Wolfsübergriffe in Sachsen nehmen deutlich zu

In Sachsen werden wieder mehr Wolfsübergriffe auf Weidetiere gemeldet. Besonders betroffen sind derzeit Regionen bei Dresden und Bautzen.

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Mehr Wolfsübergriffe in Sachsen. © Andrea Bohl // Pixabay

In Sachsen werden derzeit wieder deutlich mehr Wolfsübergriffe auf Weidetiere gemeldet. Allein im August gingen bis zum 26. des Monats 27 Schadensmeldungen ein. Die Fachstelle Wolf des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) ruft Tierhalter deshalb dazu auf, den Schutz ihrer Herden zu überprüfen.

27 Schadensmeldungen im August

Mit dem Spätsommer beginnt in Sachsen die Zeit, in der erfahrungsgemäß besonders viele Wolfsübergriffe auf Weidetiere registriert werden. Das zeigt sich auch in den aktuellen Zahlen. Im Juli wurden 18 Schadensereignisse gemeldet, im August waren es bis zum Stichtag 26. August bereits 27. Damit gingen zehn Meldungen mehr ein als im gesamten August des vergangenen Jahres.

Insgesamt wurden für Juli und August damit 45 Schadensfälle gemeldet. In 31 Fällen konnte der Wolf bislang als Verursacher bestätigt werden. Auffällig: Bei drei Vierteln der betroffenen Herden war nach Angaben der Fachstelle kein ausreichender Schutz vorhanden.

Die Behörde empfiehlt Weidetierhaltern deshalb, bestehende Herdenschutzmaßnahmen zu kontrollieren und gegebenenfalls anzupassen.

Schwerpunkte bei Dresden und Bautzen

Besonders häufig kam es zuletzt im Schönfelder Hochland bei Dresden zu Übergriffen. Dort wurden sechs Fälle registriert. Bei fünf davon waren die vorgeschriebenen Mindestschutzkriterien nicht erfüllt. Das Gebiet liegt im Einzugsbereich des Wolfsrudels Dresdner Heide.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt zwischen Bischofswerda, Wilthen und Bautzen. Dort war lediglich bei fünf von 18 bestätigten Wolfsübergriffen der Mindestschutz erfüllt. In dieser Region befindet sich das Wolfsterritorium Tautewalde.

Warum die Zahl der Übergriffe im Spätsommer steigt

Dass sich die Fälle gerade jetzt häufen, ist nicht ungewöhnlich. Die Zahlen der vergangenen Jahre zeigen für Sachsen einen deutlichen jahreszeitlichen Verlauf. Nur etwa ein Drittel der Übergriffe auf Nutztiere entfällt auf das erste Halbjahr. Besonders viele Fälle werden dagegen im Spätsommer und Herbst registriert.

Ein Grund dafür liegt in der Lebensweise der Wölfe. Im Frühjahr und Frühsommer ziehen sie ihre Welpen auf. Gleichzeitig steht ihnen vergleichsweise leicht erreichbare natürliche Beute zur Verfügung, denn auch Rehe sowie Rot- und Schwarzwild haben Nachwuchs.

Im Spätsommer verändert sich die Situation. Die heranwachsenden Wolfswelpen benötigen zunehmend Nahrung, während die natürlichen Beutetiere kräftiger und damit schwieriger zu erlegen sind. Ungeschützte oder unzureichend geschützte Weidetiere – insbesondere Schafe und Ziegen – können dann zu einer leicht erreichbaren Beute werden.

So lassen sich Weidetiere schützen

Um das Risiko eines Übergriffs zu reduzieren, kommt dem Herdenschutz besondere Bedeutung zu. Regelmäßig kontrollierte Elektrozäune sowie Gatter mit sicherem Bodenabschluss oder geeignetem Untergrabschutz können Wölfe von Weidetieren fernhalten. Wo es die Haltungsbedingungen ermöglichen, kann auch die nächtliche Einstallung zusätzlichen Schutz bieten.

In Sachsen werden präventive Herdenschutzmaßnahmen gegen Wolfsübergriffe zu 100 Prozent gefördert. Grundlage ist die Förderrichtlinie „Natürliches Erbe“. Darüber hinaus können sowohl gewerbliche als auch private Tierhalter eine kostenlose individuelle Herdenschutzberatung in Anspruch nehmen.

Nutztiere sind nur ein kleiner Teil der Wolfsnahrung

Trotz der derzeit steigenden Zahl von Übergriffen spielen Nutztiere im Nahrungsspektrum des Wolfs insgesamt nur eine geringe Rolle. Seine Hauptbeute bilden wildlebende mittelgroße und große Huftiere. Nach Angaben des LfULG machen Nutztiere lediglich etwa ein bis zwei Prozent seiner Nahrung aus.