Was taugt bleifreie Schrotmunition auf der Jagd?

Wer Enten jagen möchte, ist auf bleifreie Schrotmunition angewiesen. Unser Jagdpraktiker und Ausrüstungsexperte Patrik Bollrath hat ausprobiert, was funktioniert.

Schrotmunition im Überblick

Bleifrei ist per se nicht gleich schlechter als Blei. © Patrik Bollrath

Die Bleiverbotsdebatte rund um den Schrotschuss ist auf höheren Ebenen beendet, in der Jägerschaft fängt sie gerade erst so richtig an. Das Verbot der Nutzung von bleihaltiger Schrotmunition in einem Umkreis um Feuchtgebiete und Gewässer macht bleifreie Schrotmunition dort praktisch zur Pflicht. Wenigstens ist es mittlerweile wieder erlaubt, bleihaltige Munition mitzuführen, um diese auf den Feldflächen einzusetzen. Vor diesem kleinen Zurückrudern galt selbst das Mitführen als Ordnungswidrigkeit.

Dass bleifrei per se nicht gleich schlechter ist als Blei, zeigt die Büchsenmunition. Ich selber jage seit über zwölf Jahren bleifrei und habe noch keine schlechte Erfahrung gesammelt. Unsere direkten Nachbarn in Dänemark jagen schon deutlich länger bleifrei mit der Flinte als wir. Auch in England, dem Flintenland schlechthin, gibt es derzeit immer mehr Bestrebungen, weg vom Blei und Zwischenmitteln aus Plastik zu kommen, was aus Sicht der Umwelt und auch unseres Images zunächst plausibel klingt.

Wie teuer ist bleifreie Schrotmunition?

Es ist tatsächlich falsch, wenn wir uns als Naturschützer bezeichnen und dennoch jedes Jahr mehrere tausend Tonnen Blei und Plastik in unserer Umwelt verteilen. Image hin oder her, der Bleiersatz muss funktionieren, sprich schnell töten und bezahlbar sein. Wenn wir zum Beispiel an Wismut oder Tungsten denken und der Schuss zwischen drei und vier Euro kostet (Tendenz steigend), ist das nicht mehr bezahlbar.

Wenn man im Herbst jedes Wochenende auf eine Treibjagd kommt, was im Norden Deutschlands nicht unüblich ist, zur Gänse- oder Schnepfenjagd fährt und regelmäßig den Entenstrich besucht, plus die Krähenjagd in einigen Revieren, kommt man im Jahr auf 600 bis 800 jagdliche Schrotschüsse. Für das Portemonnaie bedeutet das 1.800 bis 2.400 € anstatt 300 € bis 400 €, wenn man von 50 Cent pro Schuss für Blei ausgeht. Hier liegt zumindest monetär der Hase im Pfeffer.

Welche Flinten eignen sich für bleifreie Schrotmunition?

Die Alternativen heißen Weicheisen- oder Stahlschrotmunition. Um diese jedoch auf die jagdliche Grenzentfernung von 30–40 Metern tödlich wirken zu lassen, hilft nur eine höhere Ladung. Alte Flinten im Kaliber 12/70 haben hier das Nachsehen. Neuere 12/76-Flinten vertragen durch den verstärkten Beschuss einen Gasdruck bis 1.320 bar. So kommt es, dass die sogenannten High-Performance- oder High-Speed-Stahlschrote nur aus 12/76-Flinten mit verstärktem Beschuss verschossen werden dürfen, auch wenn die meisten Schrotpatronen, wie auch die im Test verwendeten, normale 12/70-Patronen sind.

Hier muss beim Kauf genau darauf geachtet werden. Im Extremfall könnte einem bei Nichtbeachten die alte Flinte um die Ohren fliegen. Ebenso darf oder sollte kein Choke verwendet werden, der enger als der Halbchoke ist. Auch hierdurch kann es zu höheren Gasdrücken oder stärkerer Abnutzung des Laufes/Chokes bis hin zur Laufaufbauchung kommen, was ein Sicherheitsrisiko darstellt.

Was sollte man vor dem Kauf beachten?

  • Was möchte ich bejagen?
  • Passende Schrotgröße für Stahl: in der Regel mind. eine Nummer größer als bei Blei. Beispiel: Statt Nr. 5 (3 mm/Blei) besser 3,25 oder 3,5 mm (Weicheisen) verwenden.
  • Chokes/Beschuss überprüfen (lassen)

Neben den bekannten Herstellern wie RWS, Saga, Winchester, GB oder Eley gibt es noch weitere Hersteller, die durchaus gute Patronen herstellen. Wir haben von Baschieri & Pellagri die Valle Steel 32 mit 32 Gramm in der Schrotgröße 3 sowie zwei verschiedene Patronen der französischen Marke Tunet getestet. Von Tunet haben wir Vent d’Est Black Tempest Steel mit 32-Gramm-Vorlage in der Schrotgröße 4 sowie die Tunet Passion High Performance mit 28 Gramm in der Größe 4 geschossen. Alle drei Patronen dürfen nur aus 12/76er-Flinten mit Stahlschrotbeschuss (max. 1.320 bar) verwendet werden.

