Erntejagd sicher durchführen: 12 Tipps für die Maisjagd

Mit jeder geernteten Reihe steigt die Spannung auf dem Maisfeld. Gleichzeitig verändern sich Sichtachsen, Entfernungen und Bewegungsräume laufend. Zwölf Regeln, mit denen sich das Unfallrisiko bei der Maisjagd deutlich reduzieren lässt.

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Mit jeder geernteten Reihe steigt die Spannung auf dem Maisfeld. © Christian Schätze

Eine Erntejagd lässt sich sicher durchführen, wenn Landwirt, Jagdpächter, Lohnunternehmen und Jagdleitung frühzeitig planen, alle Beteiligten verbindlich einweisen und die Sicherheitsregeln konsequent einhalten. Besonders wichtig sind sichere Schussfelder, gut sichtbare Warnkleidung, eindeutige Kommunikation und eine klare Notfallorganisation.

1. Die Erntejagd frühzeitig und gemeinsam planen

Landwirt, Jagdpächter und Lohnunternehmen sollten drei Dinge frühzeitig abstimmen:

  1. den Termin
  2. die zu bejagenden Flächen
  3. den zeitlichen Ablauf

So lassen sich Missverständnisse und gefährliche Situationen vermeiden. Eine Checkliste hilft, die Sicherheit auf dem Feld zu erhöhen.

Funkgerät für die Erntejagd

Reibungslose Kommunikation ist bei der Erntejagd extrem wichtig. © Christian Schätze

2. Einen erfahrenen Jagdleiter bestimmen

Für jede Erntejagd sollte eine verantwortliche Person benannt werden. Der Jagdleiter koordiniert den Ablauf, weist die Beteiligten ein und trifft sicherheitsrelevante Entscheidungen. Es versteht sich von selbst, dass der Leiter bis zum Schluss der Jagd vor Ort ist. Ist das nicht möglich, muss diese Funktion übergeben werden. Alle Anwesenden sind darüber zu informieren.

3. Sicherheitsunterweisung vor der Maisjagd durchführen

Vor dem Start müssen alle Beteiligten über den Ablauf, ihre Standorte, Schussrichtungen, Sicherheitsbereiche, Kommunikationswege und das Verhalten im Notfall informiert werden. Das verlangt Zeit, die man sich einfach nehmen muss! Kommt es zu einem Unfall, wird regelmäßig geprüft, wie gründlich die Beteiligten eingewiesen wurden.

4. Sichtbarkeit durch Warnkleidung erhöhen

Alle Jäger, Hundeführer – auch bei der Nachsuche – und Helfer sollten gut sichtbare Warnkleidung tragen. Ideal sind Warnwesten in Signalfarbe. Vorausschauende Jagdleiter führen zusätzliche Westen mit. Ein Hutband oder eine Kappe allein erhöhen die Sichtbarkeit nicht ausreichend.

Warnweste

Sehen und gesehen werden: Warnkleidung ist bei der Maisjagd Pflicht! © Christian Schätze

5. Kommunikation während der Erntejagd sicherstellen

Mobiltelefone oder Funkgeräte erleichtern die Abstimmung zwischen Jagdleitung, Erntefahrern und Jägern. Jede Änderung im Ablauf muss unverzüglich an alle Beteiligten weitergegeben werden. Erhalten auch die Erntefahrer Funkgeräte, können sie Bewegungen im Feld und Änderungen zuverlässig melden.

6. Waffen nur auf Anweisung laden

Bis zum Erreichen des eindeutig zugewiesenen Standes bleiben die Waffen grundsätzlich entladen. Nach Beendigung der Jagd werden sie sofort wieder entladen und mit geöffnetem Verschluss transportiert. Wild, das auf dem Rückweg in Anblick kommt – krank oder gesund –, ist kein Grund, die Waffe erneut zu laden und die Erntejagd eigenmächtig zu verlängern. Ob und wie weitergejagt wird, entscheidet ausschließlich der Jagdleiter, nicht ein Mitjäger, Landwirt oder Erntehelfer.

