Drückjagdplanung – wo den Stand platzieren?

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© Pauline v. Hardenberg

Eine gute Bewegungsjagd steht und fällt mit der Drückjagdplanung. Besonders bei der richtigen Standwahl sollte der Beständer alles richtig machen.

Auf der Drückjagd gilt es neben den Sauen auch dem Rot – und Rehwild. Drei verschiedene Schalenwildarten die Kugel anzutragen ist nicht einfach, besonders da alle drei unterschiedlich flüchten. Wie welcher Stand aussehen muss, damit ordentlich Strecke gemacht wird, zeigt Bruno Hespeler.

Drückjagdplanung – wo kommt das Rehwild?

Kommt es zur Drückjagdplanung, spielen die Stände ein wichtige Rolle. Wo muss mein Stand stehen, damit ich ordentlich Schalenwild vorbekomme?

© Pauline v. Hardenberg. Rehwild sichert auch während einer stressigen Drückjagd oft.

Grundsätzlich müssen wir bei der Drückjagdplanung immer die Wahl des Standes und damit das Verhalten der zu bejagenden Wildart berücksichtigen. Und da haben wir schon den ersten Knackpunkt. Fast immer sollen mehrere Schalenwildarten gleichzeitig bejagt werden, die sich aber, von uns in Bewegung gesetzt, ganz unterschiedlich verhalten. Daher liegen bei guten Hochwildstrecken selten viele Rehe und umgekehrt.

Kommt es zur Drückjagdplanung, spielen die Stände ein wichtige Rolle. Wo muss mein Stand stehen, damit ich ordentlich Schalenwild vorbekomme?

© Pauline v. Hardenberg. Bauchhohe Deckung sorgt für genügend  Sicherheit, um einmal zu verhoffen.

Rehe sind keine Fluchttiere im eigentlichen Sinne, eher Drückeberger. Sie vertrauen stark darauf, nicht gesehen zu werden. Daher bleiben sie so lange wie möglich in Deckung. Sicher fühlen sie sich überall dort, wo es dunkel ist oder wo ihnen eine relativ dichte Vegetation mindestens bis zum „Bauch“ reicht.

Dunkel ist es in Dickungen und jüngeren Stangenhölzern. Zumindest „bauchhohe“ Vegetation gibt es auf Kulturflächen, in Schilfpartien, aber auch in Form von Naturverjüngung in lichten Althölzern.

Rehe meiden alle Lichtbrücken und grobe, vertikale Veränderungen. Lichtbrücken sind beispielsweise Schneisen oder Wege, egal, ob sie zwischen Kulturen, Dickungen oder Althölzern liegen. Grobe Unterschiede in der vertikalen Struktur haben wir überall dort, wo die Dickung ans lichte Altholz grenzt oder dieses an eine Wiese.

Kommt es zur Drückjagdplanung, spielen die Stände ein wichtige Rolle. Wo muss mein Stand stehen, damit ich ordentlich Schalenwild vorbekomme?

© Pauline v. Hardenberg. Der Graus eines jeden Nachsucheführers. Hochflüchtig auf der Schneise beschossen, können solche Unfälle leicht passieren. Damit es nicht passiert, schauen Sie sich an, wie die optimale Drückjagdkarte aussehen muss!

Sie Rehe gezwungen, solche Passagen trotzdem zu nehmen, werden sie davor – sofern es ihnen möglich ist – zunächst sichern und dann hochflüchtig über die Gefahrenzone gehen. Ein sauberer Schuß läßt sich dabei nicht antragen.

Sie bleiben nach Durchqueren der Passage bis in den nächsten sicheren Einstand flüchtig. Das kann beispielsweise nach hundert oder mehr Metern ein Verjüngungshorst sein oder aber die nächse Dickung, Sie flüchten selten ins Zentrum dieser neugewonnenen Deckung, sondern verhoffen meist abrupt im Randbereich. Dort „gefrieren“ sie förmlich ein und sichern dabei zurück. Kommt kein Verfolger nach, beruhigen sie sich relativ schnell und verdrücken sich dann eher langsam.

Drückjagdplanung – auf Rehe nur im Zentrum!

Kommt es zur Drückjagdplanung, spielen die Stände ein wichtige Rolle. Wo muss mein Stand stehen, damit ich ordentlich Schalenwild vorbekomme?

©Pauline v. Hardenberg. Idyllisch wie in einem Märchen. Obwohl die Hunde im Hintergrund bellen. Im Zentrum eines Einstandes fühlt sich das Rehwild wohl, auch wenn die Drückjagd tobt.

Damit ist gleich ein Grundsatz meiner Drückjagdplanung beschrieben. Ich stelle auf keinen Fall  an Schneisen, Weg – oder Bestandsrändern ab. Gleiches gilt übrigens für enge Bachtäler, auch wenn sie rechts und links dieselbe Waldstruktur aufweisen.