Wie schlägt sich bleifreie Schrotmunition im Test?

Mit allen drei Patronen wurde auf eine 30 Meter entfernt stehende Scheibe geschossen und die Treffer auf der lebensgroßen Ente gezählt. Treffer im Randbereich der Ente wurden im Zweifel nicht gewertet. Ebenso wurde auf die Deckung der gesamten Schrotgarbe geachtet bzw. darauf, ob es größere Lücken oder Klumpen in der Garbe gab. Die Ente wurde mit Sprühfarbe auf eine weiße, ausrollbare Papierwand gemalt, welche auf einem einfachen Dachlattengestell befestigt wurde.

Der Anspruch war, kein wissenschaftliches Experiment oder eine durchschnittliche mittlere Anzahl an Treffern auszuwerten; vielmehr ging es um eine einfache visuelle Feststellung der Garbe der verschiedenen Patronen, um diese für die Jagd als nutzbar oder nicht nutzbar einzustufen. Geschossen wurde aus einem für die Schrote maximal zulässigen 1⁄2-Choke. Als Vergleich mit Blei haben wir die bewährte Saga High Speed mit 36 Gramm in der Schrotgröße 5 genutzt.

B&P Valle Steel 32, 32 Gramm, Größe 3

Ist mit den angegebenen 440 m/s (Mündungsgeschwindigkeit) die rasanteste Patrone, welche mit Weicheisenschroten gefüllt ist. Aus unserem Flintenlauf brachte die Patrone 19 Treffer auf die Ente. Einige kleine Löcher bzw. Klumpen waren im Schussbild zu sehen. Nichts Dramatisches, jedoch für unseren Flintenlauf nicht die beste Wahl. Der Rückstoß fühlte sich mehr nach einer 50-Gramm-Magnumladung an als nach 32 Gramm.

Valle Steel

Die Deckung der B&P war mit 19 Treffern relativ gut. © Patrik Bollrath

Tunet Black Tempest Steel, 32 Gramm, Größe 4

Die Black Tempest von Tunet war mit 380 m/s die langsamste Laborierung. Die Verteilung der Schrote war sehr zufriedenstellend und mit 30 Treffern auf 30 Metern erreichte sie die höchste Trefferanzahl. Die Schrotverteilung war sehr gleichmäßig. Der Rückstoß war kräftig, jedoch nicht so extrem stark wie bei der Valle Steel 32.

Black Tempest

Die beste Garbe des Tests lieferte die Tunet Black Tempest. © Patrik Bollrath

Tunet Passion High Performance Steel, 28 Gramm, Größe 4

Die leichte 28-Gramm-Patrone hat mit 420 m/s eine hohe Geschwindigkeit. Mit 28 Treffern war die Anzahl der Schrote nur minimal geringer als die der Black Tempest. Das Trefferbild war gut, wies jedoch gerade im Randbereich einige größere Lücken auf. Der Rückstoß war trotz der geringen Vorlage sehr kräftig, jedoch auch mit einer leichten Jagdflinte noch im Rahmen.

Tunet Passion High Performance

Die Tunet Passion High Performance brachte ganze 28 Schrote auf die Ente. © Patrik Bollrath

Blei-Vergleichspatrone: Saga High Speed, 36 Gramm, Größe 5

Die Saga High Speed diente lediglich als Vergleich, ob es maßgebliche Unterschiede hinsichtlich des Rückstoßes und des Trefferbildes geben sollte. Als Treibjagdpatrone hatte sie sich einen hervorragenden Ruf erarbeitet. Besonderheit: Aus der passenden Flinte bis 50 Meter einsetzbar! Erstaunlich war jedoch, dass diese Laborierung nur 18 Treffer auf die Ente brachte. Der Rückstoß der 36 Gramm ist bei der Saga deutlich zu spüren.

Saga

Die leistungsstarke Saga High Speed brachte, anders als die Bleifreien, nur auf 18 Treffer. © Patrik Bollrath

Tipp: Testen Sie mehrere Laborierungen, bis Sie die Weicheisenpatrone gefunden haben, die am besten zu Ihrer Waffe passt. Die von uns getesteten Weicheisen-Patronen konnten sich bereits auf mehreren Gänsejagden beweisen. Ein Unterschied zur herkömmlichen Schrotmunition war hinsichtlich der Wirkung nicht festzustellen.

Fazit: Wie gut ist bleifreie Schrotmunition?

Hätte mir also nicht jemand gesagt, dass ich bleifrei schieße, hätte ich es nicht gemerkt. Hinzu kommt, dass gerade bei den Bleifreien die Entwicklung zügig voranschreitet. Nicht alles, was neu ist, ist schlecht, und nicht alles, was alt ist, ist gut.


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