Raubwildbüchse: Welche Waffen für Fuchsjagd und Co.?

Raubwildbüchsen

Gerade zur Zeit der Fuchsjagd stellt sich die Frage: Welche Raubwildbüchse könnte für mich die richtige sein? CHRISTIAN SCHÄTZE teilt seine Erfahrungen. © Fotos: Christian Schätze

Im Laufe der Jahre hat JÄGER-Chefredakteur CHRISTIAN SCHÄTZE so manche Raubwildbüchse in den verschiedensten Fuchskalibern geführt.
An die folgenden Kombinationen erinnert er sich besonders gern.

Spätestens im November, wenn der Balg des Raubwildes als reif gilt, denken Jäger über die Anschaffung einer Raubwildbüchse nach. Doch was ist das überhaupt, eine Raubwildbüchse? Als leidenschaftlicher Fuchsjäger habe ich schon viele Gewehre geführt. Meine erste Waffe war eine Bockbüchsflinte (Blaser BBF 95) in den Kalibern 12/70 und .30-06 mit einem Schmid & Bender (3-12×50 Abs. 1 LP). Okay, das ist zwar keine klassische Raubwildbüchse, aber das Geld war knapp und so entschied ich mich für eine Kombinierte, weil ich damit vom Marder bis zum Hauptschwein alles erlegen konnte. Dank der freischwingenden Läufe der BBF 95 waren auch mehrere Schüsse in schneller Folge kein Problem. In der Tat erlegte ich in den folgenden Jahren damit viele Füchse, Dachse und ein halbes Dutzend Steinmarder. An einem eisigen Winterabend kamen damit sogar beim Keileransitz an einem ausgedehnten Schilffeld eines Karpfenteiches Mink und Iltis zur Strecke.

Drilling Munition

Eine Waffe für alle Fälle: Drilling mit Schrotlauf (12/70) sowie kleiner und großer Kugel.

Präzise Matchbüchse mit kleinen Schwächen: Torhammer (12/70) als Raubwildbüchse?

Obwohl ich mit der Kombination sehr zufrieden war, mit der Torhammer (12/70) erlegte ich damit Füchse bis 40 m, sehnte ich mich nach einer reinen Raubwildbüchse. So führte ich eine Weile eine Matchbüchse im Kaliber .22 Hornet. Die Wettkampfwaffe mit ventiliertem Vorderschaft und dickem Lauf tat, was solche Büchsen am besten können – ins Schwarze bzw. ins Rote treffen. Fünf Schuss Matchmunition aus dem Hause RWS erzeugten ein schönes (etwas über kalibergroßes) Loch in der Zehn. Besser geht es eigentlich nicht.

Bei weiten Schüssen und starkem Wind kam die kleine Hornisse gelegentlich an ihre Grenzen. Und bei eisigen Temperaturen kam es gelegentlich zu unerklärlichen Fehlschüssen. Woran das lag, habe ich nie klären können. Zudem störte mich, dass ich beim Sommeransitz Böcke ziehen lassen musste, weil die .22 Hornet dafür nicht zugelassen ist. So trennten sich irgendwann wieder unsere Wege.
Großkaliberbüchse mit Wechsellauf im Kaliber .22-250 Rem.

Vor einer geplanten Afrikareise kam eine Mauser M03 im Kaliber .300 Win. Mag. ins Haus. Gerade geschäftet, mit schönem Walnussholz ausgestattet und schön schwer, war sie ein Traum. Während der .300er-Lauf (65 cm) vor allem für Schalenwild, Warzenkeiler und Antilopen gedacht war, orderte ich zudem einen Wechsellauf im Kaliber .22-250 Rem. für die Raubwildjagd. Mit einer GEE von 222 m blieben beim V-Max-Geschoss (1.286 m/s) bezüglich des Einsatzes im Feldrevier keine Wünsche offen. Das V-Max (55 grs) erwies sich ebenfalls als hochpräzise. So balgschonend, wie von manchen „Experten“ angepriesen, war die Laborierung dann allerdings doch nicht. Die Wirkung war verheerend. Ultraleichte Geschosse (40 grs) brachten etwas Besserung.

Nach langem Probieren auf dem Stand wechselte ich schließlich zum bleifreien TSX (53 grs) von Barnes. Das Deformationsgeschoss wirkte umwerfend, sowohl auf Raub- wie auch auf Rehwild. Die Entwertung hielt sich jedoch in beiden Fällen in Grenzen. Im Ausland konnte ich damit sogar zur vollsten Zufriedenheit Schalenwild erlegen.

Loch in Loch mit geporteter Amerikanerin: Raubwildbüchse Remington 700 VTR

Der Beruf als Jagdredakteur bringt es mit sich, dass man immer wieder spannende Büchsen auf den Tisch bekommt. So begleitet mich eine Weile eine Remington 700 VTR (Varmint Target Rifle) mit Kunststoffschaft, kantigem Lauf und interessanter Mündungsbremse im Kaliber .223 Rem..
Die Büchse hätte aufgrund der überragenden Schussleistung und trotz des harten, aber sehr trocken stehenden Abzuges dauerhaft in meinen Waffenschrank einziehen müssen. Leider neigte der Lauf zu Flugrost, weshalb ich sie irgendwann weitergab. Ich bedauere das noch heute. Denn eine bessere Beschichtung (z. B. Cerakote; keramisch-basierte Beschichtung) hätte das Rostproblem schnell gelöst.

