Jagdunfall oder Mord? – Ortung des Jagdhundes soll Hinweise geben

Western Capercaillie (Tetrao Urogallus) Wood Grouse at lek during the courting season

Bei der nordischen Raufußhuhnjagd werden die Hühner mit dem Hund gesucht und teilweise auch zugetrieben. © AdobeStock/STUEDAL

Ein tödlicher Schuss bei einer Raufußhuhnjagd wirft Fragen auf. War es ein Jagdunfall oder doch ein Mord?

In Arjeplog, einer Kommune im schwedischen Lappland, ist ein 65-jähriger Norweger bei der Vogeljagd ums Leben gekommen. Sein gleichaltriger Jagdkamerad, ebenfalls Norweger, steht unter dringendem Tatverdacht. Die Ermittler sprachen zunächst von einem möglichen Mord. Inzwischen deutet vieles auf einen tragischen Jagdunfall hin.

Die Fakten zum Fall

Arjeplog liegt im Norden Schwedens, in der Provinz Norrbotten. Das Gebiet ist geprägt von Fjäll und dünn besiedelten Wäldern – ein klassisches Revier für die nordische Vogeljagd mit dem Hund. Am Donnerstagabend gegen 17.30 Uhr ging bei der schwedischen Polizei die Meldung über eine verletzte Person ein. Doch die Hilfe kam zu spät. Der verletzte Norweger erlag noch am Unglücksort seinen Schussverletzungen. Augenzeugen für den tödlichen Schuss gibt es nicht, da nur die beiden Jäger und der Hund vor Ort waren.

Vom Mordverdacht zum Jagdunfall

Die Polizei nahm den mutmaßlichen Schützen umgehend fest. Zunächst stand der Verdacht des Mordes im Raum. Nach Vernehmungen und der Auswertung der Tatortspuren stufte die zuständige Staatsanwältin die Tat inzwischen anders ein. Aus dem Mordverdacht wurde grob fahrlässige Tötung. Es gebe nichts, so die Staatsanwältin, was auf eine vorsätzliche Tötung hindeute. Am Samstagabend kam der Verdächtige wieder auf freien Fuß. Für eine Haft reichten der Staatsanwaltschaft die Gründe nicht aus.

Jagdunfall durch Missverständnis bei der Einweisung

Der Verteidiger des Verdächtigen spricht von einem furchtbaren Unglück. Sein Mandant weise jede Schuld von sich. Nach dessen Darstellung kam es bei der Einweisung in die Jagd zu einem Missverständnis. Der später getötete Jäger habe sich demnach am falschen Stand befunden, als der Schuss fiel. Eine solche Standverwechslung zählt bei der bewegten Vogeljagd zu den häufigsten Ursachen für einen Jagdunfall. Ob tatsächlich ein Missverständnis vorlag, muss die weitere Ermittlung zeigen. Die Staatsanwaltschaft wertet derzeit  den Peilsender des eingesetzten Jagdhundes sowie die Ergebnisse der Waffenuntersuchung aus.

Ob Birk-, Auer oder Moorhuhn: Sicherheit geht vor

Auf welche Raufußhuhnart die beiden Norweger es konkret abgesehen hatten, ist nicht bekannt. Anfang Oktober läuft in den Fjällgebieten von Norrbotten die Jagd auf Raufußhühner auf vollen Touren. Erlaubt sind dort zu dieser Zeit Moorschneehuhn und Alpenschneehuhn, von den Schweden Ripa genannt, dazu Birkhuhn und Auerhuhn. Die Tagesstrecke ist streng begrenzt. Pro Jäger und Jagdtag dürfen höchstens acht Schneehühner sowie zusammen drei Birk- oder Auerhühner erlegt werden. Für Jäger aus Mitteleuropa gilt diese Raufußjagd in den Weiten des hohen Nordes als jagdlicher Traum. Für die beiden Norweger endete sie offenbar in einem Alptraum. Der Fall aus Arjeplog zeigt, wie schnell aus einer Jagd unter Freunden ein tödlicher Jagdunfall werden kann, wenn die Sicherheit nicht beachtet wird und sich einen gefährliche „Routine“ einschleicht.