Bei Entenjagd denken die meisten nicht an den kleinen Teich, sondern an die großen Karpfenteiche, Schilffelder, Wathosen und Hundeführer, die mit ihren Vierläufern versuchen, die Breitschnäbel zum Abstreichen zu bewegen. Auch meine erste Entenjagd fand an einem der großen Fischzuchtgewässer der Region statt.
Ich kann mich nicht mehr genau daran erinnern, aber ich glaube, dass an diesem Morgen fast 100 Weidmänner auf den Läufen waren. Es war noch tiefe Nacht, als die Jäger zu ihren Ständen gebracht wurden. Als es im Osten zu dämmern begann und die über dem Gewässer kreisenden Fledermäuse Richtung Schlafplatz strebten, fielen die ersten Schüsse.
Erkennen konnte ich da noch nichts, aber am lauten Platschen war zu vernehmen, dass die Schrote ihr Ziel gefunden hatten. Mit den Rufen der Treiber und dem Hundegeläut strichen immer mehr Enten übers Schilf hinweg. Immer wieder rauschten die Breitschnäbel über die Köpfe der Jäger.

Am Kleingewässer genügen wenige Attrappen, um die Enten in Sicherheit zu wiegen. © Christian Schätze
Warum sich die Entenjagd am kleinen Teich lohnt
Doch weil das Wetter an diesem Tag sehr klar war, blieben die meisten außerhalb der Reichweite der Entenschrote. Die Strecke war zwar nicht schlecht, angesichts des riesigen Aufwandes aber dann doch recht übersichtlich.
Als ich einem älteren Jagdfreund von der Jagd erzählte, winkte der nur ab. Er sei früher auch zu den großen Jagden gegangen, würde das aber schon länger nicht mehr tun. Die Breitschnäbel für die Küche bekäme man an Kleingewässern deutlich leichter, erklärte er. Wenn ich mal ein paar Erpel schießen möchte, solle ich einfach mal mitkommen. Gesagt, getan …

Spannung pur: Jeden Moment können sich Enten von oben auf Gewässer fallen lassen. © Christian Schätze
Die ersten Meter am Teich werden zur Überraschung
Ende Oktober war es soweit. Mit seinem kleinen Suzuki, einer Packung Schrotpatronen in der Jackentasche, der Querflinte auf der Rückbank und dem Deutsch Drahthaar im Kofferraum ging es über die Maisstoppel in Richtung Ententeich.
Als er sich diesem bis auf 100 Meter genähert hatte, ging es zu Fuß weiter. Beim Angehen stopfte er in aller Ruhe zwei Streupatronen in die Lager seiner Flinte. Mit einem Nicken bedeutete er mir, es ihm gleichzutun, und schickte seinen Rüden voran, der das Spiel bereits zu kennen schien. Der war noch nicht richtig zwischen Brennnesseln und Holunder verschwunden, da standen bereits die ersten Breitschnäbel auf.
Was braucht ein guter Teich für die Entenjagd?
Schon strich der kleine Schoof zwischen den Ästen der alten Erlen hindurch. Während mein Gastgeber gekonnt zwei Erpel herauspickte, gelang es mir, mit dem zweiten Schuss ebenfalls einen zu erlegen. Um die Enten bei Laune zu halten, brachte mein Jagdfreund gelegentlich einen Eimer Weizen zum Ententeich, der höchstens 35 Meter lang, 25 Meter breit und etwa knietief war.
„Mehr brauchen die Enten nicht, um sich wohlzufühlen“, erklärte er. Futter und Ruhe seien das Wichtigste. Beim Kirren lautete sein Motto: „Lieber regelmäßig kleine Mengen als zu viel ausbringen.“ Futterhaufen würden nur die Ratten und andere Mitesser anlocken. Neben Weizen habe er auch gute Erfahrungen mit Mais gemacht. Aber auch Gerste und Hafer würden funktionieren. Da müsse man keine Wissenschaft daraus machen, denn Stockenten seien viel verfressener als Sauen.
Hauptflugroute zwischen Fischteich und Entenfluss
Ab Mitte November wurden die Enten dann ausschließlich auf dem Abendstrich bejagt. Auch dabei war Minimalismus angesagt. Dank der Flecktarnjacke genügte ein Holunderbusch, um sich vor den im letzten Licht einfallenden Enten zu verbergen. Bei Schnee wurde einfach ein Schneehemd über die Jagdbekleidung geworfen – fertig. Auf die Windrichtung achtete er jedoch immer ganz genau, wohl wissend, dass Wildenten immer gegen den Wind einfallen.
