Die größten Fehler bei der Ausbildung zum Jagdhund

JÄGER-Autor Dennis Panthen über die Bedeutung von Vertrauen und richtiger Kommunikation in der Hundeausbildung.

Mann mit Hund

Vertrauen ist das entscheidende Element für erfolgreiche Teamarbeit. © Dennis Panthen

Jagd ohne Hund ist Schund. Doch manchmal ist Jagd mit Hund trotzdem Schund, weil unser bester Jagdhelfer, durch mangelnde Kontrolle und Entgleisung, schnell zur Belastungsprobe für Revier und Wildbestand werden kann. Daher sollte die praxisnahe Ausbildung zum Jagdhund, unter Berücksichtigung neuster Erkenntnisse, den höchsten Stellenwert in der aktiven Führung des Jagdhundes haben.

Die drei Bausteine in der Ausbildung zum Jagdhund

Dazu empfiehlt es sich, sehr früh die richtigen Grundlagen zu legen. Je besser und stabiler das Fundament ist, desto besser sind die Leistungen auch später unter Belastung abrufbar. Wir unterteilen den grundlegenden Aufbau in drei Themenbereiche:

  1. Erziehung = pädagogische Einflussnahme auf das Verhalten
  2. Training = das Üben von Fähigkeiten (Apport, Down usw.)
  3. Anlagenförderung = das gezielte Fördern jagdlicher Anlagen (z.B. Vorstehen)

Verhaltensweisen differenziert anlernen

Es empfiehlt sich hier, genau zu differenzieren und die einzelnen Segmente gezielt zu fördern. Hier alles in einen Topf zu werfen, ist fatal und kann sich wesentlich auf die Qualität des Hundes auswirken. Gerade im Aufbau zeigt sich dies. Die Individualisierung der Ausbildung ist heute einer der wichtigsten Faktoren für Erfolg. Das setzt voraus, den Hund lesen zu können und Verhalten gezielt einzuordnen. Hier passieren die meisten Fehler.

Alle Verhaltensweisen über einen Kamm zu scheren, führt zu dauerhaften Missverständnissen. Es gibt unterschiedliche Ursachen, warum ein Hund seine Aufgabe nicht ausführt. Die Häufigste ist, weil er seine Aufgabe schlichtweg nicht verstanden hat. Hier den Druck zu erhöhen, weil der Hundeführer denkt, er macht es nicht, weil er nicht Folge leisten will, führt in der Regel eher zu einer Schädigung in der Beziehung zwischen dem Hundeführer und seinem Hund. Hier ist die Antwort ein differenziertes Anlernen von Verhaltensweisen.

Die Ausbildung zum Jagdhund beginnt mit Verständnis

Einige Hunde führen ihre Aufgaben auch nicht aus, da sie sich in einer unsicheren Situation in möglichen Übersprungshandlungen verlieren. In dieser Phase ist der Hund instabil. Hier den Druck zu erhöhen, würde den Hund mehr kaputt machen, als dass es ihm tatsächlich hilft. Gerade auch in der Beziehung zwischen Hund und Hundeführer kann so etwas nachhaltig das Vertrauen zerstören.

Denn, wer offensichtlich Hilfe braucht und als Antwort Druck bekommt, wird nicht das Gefühl haben, Teil eines Teams zu sein. Sollte ein Hund jedoch ein Verhalten nicht ausführen, obwohl wir sicherstellen können, dass er das Verhalten zu 100 Prozent verstanden hat, und er sich nicht in einer instabilen Übersprungshandlung verliert, darf man durchaus den Druck erhöhen, um Verhalten einzufordern.

Warum Druck nicht immer die Lösung ist

Die Kunst liegt lediglich darin, die drei Phasen unterschiedlich einordnen zu können. Wer pauschal als universelle Antwort den Druck erhöht, liegt in zwei von drei Fällen falsch. Daher ist es immens wichtig, sich in allen drei Themenbereichen mit dem Hund auseinanderzusetzen, ihn gezielt zu fördern und auch zu fordern.

Daher gilt es: Aufgaben gezielt und verständlich zu erklären, den Hund in Unsicherheiten zu stärken, ohne diese zu verstärken und ihm Sicherheit zu vermitteln, ihn aber auch zu reglementieren und Regeln konsequent durchzusetzen – „Zuckerbrot & Peitsche“.

Ausbildung zum Jagdhund

Strukturierte, einzelne Übungen führen zum Erfolg und stärken den, auf der Jagd unentbehrlichen, Gehorsam. © Jenniffer Figge

Ohne Plan und Struktur geht es nicht

Wir brauchen in der Jagd leistungsstarke und belastbare Hunde, die auch im späteren Verlauf in der Lage sind, eigenständig gute Entscheidungen zu treffen, die dem jagdlichen Verlauf dienen. Wir brauchen extremen Gehorsam, aber müssen dem jagenden Hund auch Räume für individuelle Entscheidungen lassen.

Viele Hundeführer trainieren sehr problemorientiert. Das bedeutet: Ich habe ein Problem, ich muss reagieren. Das heißt, dass der Hund mit seinem Fehlverhalten das Training bestimmt (Segment Training = das Üben von Fähigkeiten). Sinnvoller ist es, in den Anlernphasen gezielter zu trainieren und Fehlerquellen bewusst zu minimieren. Hier ist es wie beim Schachspielen, im Idealfall sind Sie dem Hund immer einen Zug voraus. Denn nur wer die Kontrolle über die Konsequenzen hat, kann eine Verhaltensweise beeinflussen und verändern.

