Schalldämpfer im Praxistest

Es wird behauptet, man schieße mit einem Schalldämpfer besser. Stimmt das? Diverse Schalldämpfer im Praxistest mussten die Frage klären. Mit eindeutigem Ergebnis.

Schon in fünf Bundesländern – Bayern, Baden-Württemberg, das Saarland, Brandenburg und Rheinland-Pfalz – ist es als Privatperson möglich, einen Schalldämpfer für die Jagdwaffe zu beantragen. Viele haben diesen Tag herbeigesehnt, für andere sind Schalldämpfer ein Hilfsmittel, das militärisch anmutet, völlig unnötig ist und daher abgelehnt wird.

Schalldämpfer im Praxistest – Denn Schall kann schaden!

Fakt ist, jedesmal, wenn wir schießen und unser Gehör nicht adäquat schützen, laufen wir Gefahr, uns bleibende Schäden zuzufügen.

Ein Grund, warum viele ältere Jäger zur Kompensation ihres Gehörverlustes ein Hörgerät tragen. Um einem solchen Schaden vorzubeugen, kann man einen Gehörschutz tragen, der effektiv dämpft und, mit einer Elektronik ausgestattet, auch noch die Umgebungsgeräusche verstärkt. Rauschen die Blätter oder pirscht man gar, kann dies jedoch unpraktikabel werden. Oder man kann einen Schalldämpfer verwenden, der zusätzlich zur Schallreduktion für den Schützen auch noch Jagdhund und Umgebung weniger beeinträchtigt als ein Schuss ohne akustische Dämpfung.

Es wird behauptet, man schieße mit einem Schalldämpfer besser. Stimmt das? Diverse Schalldämpfer im Praxistest mussten die Frage klären.

Ein Schalldämpfer lässt sich schnell auf- und abschrauben. ©Pauline von Hardenberg

Schalldämpfer

Ein Büchsenschuss kann, abhängig von Kaliber, Lauflänge und Laborierung, an der Mündung bis zu 170 Dezibel (dB) laut sein. Die Schadensgrenze ist aber weit früher erreicht. Ein Schalldämpfer sollte den Mündungsknall bis unterhalb des gesetzlich festgelegten, maximal erlaubten Spitzenschallpegels von 137 dB reduzieren. In der Praxis erreichen die für hiesige Jagd verwendeten Kaliber etwa 155 dB am Ohr. Da Dezibel eine logarithmische Einheit sind, entsprechen zehn dB etwa einer Schallreduktion um die Hälfte! Damit keine Schädigungen durch den Schussknall auf der Jagd auftreten, sollte der Lärmpegel am Jägerohr um wenigstens 20 dB reduziert werden.

Darum knallts

Aus zwei Gründen knallt es beim Schuss. Einmal, weil der im Lauf befindliche Gasdruck an der Mündung dekomprimiert und damit die explosionsartige Verbrennung der Treibladung plötzlich laut hörbar wird. Dadurch entsteht der Mündungsknall, der durch den Schalldämpfer deutlich reduziert wird. Außerdem begleitet überschallschnelle Geschosse der Überschallknall, dieser ist auch mit Schalldämpfer noch zu hören. Im Schalldämpfer expandieren die Pulvergase aus dem Lauf, ohne dass sie ihre gesamte Schallenergie an die Umgebung abgeben können. Um diese Schallenergie möglichst effizient abzubauen, finden sich im Innern von Schalldämpfern Kammern, Lamellen und Prallwände, die den Gasstrom hemmen und abkühlen. Die Anordnung und das Aufnahmevolumen der Kammern sind ausschlaggebend für die Wirksamkeit des Schalldämpfers.

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Blick durch den Schalldämpfer. Diesen Weg muss die Kugel nehmen.

Andere Effekte

Oft hört man, dass sich mit Verwenden eines Schalldämpfers die Schießleistungen erheblich verbessern. Nicht nur der reduzierte Schussknall, der viele Schützen zum Mucken bringt, sondern auch der Rückstoß soll deutlich vermindert werden. Dies geschieht, weil der Gasdruck und die damit verbundene Energie gefangen und umgewandelt wird. Ob dies tatsächlich so ist, wollten Dr. Nina Krüger und Niklas Scharffetter wissen. Deshalb haben sie sich mit Pete Lincoln und Scott Blaney von Roedale Precision, einer Büchsenmacher-Werkstatt, auf der Schießanlage Wallenhorst getroffen und es in einem Versuch ausprobiert.

Britisches Know-How

Pete Lincoln kam vor mehr als zwei Jahrzehnten als Soldat nach Deutschland und wurde während seiner Militärzeit zum Büchsenmacher ausgebildet. Seine Schalldämpfer entwirft und testet er alle selbst. Produziert wird in Deutschland – teilweise selber, teilweise lässt er anfertigen.Lange Zeit verkaufte er hauptsächlich ins Ausland. Seit in einigen Bundesländern der Gebrauch von Schalldämpfern gestattet wurde, kann er sich vor Aufträgen kaum retten. Nicht nur Jäger, sondern ganze Forstämter lassen sich mittlerweile von ihm ausstatten.

JÄGER- Autor Max Mayr-Melnhof schwört auf Pete’s Schalldämpfer, die individuell an die Bedürfnisse der Kunden angepasst werden können.

Dafür sorgt eine Art Baukastensystem – durch Aufschrauben können Module ergänzt werden, um die Dämpfleistung zu verstärken.

Das Ergebnis

Sehr schnell wurde im Versuch klar, dass Schießen mit Schalldämpfer mehr Spass macht und bessere Resultate liefert. Nach nur wenigen Schüssen fängt nämlich selbst die .308 Win. an zu beißen, und die Präzision leidet. Nicht so mit Schalldämpfer. Nach kurzer Gewöhnung waren deutlich kleinere Schussgruppen das Ergebnis. Durch den schlanken Bau wird auch das Flüchtigschießen nicht behindert. Im Gegenteil, mit etwas Übung war es möglich, durch den verminderten Rückstoß im Ziel zu bleiben und schneller nachzuschießen.

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So sieht ein Schalldämpfer von Innen aus. Jede der Kammern stellt ein Modul dar, das auf- oder abgeschraubt werden kann. Je mehr Kammern, desto höher die Dämpfleistung. Wie viele Kammern benötigt werden, hängt vom Kaliber ab. ©Pauline von Hardenberg

Made in Germany

Die ersten Schalldämpfer entwarf Pete Lincoln in den 1980ern. Nach einem Entwicklungs- und Forschungsprojekt mit der Fachhochschule Osnabrück waren diese 2009 serienreif. Heute entwickelt er seine Modelle ständig weiter und fertigt viele Prototypen. Die Serienproduktion wird teilweise von Subunternehmern in Deutschland und demnächst auch in Österreich durchgeführt. Testen tut der Brite jedoch immer selbst und höchst penibel. Dafür hat er in ein teures Schalldruckmessgerät, das in der Lage ist, Schießlärm zu messen, investiert. Dieses misst, wo es darauf ankommt – am Ohr des Schützen.