Etwas verallgemeinernd im Bezug auf  die Drückjagdplanung können wir sagen: Ein Rehwild-Drückjagdstand mit viel Schussfeld verspricht wenig Beute; je geringer das Schussfeld, umso größer die Chance, daß uns die Rehe vertraut kommen.

Wir werden also die Schützeneinstände eher im Zentrum der Bestände suchen als am Rand, eben dort, wo sich die Rehe sicher fühlen. Also nicht am Altholzrand, sondern möglichst weit im Altholz drinnen. Nicht an der Schneise, sondern möglichst weit im Stangenholz.

Natürlich sind wir bestrebt, bestimmte Eigenheiten des Geländes auszunutzen. Dazu gehören kleine Felspartien ebenso wie Kulturzäune oder Engstellen in den Stangenhölzern. Gute Rehwildstände sind oft in der Nähe vielbegangener Forstwege oder unweit von Häusern. Erstens scheuen die Rehe den nichtjagenden Menschen kaum, sie weichen ihm nur aus, zweitens ist menschliche Wittrung dort allgegenwärtig.

Die optimale Drückjagdplanung für Sauen

Kommt es zur Drückjagdplanung, spielen die Stände ein wichtige Rolle. Wo muss mein Stand stehen, damit ich ordentlich Schalenwild vorbekomme?

©Pauline v. Hardenberg. Reh- oder Rotwild versucht an der Dickung entlang zu entkommen. Sauen allerdings kennen keine Gnade und schießen schnurgerade über die weite Flächen. Das muss bei der Standplanung beachtet werden!

Während vom Hund oder Durchgehen hochgemachte Rehe immer das Bestreben haben, möglichst bald in die Nähe des Ausgangspunkts ihrer Flucht zurückzugelangen und sich daher mehr oder weniger im Kreis drehen, legen Sauen den Vorwärtsgang ein und „schieben ab“.

Allerdings versuchen auch Sauen – besonders einzelne und wenn ihnen die Verfolger nicht zu dicht am Pürzel sind – vorhandene Deckung auszunutzen und Freiflächen an Engstellen zu überqueren. Doch egal, auch Schwarzwild geht fast immer flüchtig über Wege und Schneisen. Sie drücken sich aber beispielsweise nicht so bewußt und elegant von Verjüngungshorst zu Verjüngungshorst wie dies die Rehe tun.

Nein, sie „marschieren“ in gerader Linie durch. Daher brauche ich auf einem Schwarzwildstand schon deutlich mehr Schussfeld als auf einem Rehwildstand. Ich will, und da sind wir beim nächsten Kriterium, dem Wild entgegenschießen können – nicht nur hinterher, wie dies auf Schneisen der Fall ist. Damit reduziere ich die unschönen Weichschüsse und erleichtere mir Zweitschüsse und Doubletten. Sauen schieben auch ohne Zögern bolzengerade über größere Wiesen und Feldpartien. Das gilt es beim Abstellen zu bedenken.

Stände für den König des Waldes

Kommt es zur Drückjagdplanung, spielen die Stände ein wichtige Rolle. Wo muss mein Stand stehen, damit ich ordentlich Schalenwild vorbekomme?

© Paulin v. Hardenberg. So angestrengt sieht Rotwild nicht immer aus, wenn Hunde im Treiben sind.

Es ist keineswegs so, daß Rotwild eine von Hunden oder Treibern beunruhigte Dickung fluchtartig verläßt. Gerade bei den großen Hundejagden läßt sich immer wieder beobachten, wie Rotwild – lange nach Beginn des Treibens – klammheimlich aus der Dickung kommt. Nicht selten wechselt es nur ein Stück ins Altholz, bleibt stehen und sichert zurück, um – wenn kein Hund folgt – bald darauf wieder in derselben Dickung zu verschwinden, aus der es kam.

Ich habe sogar erlebt, daß Rotwild von hinten anwechselte, im Altholz vor der Dickung verhoffte, und dann einwechselte, obwohl drinnen noch lauthals die Hunde jagten. Ebenso ist es bei derartigen Jagden fast alltäglich, daß Rotwild – und Sauen – eine Dickung erst nach Beendigung des Treibens verlassen. Dies, obwohl solche Treiben meist mehr als zwei Stunden dauern.

Kommt es zur Drückjagdplanung, spielen die Stände ein wichtige Rolle. Wo muss mein Stand stehen, damit ich ordentlich Schalenwild vorbekomme?

©Pauline v. Hardenberg. Dieses Rudel Rotwild hat den Schützen wohl mitbekommen. Steht er ausserhalb der Dickung, hat das Kahlwild leichtes Spiel. Hochflüchtig kann er hier keinen Schuss anbringen.

Wie auch immer: Auch für Rotwild muß der Schütze vom Rand weggedrückt werden. Erstens, um das Wild von vorne beschießen zu können, zweitens, weil er nirgends so schnell entdeckt wird wie am Rand oder auf einer Lichtbrücke. Wir müssen nur die Probe aufs Exempel machen und es bei der Drückjagdplanung beachten. Wann sehen wir unseren Jagdfreund schneller und klarer: Wenn wir heraus stehen und er drinnen oder im umgekehrten Falle?

