Wolfshybriden in Deutschland

Wolf Wölfe Wollhybride Wolfshybriden Jägermagazin

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Von vielen lange befürchtet, von anderen oft abgestritten, sind nun in Deutschland offiziell Wolfshybriden bestätigtet worden.

Diese sind eine Mischung aus Wolf und Hund. Die Wölfin von Ohrdruf, die vor zwei Jahren als Jungtier auf mysteriöse Weise auf den Thüringer Truppenübungsplatz gelangte, wurde von einem Hund gedeckt und führt sechs optisch eindeutig identifizierbare Mischlingswelpen.

Wolfshybriden – Sofortige Entnahme?

Zunächst wurde nach der offiziellen Bestätigung, dass es sich tatsächlich um sogenannte Hybriden handelt, schnell der Entschluss gefasst, die Halbwölfe aus der Natur zu entnehmen. Da eine Haltung in einem Gehege als wenig artgerecht angesehen werden muss, blieb als einzige sinnvolle Maßnahme der Abschuss.

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Dass aus Artenschutzgründen eine Entnahme aus der Natur unabdingbar ist unbestritten. Die anstehende Tötung der Wolfshunde sorgte jedoch erwartungsgemäß für Proteststürme und hohe Wellen in Internetforen und sozialen Netzwerken. Peta prüft zudem einen Strafantrag gegen die amtierende Umweltministerin Thüringens Umweltministerin Anja Siegmund (B90-Grüne).

Auch ein Wolfshundzüchter aus Niedersachsen meldete sich zu Wort und verbreitete die Behauptung Wolfsmischlinge seien ungefährlich. Wenn es nach ihm ginge, solle man die Jungtiere einfangen, kastrieren und anschließend wieder freilassen. Er sagte gegenüber der Ostthüringer Zeitung „Es stimmt überhaupt nicht, dass Mischlinge gefährlicher sind als ein Wolf. Sie sind wie ein guter Hund, nur dass sie nicht bellen und so nervig sind.“

Erstaunlich, dass noch vor einigen Wochen, im Zusammenhang mit dem dramatischen Tod einer englischen Urlauberin, Wolfsmischlinge und verwilderte Hunde verantwortliche gemacht werden sollten, statt reinrassigen Wölfen.

Soll man Wolfshybriden kastrieren?

Fraglich auch, ob den Kastrationsbefürworter klar ist, dass Rudelgefüge in der freien Wildbahn fast immer aus einem Elternpaar mit den diesjährigen Welpen und teilweise den Jungtieren des vorangegangenen Jahres bestehen. Jungwölfe verlassen meist im zweiten Lebensjahr , wenn sie geschlechtsreif sind, das Rudel und machen sich auf die Suche nach einem geeigneten Partner. Wie sich kastrierte Wölfe jedoch verhalten würden ist jedoch nicht vorhersehbar, ihnen fehlt die Sexualhormonproduktion und damit der Anreiz zur Partnersuche.

In der Natur ist der Anschluss an ein bestehendes Rudel nicht vorgesehen und eine Begegnung eines Einzelwolfes mit einem Rudel endet meist tödlich. Möglicherweise wären die kastrierten Welpen also zu einem Leben als einsame Einzelgänger verdammt, die dafür bekannt sind besonders häufig Nutztiere zu reißen.

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Winterfell oder Hybrid? ©Pixabay

Wie steht die Jägerschaft zu Wolfshybriden?

Aber auch die Kreisjägerschaft sieht den Abschuss skeptisch. Jedoch offenbar aufgrund der unklaren Rechtslage. Schließlich habe auf dem Truppenübungsplatz alleinig die Bundeswehr die Befugnis Schießbefehl zu geben. Hinzu komme, dass die Hybride nach EU-Recht trotzdem als Wölfe gelten würden und somit streng geschützt seien. Das Umweltministerium merkte allerdings an, dass ein Abschuss möglich sei, wenn das Thüringer Landesverwaltungsamt als obere Naturschutzbehörde eine „Entnahme“ bewillige. „In den nächsten Tagen sollen die Gespräche mit den zuständigen Behörden zum Abschluss kommen“, so ein Sprecher des Ministeriums.

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Hybrid? Reinrassig? ©Pixabay

Wolfshybriden = Wolfsmischlinge?

In Niedersachsen gibt es anders als in Thüringen derzeit keine offiziell bestätigten Wolfsmischlinge. Aber auch hier betonte man, dass im Falle eines Auftretens nur in Ausnahmefällen eine Tötung möglich wäre. „Rechtlich unterliegen Mischlinge aus besonders geschützten Wildtieren und ihrer Haustierform bis zur vierten Generation den gleichen artenschutzrechtlichen Bestimmungen, wie die reine Wildform“, erklärte eine Sprecherin des Wolfsbüros.

Damit wäre nicht nur der Artenschutz des Wolfes in Frage gestellt und ad absurdum geführt, sondern es erscheint damit auch höchstfragwürdig, ob das Halten von Wolfshunden, die zu einem hohen Anteil Wolfsgene tragen und damit ebenfalls als strenggeschützte Art gelten müssten, überhaupt rechtens sein kann.