Mein Hund hat Würmer!

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Das Bekämpfen von Parasiten ist nicht nur wichtig, um die Gesundheit des Hundes zu bewahren, sondern auch, um Menschen und andere Haustiere vor Ansteckung zu schützen.

Das regelmäßige Entwurmen unseres Vierbeiners ist daher eine Selbstverständlichkeit. Was ist zu tun, und worauf ist zu achten?

Die Würmer unserer Hunde leben als Schmarotzer im Darm oder Magen. Hunde sind für die Würmer Wirtstiere, die sie durch Verletzen und Stoffwechselgifte erheblich schädigen können. Zwei Wurmarten, Rund- und Bandwürmer, machen die Hauptsache der bei unseren Hunden vorkommenden Würmer aus.

Rundwürmer (Haken-, Spul-, Peitschenwürmer) sind fadenförmige Würmer. Ihr Körper läuft an beiden Enden fadenförmig zu. Dabei variiert die Körperlänge je nach Wurmart von einem Millimeter bis zu 25 Zentimeter. Die Würmer besitzen eine Mundkapsel, die sie zum Anhaften an die Darmwand des Wirts und zur Nahrungsaufnahme benötigen. Ihre Nahrung besteht aus dem Darminhalt des Wirts, dessen Blut und Schleimhautzellen. Jedes erwachsene Wurmweibchen kann mehrere tausend Eier am Tag legen.

Nach dem Ausscheiden der Eier mit dem Kot entstehen infektiöse Larven, die zum Beispiel von einem anderen Haustier bei einem Spaziergang aufgenommen werden. Die Larven wandern dann durch unterschiedliche Organe des Wirts und können dort erhebliche Schäden anrichten. Anschließend erreichen sie wieder den Darm, werden dort zu erwachsenen Würmern und beginnen nach der Paarung mit der Eiablage.

Peitschenwurmbefall

Der Lebenszyklus beginnt von vorn. Bandwürmer (Fuchsbandwurm, Taenien, Mesocestoides) verdanken ihren Namen der flachen, bandartigen Körperform. Die Würmer leben als Parasit im Dünndarm der Hunde. Der Körper gliedert sich in einen Kopfteil, der zum Anheften an die Darmwand dient, und einen nicht unterteilten Halsbereich sowie die sich ständig neu bildenden Glieder, sogenannte Proglottiden.
Die Länge der Bandwürmer reicht je nach Art von wenigen Millimetern (Fuchsbandwurm 1,2 – 3,7 mm) bis zu 2,5 Meter (Taenia-Arten). Fast alle Bandwurmarten sind mit männlichen und weiblichen Geschlechtsorganen ausgestattet, das heißt, sie sind Zwitter.

Ihre Nahrungsaufnahme erfolgt über die Körperoberfläche. Die Entwicklung der Larven erfolgt über einen oder mehrere Zwischenwirte (z.B. Mäuse, Schweine, Wild-/Wiederkäuer). Die Larven können sich in verschiedenen Organen entwickeln und die dabei wachsenden Finnen größere Schäden verursachen.

Die Finnen gelangen über die Nahrungskette (z.B. rohes Fleisch vom Zwischenwirt) in den Darm des Endwirts und entwickeln sich dort zum erwachsenen Wurm. Es ist kaum möglich, einer Infektion vorzubeugen, da man die Hunde den Gefahrenquellen nicht entziehen kann. Nach den Infektionswegen unterscheidet man grundsätzlich folgende Infektionsmöglichkeiten:

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Orale Infektion: Durch Auflecken von Wurmeiern und -larven (Spul- und Hakenwürmer) aus der Umgebung oder durch Fressen infizierter Zwischenwirte wie Mäuse, Vögel oder Flöhe(Bandwürmer).

Perkutane Infektion: Hakenwurmlarven können durch die Haut in den Hund eindringen. Intrauterine und laktogende Infektion: Ruhende Larven im Körpergewebe des Muttertiers werden erneut mobilisiert und erreichen über das Blut die Gebärmutter und die Milchdrüsen. Dadurch werden die ungeborenen Welpen infiziert. Nach der Geburt können die Jungtiere weitere Wurmlarven (Spulwürmer) über die Milch aufnehmen.
Symptome und Diagnose

Die Symptome eines Wurmbefalls hängen stark von Alter, Gesundheitszustand und Widerstandsfähigkeit des Einzeltiers sowie der Wurmart und der Befallsmenge ab. Der Hund kann ohne sichtbare Anzeichen von Würmern befallen sein.

Folgende Symptome können auf Wurmbefall hinweisen: Sichtbare Wurmteile im Kot, Erbrechen, Blutarmut, Blut im Kot, schlechte Wundheilung, glanzloses, struppiges Fell, Gewichtsverlust, aufgeblähter Bauch, verminderte Fruchtbarkeit, Leistungsminderung, allgemein herabgesetzte  Widerstandskraft und Vitalität. Bei Jungtieren kann massiver Wurmbefall sogar zum Tod führen.

