swarovski AT Balance

Das Geheimnis des Balance ist eine zwischen Magnetfeldern schwebende Linse. © Swarowski

Im Innern arbeiten präzise abgestimmte Motoren und Sensoren sowie optische und mechanische Komponenten, die über mehr als tausend Messungen pro Sekunde die Linsenposition kontinuierlich anpassen und selbst kleinste Handbewegungen sofort ausgleichen.

Wie das technisch funktioniert, ist einerseits ziemlich kompliziert und andererseits möchte der Hersteller auch nicht zu viel verraten. Soviel sei jedoch gesagt: Das Herzstück des Systems ist eine Linse, die in einem Magnetfeld schwebt und damit immer in der exakten Position gehalten wird.

Automatische Stabilisierung innerhalb von zwei Sekunden

Das Ergebnis ist eine Bildstabilisierung mit außergewöhnlich geringer Latenz, die ein stabiles, klares Bild ohne störende Nachzieheffekte liefert. Die Einschaltdauer beträgt zwei Sekunden. Danach steht das Bild ruhig.

Der Bildstabilisator wird nach fünf Minuten ohne Nutzung automatisch wieder abgeschaltet. Nimmt man es dann erneut in die Hand, schaltet er sich selbstständig ein.

Zusätzlich gibt es ein automatisches Abschaltsystem, das einen Fall des Spektivs erkennt, den Bildstabilisator sperrt und somit die optischen Elemente schützt, wenn einem das Spektiv mal aus der Hand gleiten sollte. 80 cm Höhe reichen dabei aus.

Akku, Sehfeld und technische Daten des Swarovski AT Balance

Die Energie kommt aus einem Lithium-Ionen-Akku, der für etwa 12 Stunden Strom liefern soll. Ein Ladegerät, mit dem sich zwei Akkus gleichzeitig aufladen lassen, ist im Lieferumfang enthalten.

Akku des Swarovski-Spektivs

Der Akku reicht für 12 Stunden Betrieb. © Eberhard Venator

Die kürzeste Beobachtungsdistanz liegt bei 3,4 m. Damit kann man also sogar Insekten beobachten. Bei 18-facher Vergrößerung stehen 55 m Sehfeld auf 1.000 m zur Verfügung. Damit lassen sich weiter entfernte Objekte gut finden und dann über den Zoomring auf passende Beobachtungsgröße bringen.

Das Spektiv Swarovski AT Balance im Revier

Passend zum Aufgang der Bockjagd traf das Testgerät ein. Es ist schon ein Erlebnis, damit zu pirschen und die Rehe auf 250-300 m Entfernung aus freier Hand mit einem Spektiv ansprechen zu können.

Jäger mit Swarovski AT Balance bei der Bergjagd

Durch das kompakte Format kann das AT Balance bei der Pirsch griffbereit am Körper getragen werden. © Eberhard Venator

Kein Hinsetzen und auf den Knien aufstützen oder Anstreichen am Pirschstock oder einem Baum mehr. Einfach wie beim Fernglas durchsehen, und man hat ein ruhiges Bild – nur mit 30- oder 40-facher Vergrößerung. Der Bildstabilisator arbeitet dabei völlig geräuschlos. Auf 200 Meter die Perlung des Gehörns beurteilen zu können, ist schon ein spannendes Erlebnis.

Schneller einsatzbereit als ein Spektiv mit Stativ

Der große Vorteil ist die Schnelligkeit, mit der das Swarovski AT Balance einsatzbereit ist. Man kann es vor dem Pirschen einschalten, umhängen und wenn man es dann zur Hand nimmt, ist sofort ein ruhiges Bild da. Kein Zeitverlust mehr, um erst mal das Spektiv zu stabilisieren. Die meisten Böcke warten nicht, bis der Jäger damit fertig ist, seine Optik einzurichten.

Es handelt sich um eine Optik mit Suchtpotenzial. Wer damit einmal unterwegs war, wird sie nicht mehr missen wollen. Wer nur vom Hochsitz ein Spektiv benutzt, braucht sie nicht unbedingt, da reicht eine Spektivklemme aus. Während der Pirsch, der Bergjagd oder bei der Auslandsjagd ist der Bildstabilisator aber ein riesengroßer Vorteil.

Mal eben ein Rudel Springböcke in Afrika im Passbildformat zu betrachten, die Gams oder den Steinbock im Gebirge anzusehen oder einen Elch in Kanada auf 500 m genau anzusprechen, ist damit ohne Weiteres möglich.

Was kostet das Swarovski AT Balance?

Swarovski hebt damit Spektive auf ein neues Level. Mit einem Preis von 3.390 Euro für das 50er und 3.590 Euro für das größere 65er sind die neuen bildstabilisierten Spektive eine echte Investition, erweitern die Nutzung des Spektivs aber auch erheblich.


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