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JÄGER Ausgabe August 2018 Jagd und Klima

Grün zu wählen, bedarf es wenig. Doch grün zu leben, ist nicht leicht. Denn die Partei, die sich am lautesten für den Klimaschutz einsetzt, hat ausgerechnet die Wähler mit dem größten ökologischen Fußabdruck. Niemand verdient mehr Geld – und niemand verbraucht mehr Energie als diese. Offenbar nimmt man den aktuellen Höhenflug in der Partei so wörtlich, dass selbst die Chefs Habeck, Özdemir oder Hofreiter zur Bekämpfung des Klimawandels in die entlegensten Winkel unseres bedrohten Planeten jetten. Besonders heikel war die „Operation Pistazie“ der bayerischen Grünen-Vorsitzenden Katharina Schulze, welche über Neujahr in Kalifornien einen Eisbecher (mit Plastiklöffel!) naschte, aber zeitgleich daheim in München gegen die dritte Startbahn des Flughafens rebellierte.

Doch wie geht das zusammen? Für eine Kerosinsteuer sein, eine Einschränkung des Flugverkehrs fordern, die Autofahrer drangsalieren – und gleichzeitig aus purer Reiselust durch die Weltgeschichte düsen?

Doppelte Moral, dreifaches Problem:
1. Von anderen zu verlangen, worauf man selbst nicht verzichten will, ist generell unglaubwürdig.

2. Als Polit-Ikone, die diesen Wandel vorleben muss, ist dergleichen besonders unredlich.

3. Statt sinnlose Luxustrips als dringliche Diplomatenreisen zu verschleiern, würde man sich von den Grünen lieber echte Konzepte und Ideen wünschen.

Doch für die Frage nach Umweltschutz ohne Wohlstandseinbußen haben auch die Grünen noch keine Antwort. Darum sollten sie endlich ihr
lästiges Vorschreiberimage ablegen. Doch auch uns, die wir diese Partei von jeher so harsch kritisieren, helfen solche Debatten nicht. Denn die moralische Anklagebank ist nicht der Ort, auf dem die Zukunft des Planeten entschieden wird.

Diese kann nur auf alternativen Energien und alternativen Lebenskonzepten basieren. Und genau darum soll es in diesem JÄGER gehen. Denn in puncto Lebensentwurf müssen wir uns nicht verstecken. Hier mal ein paar steile Hypothesen, welche wir künftig gemeinsam erörtern wollen.

1. Wir Jäger essen viel Wild – und wenig „klimaschädliches“ Fleisch.

2. Viele von uns fliegen selten – und machen am liebsten Ferien im Revier.

3. Etliche Revierinhaber ermöglichen durch freiwillige Pflanzaktionen zusätzliche CO2-Bindung.

4. Wir sind zwar in aller Regel auf ein Geländeauto angewiesen, aber verstopfen damit weder Innenstädte noch verweigern wir uns alternativen Fortbewegungsmitteln (siehe S. 34).

Klar ist, dass nicht alle Menschen hierzulande Wild essen können. Klar ist, dass auch wir Jäger nicht völlig „CO2-neutral“ sind. Doch leben wir, vielleicht unbewusst, nicht zeitgemäßer, als man es von uns annimmt? Ist es nicht viel „grüner“, seine lokale Umwelt zu schützen und sich saisonal zu ernähren, seinen Ressourcenverbrauch durch Heimaturlaub zu drosseln, als das zu fordern und an allen Optionen des global-urbanen Luxuslebens festzuhalten, wie etliche Grüne es tun? Wir Jäger brauchen keinen Dank. Aber es wäre schön, wenn Politik und Medien von uns lernen würden.

  • Jagd und Klima
    • Unser Wald: Wie schlimm ist sein Zustand?
    • Unsere Ökobilanz: Wie umweltfreundlich leben Jäger?
    • Unsere Gummipirsch: So sinnvoll ist Jagen vom Fahrrad!
  • Mein Lebensbock
    Was macht ihn aus?
  • Ihr Wildacker
    Wildmagnet dank Buchweizen
  • Der Schalldämpfer
    Ein Jahr im jagdlichen Einsatz
  • Die ASP in Belgien
    So schlimm sieht es aus