Auch Rotwild geht über Freiflächen, schließlich kommt es ja aus der Steppe und wurde erst von uns in den Wald verbannt. Aber die Erfahrung von Generationen haben diese Wildart gelehrt, daß es im Feld – und besonders an Rändern – gefährlich ist. Daher neigt Rotwild gerne dazu, vor Überqueren eines Feldes oder breiteren Wiesentals ein Stück innerhalb des Waldrands zu wechseln, ehe es das offene Feld annimmt, Dabei hat es zweifellos Gelegenheit, die Gefahrenlage draußen zu erkunden. Stelle ich nun meine Schützen treibenseitig am Waldrand ab, werden sie natürlich vom Wild entdeckt. Also müssen sie auf der Seite stehen, zu der das Wild eventuell hin will.

Schneisenstände soll der Teufel holen. Man sieht viel Wild und schießt wenig und wenn, dann bevorzugt krank. Trotzdem gibt es in Dickungen mitunter brauchbare Schneisenstände, wenn vom Stand mehr Linien weggehen, die das Wild nacheinander passiert. Der Schütze ist dann vorgewarnt und weiss, womit er auf der nächsten Linie zu rechnen hat, Trotzdem sind solche Stände nichts für Gelegenheitsjäger.

Nicht Steil den Hang hoch

Kommt es zur Drückjagdplanung, spielen die Stände ein wichtige Rolle. Wo muss mein Stand stehen, damit ich ordentlich Schalenwild vorbekomme?

@Pauline v. Hardenberg. Ungerne geht es für Wild den Hang hinauf. Hier war der Druck groß genug, dass es ein Keiler probiert hat. Schon im Anschlag hat der Schütze vielleicht eines unserer getesteten Drückjagdgläser?

Kein Schalenwild geht ohne Zwang steil den Hang hoch oder hinunter – letzteres kommt am ehesten bei Sauen vor. Hänge werden am liebsten schräg angeschnitten. Die kritischen Stellen, vor denen das Wild gerne verhofft, zumindest aber unsicher ist und langsam wird, sind Hangkanten. Hier verhält es sich meist ganz ähnlich wie an Dickungsrändern: Erst sichern und dann „Gas geben“.

Wird das Wild  eher von unten zu erwarten sein, muß der oder die Schützen im oberen Bereich vor der Hangkante stehen – nicht über dieser. Nicht nur die Unsicherheit vor der nicht übersehbaren Kante macht es dort langsam, sondern auch die Anstrengung des „Bersteigens“. Da man selten weiß, von wo das Wild kommt, sind Drückjagdkanzeln günstig, die direkt auf der Hangkante stehen und einen Schuß nach beiden Seiten der Kante ermöglichen.

Im Grunde ist für  die Auswahl der Stände für die Drückjagdplanung gar nicht so schwierig. Wir müssen uns nur folgende Frage stellen: Wie würde ich mich hier als Flüchtiger verhalten, wenn ich mit Beschuss rechnen müsste? Die Antwort hilft am meisten  bei der Suche nach guten Rehwildständen, doch auch bei Rot und Schwarzwild.

Solange das Laub noch hängt

Kommt es zur Drückjagdplanung, spielen die Stände ein wichtige Rolle. Wo muss mein Stand stehen, damit ich ordentlich Schalenwild vorbekomme?

© Pauline v. Hardenberg. Zu zweit ist es am schönsten: Einer schaut, wo die Äste ins Schussfeld hängen, der andere sägt.

Da wir zumindest mit einigen unserer Stände in jüngere Waldabteilungen oder ins Altholz mit Unterstand gehen, ist es gut, sie festzulegen, so lange noch Laub an den Bäumen hängt. Denn nur jetzt fallen uns all die feinen Zweige auf, die später unsere Kugeln ablenken können. Sind die Blätter erst am Boden, werden die feinen Reiser übersehen.

Am besten legen wir die Stände zu zweit fest. Einer bleibt stehen, der andere astet aus. Je diskreter wir dabei vorgehen, umso sicherer wird sich das Wild fühlen.

Wo die Schützen in Stangenhölzern postiert werden sollen, sind etliche Krähenfüße unverzichtbar. Diese sollen gerade so breit sein, daß wir bei der Jagd erkennen, welches Wild uns anwechselt. Rechts und links davon wird eine etwas breitere Schusslinie freigehalten, auf der wir das bereits grob angesprochene Wild anpfeifen und ohne Hindernisse beschießen können. Da ist dann der „Steuermann“ gefordert.

Wie eine gut organisierte Drückjagd aussieht und was für einen Effekt auf die Strecke gut platzierte Stände haben, zeigen wir auf JÄGERPRIME