Als ich irgendwann das Glück hatte, selbst ein Niederwildrevier pachten zu können, inspizierte ich zuerst die kleinen Teiche, in denen ich bereits als Kind Frösche und Kaulquappen gefangen hatte, um sie im 5-Liter-Glas zu beobachten. Einer der Tümpel glich dem Gewässer meines Mentors sehr. Von einer Baumreihe umgeben, zwischen drei großen Feldern liegend, ist er mehr Schlammtümpel als Ententeich.
Was macht diesen unscheinbaren Teich so attraktiv?
Doch den Breitschnäbeln scheint genau das zuzusagen. Während ihn die alten Pappeln, Erlen und Birken nach oben hin abschirmen, sorgen Holunderbüsche und alte Kopfweiden an den Seiten für Sichtschutz. Der größte Vorteil scheint aber zu sein, dass der knietiefe Tümpel zwischen mehreren großen Fischteichen und einem kleinen Fluss liegt.
Im Winter genügen wenige Hände Mais, um die Breitschnäbel zum Einfallen bzw. zum Gründeln zu bewegen. Um herauszubekommen, wie schnell Wildenten eine Kirrung annehmen, hatte ich vor einigen Jahren einmal satt mit Mais angekirrt und einen Teil des Gewässers mit Wildkameras „überwacht“.
Von 5 auf über 30 Enten in nur sieben Tagen
Was ich beim Sichten der Videoaufnahmen zu Gesicht bekam, hätte ich mir nicht in meinen kühnsten Träumen vorstellen können. Nachdem am ersten Abend nur 5–6 Stockenten beim Gründeln zu beobachten waren, steigerte sich das Ganze in nur sieben Tagen auf über 30 Stück!
Sobald die Dämmerung einsetzte, fielen die Enten auf dem Kleinstgewässer ein wie hungrige Mücken auf einer warmen Hand. Mit den ersten Sonnenstrahlen strichen die meisten wieder in Richtung Fischteiche und Freiberger Mulde ab. Einzelne Paare und manchmal auch kleine Junggesellentrupps blieben oft bis Mittag.
Regelmäßiges Kirren bringt den Jagderfolg
Um die Breitschnäbel bei Laune zu halten, bestückte ich die Kirrung täglich und steigerte die Kirrmenge schließlich auf fünf Kilogramm pro Tag. Die Stockenten hatten keinerlei Mühe, diese Menge bis auf das letzte Korn aus dem Flachwasserbereich zu fischen. Mitte November, es war nun merklich kälter geworden, lud ich einen befreundeten Hundeführer zur exklusiven Jagd an das Kleingewässer ein.
Dieser wollte beim Anblick des „Tümpels“ zunächst nicht glauben, um was für ein Spitzengewässer es sich handeln sollte. Doch als die Sonne im Westen verschwunden war, begann ein Abendstrich, wie man ihn nur selten erlebt. Die ersten Stockenten kamen direkt über die Wipfel geschossen, um von dort wie Steine auf der Mitte des kleinen Gewässers einzufallen. Gegen den hellen Himmel war es kein Problem, die Erpel zu strecken. Kaum aufs Wasser gefallen, strichen bereits die nächsten Wildenten heran.
Statt über die Wipfel einzufallen, kamen sie nun von der Seite durch eine Lücke zwischen den Erlen, die wir ihnen Tage zuvor ins Astwerk geschnitten hatten. Während bei den ersten, steil von oben einfallenden Enten eine Handbreit unter der Ente angehalten werden musste, genügte es hier, sie einfach mit dem Korn abzudecken. Das Ergebnis waren zwei schöne Dubletten!
Entenjagd am Teich: 14 Enten in nur 30 Minuten
Trotz der ersten Schüsse strichen in den kommenden 20 Minuten immer mehr Enten heran. Und weil in der Saison bisher kein Schuss gefallen war, kreisten sie nicht erst ums Gewässer, sondern nahmen es, ohne zu zögern, an. An den auf dem Wasser treibenden Artgenossen schienen sie sich nicht zu stören. Als das Büchsenlicht nicht mehr reichte, um die Enten anzusprechen bzw. sauber zu erlegen, entluden wir die Flinten und schickten den Hund zum Apport.