Fehler in der Ausbildung zum Jagdhund vermeiden

Ein Beispiel: Sie trainieren mit einem sehr jungen Hund das Kommando „Sitz“. Sie setzen ihn ins Revier und entfernen sich. Hier ist es wie Lotto zu spielen. Bleibt der Hund sitzen, hatten Sie Glück und können die Verhaltensweise im Idealfall verstärken. Wäre der Hund allerdings aufgestanden und davongelaufen, hätte er die Übung eigenständig beendet und sich der Situation entzogen.

Damit lernt der Hund, dass er die Kontrolle hat. Wäre dann noch ein Hase oder anderes beliebiges Wild vorbeigekommen und es kommt zur unkontrollierten Jagdsituation, wäre die Katastrophe nahezu perfekt. Sie wären im günstigsten Fall allerhöchstens noch Zuschauer. Das selbstbelohnende und für uns äußerst negative Verhalten manifestiert sich.

Lernen braucht klare Bedingungen

Wir müssen auch verstehen, dass in verschiedenen Lernphasen unterschiedlich trainiert wird. Benötige ich in der Anlernphase beim Apport z.B. einen Klicker, nutze ich diesen nur vorübergehend als Hilfsmittel, um eine Verhaltensweise zusammenzubauen. Später im jagdlichen Kontext findet dieses Hilfsmittel hingegen keine Verwendung mehr. Je nach Leistungsstand ist das Training völlig unterschiedlich in der Art, Dauer und Intensität.

In Anlernphasen im Training sollten Sie allerdings zu 100 Prozent das Ausbildungsgeschehen kontrollieren. Stellen Sie sich vor, Sie wollen einen Delphin trainieren. Wir können dies nicht im Hafenbecken von Mallorca, denn dann schwimmt er ins Meer. Wir benötigen einen begrenzten Raum und Zugriff auf existenzielle Ressourcen für ein ideales Lernergebnis.

Ohne Konflikte keine Ausbildung zum Jagdhund

Wir müssen lernen, die Bedingungen zu kontrollieren und ein Verhalten gezielt anzulernen. Ist diese Verhaltensweise stabil, erhöhen wir in unserem Schwimmbecken Stück für Stück die Ablenkung und trainieren die Konflikte. Unsere Aufgabe ist es, dem Hund beizubringen, die Konflikte zu akzeptieren und das von uns gewünschte Verhalten zu lernen. Das gezielte Üben solcher Konflikte unter kontrollierten Bedingungen ist die Grundlage, den Hund später am flüchtigen und bewegten Wild unter extremen Reizen sinnvoll und überlegt zu kontrollieren.

Hier liegen auch die grundlegenden Unterschiede zum rein positiv orientierten Training. In der Jagdgebrauchshundeausbildung beherrschen die Konflikte das eigentliche Geschehen. Hierauf liegt aber kaum das eigentliche Augenmerk.

Warum Talent allein keinen Jagdhund macht

In der Klassik liegt der Fokus meist auf der Entwicklung der jagdlichen Anlagen. Die Zucht ist aber flächendeckend durch die Leistungen der einzelnen Vereine und der Verbände so stark geprägt, dass ich umgangssprachlich dem Hund in erster Linie nicht das Jagen erklären muss, sondern den Gehorsam und die gemeinsame Arbeit.

Trotzdem ist in unseren drei Themenbereichen die gezielte Förderung der jagdlichen Anlagen unerlässlich. Hier gilt es so früh wie möglich diese Anlagen gezielt und kontrolliert zu entwickeln, parallel zum Training und der Ausbildung und Erziehung. Auch hier kann es dann in der ersten Prüfungsstufe zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen kommen.

Angenommen, ich habe von der jagdlichen Anlage her den schlechteren Hund, aber die besseren Bedingungen, den Hund an Wild einzuarbeiten. In der Prüfung treffe ich auf einen Hund, der die bessere jagdliche Anlage hat, aber kaum bis gar nicht jagdlich eingearbeitet werden konnte. Das heißt, Hund B hat das Talent, aber weiß überhaupt nichts damit anzufangen. Wer ist künftig der bessere Jagdhund?

Tipps für die Ausbildung zum Jagdhund

Arbeiten Sie gezielt in allen drei Segmenten: Erziehung, Training und Anlagenförderung. Lernen Sie, wie Verstärker funktionieren! Welche Umstände intensivieren das Verhalten Ihres Hundes? Werden Sie sich darüber bewusst! Lernen Sie die Ausbildung zu kontrollieren und nicht nur auf Fehler ihres Begleiters zu reagieren. Sie bestimmen den Ablauf, fördern Sie jagdliche Anlagen früh.

Trainieren Sie kontrolliert Konflikte. Geben sie in diesen instabilen Phasen dem Hund sichere und konstante Antworten. Lernen Sie, die Konsequenzen auf Verhalten zu kontrollieren. All das gibt ihrem Hund einen stabilen Rahmen. Verlässliche und gleichbleibende Regeln geben Sicherheit. Werden Sie ein Team und genießen viele Jahre die gemeinsame Jagd. Denn Sie wissen ja, „Jagd ohne Hund ist Schund.“

Von Dennis Panthen

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