Illegale Wolfstötungen und ihre Folgen

Rund 34 illegale Wolfstötungen gab es bis August 2018, Dunkelziffer ungewiss.

Immer wieder werden in Deutschland Wölfe geschossen. Wer sind die Täter? Wie viele werden erwischt?

Fokko Kleihauer hat einmal „ermittelt“, wie unsere Gesetzeshüter vorgehen, um illegale Wolfstötungen aufzuklären.

Der erste Wolfsriss im Revier

Stellen Sie sich vor, es ist Aufgang der Bockjagd, um fünf Uhr morgens in Ostniedersachsen oder in der Lausitz. Das Wetter ist perfekt, die Sonne linst langsam über die Baumkronen, und das Vogelkonzert hat schon längst seinen Höhepunkt erreicht. Ein perfekter Morgen, um auf Böcke zu jagen. Bis der Wolf auftaucht.

Sie gucken zu, wie Isegrim interessiert frischen Rehwildfährten folgt und trotz perfekter Schussentfernung weiterziehen darf. Wenige Tage später finden Sie den ersten Riss. Ein Szenario, dass auch bei Ihnen im Revier, liebe Leser, bald alltäglich sein dürfte. Das ist der Preis, den man für die Rückkehr des Wolfes zahlen muss.

Und zur Kasse gebeten werden wir Jäger. Zahlmittel ist ein über Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte mühsam gehegter Wildbestand.

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©Thomas Atwell

Illegale Wolfstötungen – Die Aufklärungsquote

Einige wenige treffen deshalb eine folgenschwere Entscheidung: den Wolf zu erlegen. Die Betonung liegt auf folgenschwer.

Auf EU- und Bundesebene wird dem Wolf durch Gesetze der stärkste Schutz zugesprochen. In Deutschland sind die Paragrafen 69 und 71 des Bundesnaturschutzgesetzes maßgeblich. Nach Paragraf 69 können bis zu 50.000 Euro Bußgeld bei Wolfstötung verhängt werden.

Der Status als streng geschützte Art ermöglicht der Staatsanwaltschaft aber auch, noch schwerere Geschütze aufzufahren. Rein theoretisch ist nach Paragraf 71 des Bundesnaturschutzgesetzes eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren möglich. Die Unverbesserlichen lassen sich dadurch jedoch nicht beeindrucken.

Seit der Wolf wieder in deutschen Wäldern herumstromert, werden auch illegal geschossene gefunden. Die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf führte zu Beginn dieser Recherche 33 illegale Tötungen auf, seitdem ist noch ein weiterer Wolf hinzugekommen ( Stand August 2018 ). Die Frequenz, mit der Wölfe in deutschen Wäldern geschossen werden, steigt an.

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©WnD

34 illegale Wolfstötungen bis August 2018

95 Prozent der Tötungsdelikte in Deutschland werden aufgeklärt – beim Menschen. Geht es um den Wolf, ist die Bilanz miserabel. Ein Täter konnte bisher nur in drei Fällen ermittelt werden. Das auch nur, weil es sich bei den erlegten Wölfen ausnahmslos um Versehen handelte und die Waidmänner sich selber der Polizei stellten.

Sonst ist die Bilanz der Ermittler eher mau. Keine der übrigen 31 illegalen Tötungen ließ sich bis jetzt kriminalistisch so rekonstruieren, dass ein Täter hätte ermittelt werden können.

Die Wölfe am Wegesrand

Werden tote Wölfe gefunden, sind fast immer Straßen im Spiel. Meistens sind die Erleger keine Verbrecher, erst recht keine Jäger. Es ist auch nicht die Kugel, die das Leben beendet, sondern der Kühlergrill. Die meisten Wölfe werden schlicht überfahren.

Man könnte jetzt denken, dass geschossene Wölfe im Wald gefunden werden, aber nein: Fast alle erschossen aufgefundenen Wölfe Deutschlands lagen gut sichtbar an einer Straße. So auch im April dieses Jahres in Ostniedersachsen. Im Wendland wurde ein toter Wolfsrüde am Wegesrand gefunden, an der B493, Abschnitt 220.

Schnell war die Polizei vor Ort, mit forensischem Fachpersonal. Die Bedingungen für eine erfolgreiche Ermittlung waren gut. Ulrich C., der leitende Kommissar, und die zuständige Veterinärin sind in der Region schon bekannt für ihre Ermittlungsanstrengungen, wenn es um den Wolf geht. Dazu haben beide den Jagdschein.

Toter Wolf an der A24 ©Polizei Brandenburg