Während der Hund arbeitete, sammelte ich im Schein der Stirnlampe die leeren Hülsen ein, die die Selbstladeflinten ausgeworfen hatten. Noch während wir das taten, fielen mehrfach Enten ein, die jedoch sofort wieder hoch wurden und laut schimpfend abstrichen. Obwohl der Abendstrich nur 30 Minuten gedauert hatte, konnten wir zu zweit 14 Enten (10 Erpel, 4 Enten) zur Strecke legen.
Die kommenden Wochen zog es uns immer wieder ans Gewässer. Der Anflug war zwar nie mehr so gut wie am ersten Tag, aber für 6–12 Enten hat es immer gereicht. Bis zur Schonzeit waren über 50 Stockenten zur Strecke gekommen!
Wie Lockvögel die Entenjagd am Teich verbessern
Während zu Beginn der Jagdzeit ein paar Hände Mais genügen, um die Enten zum Einfallen zu bewegen, muss mit jedem (aktiven) Jagdtag tiefer in die jagdliche Trickkiste gegriffen werden. Denn Enten lernen schnell. Das erkennt man vor allem daran, dass die Breitschnäbel, mögen sie auch noch so hungrig sein, erst mehrfach ums Gewässer kreisen, um die Lage zu checken.
Um ihnen Sicherheit vorzugaukeln, helfen Attrappen auf dem Wasser. Die beste Lockwirkung erzielen dabei Modelle mit UV-Beschichtung. In der Regel genügen bei Kleingewässern sechs bis acht Lockvögel. Eines besonderen Layouts (Muster) bedarf es dabei nicht. Wahllos auf dem Wasser verteilt, entfalten sie ihre Wirkung.
Sicherheit geht immer und überall vor Jagderfolg!
Wer mag, kann selbstverständlich auch deutlich mehr Lockvögel ausbringen. Ich konnte jedoch nie erkennen, dass die Enten dann besser oder schneller das Gewässer annehmen. Für wichtiger erachte ich es, sich beim ersten Klingeln von Entenschwingen ruhig zu verhalten. Um nicht zu früh entdeckt zu werden, trage ich immer Tarnbekleidung, Kappe, Mückenschleier und dunkle Handschuhe.
Beim Abstellen des Gewässers ist es wichtig, die Plätze so zu besetzen, dass absolute Sicherheit gegeben ist. Das bedeutet am Kleingewässer, dass immer (!) alle Jäger auf derselben Uferseite stehen und ihre Schusssektoren einhalten. Welche Seite abgestellt wird, hängt vom Wind ab. Enten fallen bekanntermaßen bevorzugt gegen den Wind ein.
Je nach Gewässer bzw. Ufervegetation kann es aber auch sinnvoll sein, den Wind Wind sein zu lassen und Richtung Westen zu blicken. Der Vorteil ist, gegen den hellen Abendhimmel schießen zu können, vor dem die einfallenden Breitschnäbel gut zu erkennen sind.
Tipps für die Entenjagd am Teich
Um auch in Zukunft auf den Abendstrich gehen zu können, sollte der Wasserwildjäger jedoch ein paar Dinge berücksichtigen. So sollte die Entenjagd aus Gründen der Weidgerechtigkeit bei Dauerfrost ruhen. Denn Fliegen ist eine energiezehrende Angelegenheit.
Außerdem sollte der Jäger darauf achten, vorrangig Erpel zu erlegen und Enten nach Möglichkeit zu schonen. Mit dem nötigen Bewusstsein und geschultem Blick gelingt das mit der Zeit ganz gut. Tipp: In der Regel streicht bei Paaren die Ente vorn und der Erpel hinterher! Fallen mehrere Enten gleichzeitig ein, auf den hellen Körper und/oder Halsring des Erpels achten.
Gute Wasserwildjäger kirren nach der Jagdzeit weiter. Ein Futterautomat (wo erlaubt) leistet dabei gute Dienste. Zudem ist die straffe Raubwildbejagung ein Muss! Der größte Feind des Wasserwildes ist dabei aktuell der Waschbär. Aber auch das Thema „Ratten“ sollte im Auge behalten werden, wenn einem was am Wasserwild liegt.













Ähnliche Beiträge