Munition für die Maisjagd

Die Waffe darf nur nach Anweisung vom Jagdleiter geladen werden © Christian Schätze

7. Standorte nicht eigenmächtig verlassen

Jeder Schütze bleibt bis zum offiziell bekannt gegebenen Jagdende auf seinem zugewiesenen Stand. Eigenmächtige Standortwechsel erhöhen das Unfallrisiko erheblich und sind Ursache vieler Jagdunfälle. Muss jemand den Stand aus einem dringenden Grund verlassen, ist zuvor der Jagdleiter zu informieren. Bergetrupps müssen gut sichtbar sein und sich deutlich an- und abmelden, wenn sie erlegte Stücke versorgen oder in die Kühlkammer transportieren.

8. Bei der Erntejagd nur sichere Schüsse abgeben!

Ein Schuss darf nur abgegeben werden, wenn das

  • Wild eindeutig angesprochen wurde,
  • ein sicherer Kugelfang vorhanden ist und
  • sich keine Menschen, Fahrzeuge oder Erntemaschinen im Gefahrenbereich befinden.

Mais, Raps und andere Ackerfrüchte sind kein Kugelfang! Je flacher der Schusswinkel, desto höher ist die Abprall- und Unfallgefahr.

Idealerweise wird von Hochsitzen aus gejagt, weil der steilere Schusswinkel die Sicherheit erhöhen kann. Dabei sind die jeweiligen Landesvorschriften unbedingt zu beachten. Von Erntemaschinen aus darf nicht geschossen werden. Auf großen Flächen ist auch vom Boden oder Hochsitz darauf zu achten, dass die Schussentfernung nicht zu groß wird.

9. Niemals in Richtung von Erntemaschinen schießen

Mähdrescher, Traktoren, Häcksler und Transportfahrzeuge dürfen sich niemals im Schussfeld befinden. Auch beim Schuss auf Wild muss ein möglicher Abprallwinkel berücksichtigt werden. Die Sicherheit aller Beteiligten hat Vorrang vor dem Jagderfolg. Es entstehen immer wieder platte Reifen oder beschädigte Scheiben an Erntemaschinen, weil Sicherheitsregeln nicht beachtet werden.

Schussfeld bei der Erntejagd

Bei der Erntejagd immer auf freies Schussfeld achten. Auch der Kugelfang ist wichtig. © Christian Schätze

10. Sicherheitsabstände konsequent einhalten

Jäger müssen ausreichend Abstand zu Maschinen und Fahrwegen halten. Neben einem Schneidwerk herzulaufen, um wegbrechendes Schwarzwild abzufangen, provoziert einen Jagdunfall. Ein solches Fehlverhalten ist dem Schützen und dem Jagdleiter unverzüglich mitzuteilen.

Auch Erntefahrer sollten jederzeit mit Personen am Feldrand rechnen und ihre Geschwindigkeit anpassen. Hinzu kommt, dass wenn Schützen bereits durch gefährliches Verhalten aufgefallen sind auf ihre Teilnahme verzichtet werden sollte, unabhängig von persönlichen Beziehungen.

11. Alkohol und berauschende Mittel sind tabu

Während der gesamten Erntejagd gilt ein absolutes Alkohol- und Rauschmittelverbot. Nur wer körperlich und geistig voll leistungsfähig ist, kann sicher jagen und Maschinen bedienen. Bei der Jagd gilt die Null-Promille-Regel. Das betrifft auch den Transport von Waffen. Wer nach Alkoholgenuss mit einer Waffe in eine Verkehrskontrolle gerät, riskiert seine jagdrechtliche Zuverlässigkeit und damit den Jagdschein. Gemeinsam angestoßen wird deshalb erst, wenn Waffen und Munition sicher im Waffenschrank verwahrt sind.

12. Für Notfälle auf der Erntejagd vorbereitet sein

Vor Beginn der Erntejagd müssen Rettungswege, Treffpunkte, Notrufmöglichkeiten und die Einweisung der Rettungskräfte festgelegt werden. Eine Erste-Hilfe-Ausrüstung und geladene Mobiltelefone gehören selbstverständlich dazu. Checklisten helfen allen Beteiligten, im Ernstfall richtig und schnell zu handeln.