Die Diagnose des Wurmbefalls geschieht über eine Kotuntersuchung beim Tierarzt. Eine negative Kotprobe bedeutet aber nicht, daß der Hund wurmfrei ist. Dies liegt unter anderem an der unregelmäßigen Eiausscheidung und den unterschiedlichen Entwicklungsstadien der Würmer. Beim Auftauchen von Symptomen sollte daher immer ein sofortiges Entwurmen durchgeführt werden. Darüber hinaus ist ein vorbeugendes Entwurmen alle drei Monate empfehlenswert. Nur so können Sie Ihren Hund und Ihre Familie dauerhaft vor der Wurmgefahr schützen.

Gefahren für Hund und Mensch

Nach der Infektion wandern die Larven durch den Körper des Hundes, bevor sie sich im Darm festsetzen. Dadurch entstehen Verletzungen, Nährstoff- und Blutentzug sowie giftige Stoffwechselprodukte. Derartige Veränderungen können durchaus zum Tod führen, zumeist bei Jungtieren. Desweiteren kann es zu Blutverlust (Hakenwürmer), Verstopfung des Darms und der Gallengänge bei massivem Rundwurmbefall sowie Vitamin und Nährstoffentzug durch Rund- oder Bandwürmer kommen. Da einige Wurmarten mit der Muttermilch übertragen werden, ist das konsequente Einhalten der Welpenentwurmung und das regelmäßige Entwurmen der Muttertiere besonders wichtig. Neben den direkten gesundheitlichen Schäden leidet auch die Widerstandskraft und der Allgemeinzustand des Hundes. Auch der Mensch kann von Würmern befallen werden. Dies trifft besonders Kinder, die häufig in engem Kontakt mit dem Hund leben. Der Mensch gilt als sogenannter Fehlwirt. Das heißt, aus ihm können sich keine erwachsenen Würmer entwickeln.

Die aus den Eiern schlüpfenden Larven wandern jedoch während ihrer Entwicklung im Körper des Menschen umher und können dabei Schäden an verschiedenen Organen (Auge, Leber, Haut) verursachen. Daher sollte eine Infektion des Menschen unbedingt vermieden werden. Bauchschmerzen, Durchfall und Abmagerung können auf einen Befall mit Würmern hindeuten. Die richtigen Zeitabstände zum Entwurmen hängen stark vom Alter des Hundes ab. Insbesondere Welpen und Jungtiere sind besonders gefährdet, da ihr Immunsystem noch nicht so gut entwickelt ist und häufig die Infektion über die Mutter stattfindet. Die Welpen kommen dann schon infiziert zur Welt oder werden über die Muttermilch angesteckt. Daher werden wir Hündinnen direkt vor dem Decken und zehn Tage vor dem Wurftermin behandeln. Alle weiteren Wurmkuren erfolgen dann bis zur achten Woche zusammen mit den Junghunden des Wurfs. Wurmkuren sollten im folgenden Alter erfolgen:

2., 4., 6., 8., 10., 12., 16., 20. und 24. Woche sowie ab dem 6. Lebensmonat alle drei Monate.

Einige Tips zur Behandlung

Häufig werden die Wurmmittel in der Tierarztpraxis vom Veterinär oder einer Helferin verabreicht. Oft ist es aber auch notwenig, das Wurmmittel selber zu geben. Hier ein paar Tips zur erfolgreichen Behandlung:

  • Die Tablette im Lieblingsfutter des Hundes oder einer Leberwurst verstecken. Normalerweise wird sie dann problemlos gefressen.
  • Sollte der Hund die Tablette nicht fressen wollen, schieben Sie ihm die Tablette weit in den Rachen hinein. Halten Sie den Fang nach oben und massieren Sie sanft den Kehlkopf des Hundes.
  • Wenn Sie Probleme bei dem Verabreichen haben, fragen Sie Ihren Tierarzt. Er wird es Ihnen gerne vormachen.
  • Wurmkuren werden nach Gewicht dosiert. Sollten Sie Ihren Hund nicht mit in die Tierarztpraxis nehmen, wiegen Sie ihn zu Hause. Steigen Sie dazu einfach mit dem Hund auf eine Waage und ziehen Sie anschließend Ihr eigenes Gewicht vom Meßwert ab.
  • Falls die jährliche Impfung fällig ist, entwurmen Sie Ihren Hund am besten zwei Wochen vorher. Er kann dann einen besseren Impfschutz aufbauen.

Zum effektiven Wurmbekämpfen stehen inzwischen wirkungsvolle Medikamente zur Verfügung. Diese erlauben das gleichzeitige Behandeln aller wichtigen Wurmarten, die für Ihren vierläufigen Jagdgehilfen gefährlich werden können. Ein einmaliges Behandeln im regelmäßigen Abstand von drei Monaten ist normalerweise ausreichend. Nur durch regelmäßiges Untersuchen und Entwurmen Ihrer Haustiere können Sie sich sowie Ihre Familie umfassend und zuverlässig vor möglichen Ansteckungen schützen. Der Kontakt zu Ihren vierbeinigen Freunden kann dann ohne Gefahr so eng bleiben, wie er ist.

Dr. Alexander Gey