Extrem heißes Raubwildeisen aus den USA

Aktuell führe ich eine Savage 110 Predator in einem Kaliber, was vielen noch immer unbekannt sein dürfte. Dabei ist die .204 Ruger (Geschoss: 5,2 mm) eine der schnellsten Laborierungen auf dem Markt. Sie beschleunigt das 32 grs (2,07 g) leichte V-Max-Ge- schoss beispielsweise auf 1.300 m/s. Das genügt für eine GEE von sagenhaften 264 m! Streukreis der 5er-Gruppe liegt in meiner Waffe mit einem Bushnell-Glas (3-18×50) bei unter 10 mm. Ein Grund dafür ist nicht nur der tadellos verarbeitete, dicke Lauf, sondern der kaum wahrnehmbare Rückstoß der relativ schweren Büchse.

In Verbindung mit dem Schalldämpfer wird sie in Sachen Rückstoß zum „Luftgewehr“. Angenehmer kann Schießen nicht sein. Von Vorteil ist, dass sich sowohl Schaftlänge als auch -höhe mit wenigen Handgriffen auf die Bedürfnisse des Raubwildjägers anpassen lassen.

Demnächst wird die Waffe ein Zielfernrohr bis 18- oder 24-facher Vergrößerung bekommen, um das Potenzial noch besser nutzen zu können. Der Abzug ist in Ordnung, wird aber ggf. gegen einen Atzl (neu im Tuning-Programm!) ausgetauscht werden. Obwohl ich diese Kombination erst 2,5 Jahre führe, habe ich damit bereits weit über 50 Stücke Raubwild – vor allem Waschbären und Füchse – sowie einige Gänse und Krähen erlegt.

So muss der Streukreis (10 Schuss) einer Raubwildkombination aussehen.

Praktische Tipps für den Kauf einer Raubwildbüchse

Für welche Waffe man sich als Raubwildjäger auch entscheidet, auf ein paar Dinge sollte man auf jeden Fall achten. An erster Stelle steht immer die Präzision! Denn Raubwild- körper sind klein, die Schussdistanzen aber groß. Die Waffenlänge hängt in erster Linie vom Einsatz (Ansitz oder Pirsch) ab. Während beim aktiven Jagen kompakte Waffen gefragt sind, spielen Balance und Gewicht beim Ansitz nur eine untergeordnete Rolle. Die Lauflänge wird vom Kaliber bestimmt. Diesbezüglich sollte von vornherein klar sein, ob damit nur Raubwild oder auch Rehwild oder gar stärkeres Schalenwild bejagt werden soll.

Spannschieber oder Sicherung sollten sich absolut geräuschlos bedienen lassen. Auch Aufnahmen für den Gewehrriemen müssten absolut lautlos sein (ggf. fetten und Neoprendämpfer bzw. Gummiringe montieren). Um die Griffigkeit des Pistolengriffes zu erhöhen, sollte ggf. über Leder- oder Kunststoffeinlagen nachgedacht werden. Bei Holzschäften kann eine Punzierung oder Skateboard-Band die Griffigkeit erhöhen. Perfekt sind Schäfte, die sich in Höhe und Länge verstellen lassen (Stichwort: Sommer- und Winterbekleidung, sowie sitzend, stehend oder liegend schießen).

Zweifellos einer der wichtigsten Punkte bei einer Raubwildbüchse ist der Abzug. Und damit ist kein Stecher gemeint. Heute gibt es weitaus bessere (sicherere) Möglichkeiten. Der Abzug ist im Idealfall verstell- bzw. einstellbar. Oft unterschätz, ist die Funktion der Schaftkappe. Sie soll weder zu hart noch nicht zu weich sein. Die Aufnahme für ein Zweibein ist vor allem im Feldrevier Gold wert, wenn regelmäßig gepirscht oder auf dem Boden angesessen wird.

Büchsflinte, Bockbüchsflinte und Drilling

Auch kombinierte Waffen wie Büchsflinte, Bockbüchsflinte und Drillinge haben bei der Raubwildbejagung ihre Berechtigung. In bestimmten Situationen, zum Beispiel Schüsse im Nahbereich, ist der Jäger damit sogar besser ausgerüstet. Überrascht das Raubwild beispielsweise den Jäger, dazu auf sehr kurze Distanz, sorgt der Schrotlauf für Weidmannsheil. Beim Ansitz am Bau (Jungfuchsbejagung) ist es zudem oft sinnvoller, zur Bock- oder eine Selbstladeflinte zu greifen.

Bezüglich der Kaliber hat der Drilling den Vorteil, neben dem Raubwildkaliber (.22 Hornet, .222 Rem., 5,6×50 RM etc.) auch ein hochwildtaugliches Kaliber (ab 6,5 mm) und einen Schrotlauf (12/70; 16/70, 20/76) zur Verfügung zu haben. Bei der Wahl der Kombinierten ist darauf zu achten, dass sie freischwingende Läufe hat. Ob beim Raubwildkaliber zu einer Randpatrone oder zu einer randlosen Patrone gegriffen wird, spielt bezüglich der Funktion (Auszug) meinen Erfahrungen zufolge keine Rolle. Manche werden es als Nachteil empfinden, dass die Kombinierten in der Regel keinen Schalldämpfer besitzen. Dabei gibt es heute so schöne In-ear-Lösungen und praktische aktive Gehörschützer mit Gelpads, die den Schussknall vom Ohr abhalten.

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