Berufsjäger Andreas Kieling antwortet auf offenen Brief

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Andreas Kieling ©Photo:http://www.kieling-Tour.de/andreaskieling

Ein kritischer Kommentar von JÄGER Redakteurin Dr. Nina Krüger zur Antwort des gelernten Berufsjägers Andreas Kieling auf den offenen Brief vom JÄGER.

Er ist eingeschlagen wie eine Bombe und wurde mit viral über die sozialen Netzwerke geteilt – der im Juni veröffentlichte, offene Brief des JÄGER-Chefredakteurs Lucas von Bothmer an den Revierjäger und ZDF-Tierfilmer Andreas Kieling. Nun veröffentlichte der selbsternannte Dissident Kieling eine Stellungnahme per Facebook-Video zu den Vorwürfen – und setzt noch einen drauf.

Bei einem seiner typischen, kommentierten Waldspaziergänge mit Schweißhündin Cleobefasste sich der 57-jährige Berufsjäger wieder mit einer seiner Lieblingsbeschäftigungen, der klickträchtigen Pauschalverurteilung von Jagd und Jägern und macht sich damit weiter Feinde – diesmal den internationalen Artenschutzexperten Dr. Baldus.

Wenn der Berufsjäger Andreas Kieling den Jägern die Jagd erklärt

Auch die Zustände in Deutschland bekommen in Kielings Videobotschaft nochmals ihr Fett weg. So prangert er die langen Jagdzeiten an, die das Wild zu einer starken Gegenreaktion veranlasst hätten und es somit nur noch dämmerungs- und nachtaktiv sei. Ein komplexes Thema, das auch in der Jägerschaft diskutiert wird und sich sicherlich nicht mit solch simplen Aussagen abhandeln lässt. Die abstruse Kritik am technischen Fortschritt der Jäger hingegen wirkt grotesk. Denn auch Herr Kieling wird bald wieder mit eben einem solchen „modernen Gewehr mit ultraschnellen Kugeln” morgens am Sammelplatz stehen und sich die Belehrung des Jagdherren zur bevorstehenden Drückjagd anhören.

Sachliche Kritik sieht anders aus

Dass aber auch an einem Kieling Kritik an seiner Person nicht spurlos vorübergeht, wird deutlich, als er auf den an ihn gerichteten offenen Brief von JÄGER-Chefredakteur Lucas von Bothmer (O-Ton Kieling: „ ein Silverspoon aus Hamburg“) zu sprechen kommt. So habe  Kieling als Mensch sich weiter entwickelt, sich neu erfunden und eine andere Einstellung zum Leben angeeignet. Wohl aber nur in einer Öffentlichkeit, in der sich eine jagdfeindliche Haltung möglicherweise besser bezahlt macht.

Kieling ist ja auch viel in der Natur…

„Ich bin ja auch viel in der Natur und dadurch weiß ich ja auch, was in der Natur so abgeht und wer da die Gewinner und die Verlierer sind,“ sagt Kieling dazu. „Mir kann kein Jäger weismachen, wenn er ein Feuchtbiotop anlegt,  was sie ja manchmal sagen, dass sie das machen um irgendwelche Amphibien, Wasserpflanzen oder Limikolen vielleicht das Leben leichter machen“.

Dem entgegnet Experte Dr. Baldus, dass individuelle Motive für eine Habitatsverbesserung vollkommen unbedeutend seien, so lange das Endergebnis ein positives sei.

Kielings Behauptung, dass Fütterungen mit Mais die Fortpflanzung des Wildes anregten, und Jäger dies nutzen würden, um möglichst viel Wild erlegen zu können, wurde bereits wissenschaftlich widerlegt. So stellten Wissenschaftler der Universität Wien kürzlich fest, dass vor allem der Klimawandel mit seinen milden Wintern und gehäuften Mastjahren für ein Wachstum der Schalenwildbestände verantwortlich sei.

Das Wild immer im Blick - Andreas Kieling ©Photo:http://www.kieling-Tour.de/andreaskielingwilde-tiere_4ec4fb9b1f251 Jagd jagen jäger jaegermagazin Berufsjäger Andreas Kieling

Das Wild immer im Blick – Andreas Kieling ©Photo:http://www.kieling-Tour.de/andreaskieling

Kieling sieht den größten Widerspruch der Jäger in ihrer langwierigen Argumentation gegenüber Nicht-Jägern, dass sie jagen würden um Bär, Wolf und Luchs zu ersetzen. Hier bleibt er den Hinweis schuldig, dass wir heutzutage kaum noch einen Naturraum in Deutschland vorfinden, der sich selbst regulierende Großräuber-Beute-Dynamiken erlaubt, ohne an einer Autobahn, Rinderweide oder einem Vorgarten an Grenzen zu stoßen.

Für Auslandsjäger findet Kieling ebenfalls klare Worte. Er ist der Meinung, dass niemand irgendwohin reisen solle, um ein Tier zu erlegen, weil dies seine Aufgabe erfüllt habe.

„Und da kann nicht irgend so ein Weißarsch kommen und sagen: den schieße ich jetzt mal über’n Haufen, weil der hat ja eh keinen Auftrag in der Natur mehr, hat sozusagen biologisch seinen Auftrag erfüllt.“

Vom deutschen Waidwerk direkt zum Elefanten

Der Abschuss von Großwild würde in der Öffentlichkeit für Empörung sorgen, auch bei anderen Jägern die dafür auch kein Verständnis hätten.

Diese Darstellung ist wieder einmal so einseitig, dass es einem schier die Sprache verschlägt – und den Artenschutzexperten Dr. Baldus zu einem offenen Brief an den ZDF-Filmer animiert.

Beide Männer stimmen zwar in dem Punkt überein, dass Verlust und Zerstörung von natürlichen Lebensräumen Wildtiere auf der ganzen Welt vor riesige Probleme stellten. Während Kieling aber der Auffassung ist, dass es egal sei ob diese Tiere legal oder illegal bejagt würden, erkennen Dr. Baldus, ebenso wie der WWF, die EU und die IUCN (Rote Liste der bedrohten Arten) das positive und nachhaltige Nutzungspotential der legalen, regulierten Jagd auf bedrohte Arten an.