Reh-Steckbrief: Alles zum Rehwild in Deutschland

Kaum ein Wildtier ist so bekannt wie das Reh. Die Schalenwild ist fast europaweit verbreitet. Doch wie leben die Tiere tatsächlich?

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Wie lebt das Reh in Deutschland? JÄGER hat die Antworten. © Pixabay/Premek Hajek

Keine Schalenwildart ist in Europa so häufig vertreten wie das Reh (Capreolus capreolus). Die Tiere sind überall in Deutschland verbreitet und besiedeln neben Wäldern auch offene Felder und inzwischen sogar Parks. Die Tiere gelten als anpassungsfähig, inzwischen steigen allerdings auch die Gefahren für Rehe in deutschen Wäldern. JÄGER hat die interessantesten Informationen zum Rehwild zusammengetragen.

Reh-Steckbrief: Wie sieht Rehwild aus?

Das Rehwild ist die kleine Hirschart. Mit einer Schulterhöhe von etwa 55 bis 80 Zentimetern und einem Gewicht von bis zu 25 Kilo sind die Tiere eindeutig vom Rot- und Damwild zu unterscheiden. Als charakteristisch gelten die schlanken Beine, der schmale Körper und die großen Augen am schmalen Kopf. Im Sommer tragen Rehe ein braunes bis rötliches Fell, im Winter sind sie eher graubraun gefärbt. Am Hinterteil tragen Rehe einen weißen Fleck, der Spiegel genannt wird. Kitze tragen zusätzlich die bekannten Punkte auf ihrem Fell – das soll sie zusätzlich vor Fressfeinden tarnen.
Die Ricke – so heißt das weibliche Tier – trägt kein Geweih, dafür ist bei Rehböcken ein sogenanntes Gehörn zu erkennen, das sie im Herbst abwerfen. Im Vergleich zu anderen Hirscharten trägt das Reh ein kurzes Geweih von etwa 15-20 Zentimetern Länge. Während Gehör- sowie Geruchssinn als sehr gut gelten, sind die Augen von Rehen weniger effizient. Sie gelten als farbenblind, gleichzeitig ist die räumliche Wahrnehmung schlecht.

Lebensweise vom Rehwild: Lebensraum und Nahrung

Das Reh lebt fast überall in Europa, laut dem Deutschen Jagdverband (DJV) sind nur Korsika und Sardinien nicht besiedelt. Auch in Asien kommen die Tiere vor. Die anpassungsfähigen Tiere leben in Bergregionen, Wäldern, Agrarlandschaften und auch in der Nähe von Menschen. Die Wildtiere kommen auf Feldern ebenso gut zurecht wie in und um Wälder herum.

Das Reh gilt als Pflanzenfresser. Sie ernähren sich von Blättern, Gräsern und Kräutern, aber auch von Trieben und Knospen. Dieser sogenannte Verbiss kann Wäldern zusetzen, denn Bäume benötigen für den Wachstum neuer Triebe besonders viele Ressourcen. Wenn vorhanden, ernähren sich die Tiere auch von Früchten. Die Tiere werden in der Wildnis bis zu 15 Jahre alt.

Paarungszeit: Das Paarungsverhalten des Rehwilds

Die Paarungszeit, Blattzeit genannt, läuft im Juli und August. Nach einer etwa 4,5-monatigen Ruhezeit der befruchteten Eizelle beginnt die Entwicklung. Nach etwa 9,5 Monaten kommen meist 2 Rehkitze zur Welt. Auch 1 oder 3 Kitze sind möglich, aber selten. Das Muttertier legt die Kitze meist in hohem Gras ab, wo sie regungslos ausharren. Nur zum Säugen nähert die Ricke sich, damit sie keine Fressfeinde anlockt.

Gefahren für Rehe in Deutschland

Das Verhalten der Kitze soll ihre Sicherheit gewährleisten, stellt durch den Menschen aber eine neue Gefahr dar. Denn Mähfahrzeuge und -roboter können die Tiere bei Ernte und Mahd schwer verletzen oder töten. Da die Jungtiere sich instinktiv ins Gras drücken, statt zu fliehen, kommt es immer wieder zu derartigen tragischen Unfällen. Die Bundesregierung unterstützt daher bei der Kitzrettung durch Drohnen, um möglichst viele Jungtiere retten zu können.

Eine weitere Gefahr stellt der Straßenverkehr dar. Immer wieder sterben Wildtiere, darunter auch Rehwild, in der Folge von Zusammenstößen mit Autos. Jährlich gibt es über 250.000 registrierte Unfälle mit Wildtieren auf deutschen Straßen – mit Abstand am häufigsten betroffen sind Rehe. Etwa 200.000 Rehe sterben jährlich.

Zusätzlich kehren immer mehr natürliche Feinde des Rehwilds nach Deutschland zurück. Das Reh steht unter anderem auf der Speisekarte von Wolf und Luchs, aber auch große Raubvögel können für kleine Individuen eine Gefahr darstellen. Wildernde Hunde können Rehe ebenfalls töten. Dennoch gelten die Tiere in Deutschland als weit verbreitet und nicht bedroht.

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