Wolf verletzt Jogger – Umweltministerium nimmt Stellung

Wolf verletzt Jogger – Umweltministerium nimmt Stellung

Nach dem gestern öffentlich bekannt wurde, dass es am ersten Weihnachtstag in den Gartower Tannen zu einem Nahkontakt zwischen Mensch und Wolf gekommen sein soll, bei dem ein Jogger leicht an der Hand verletzt wurde, äußert sich nun der zuständige Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN).

Der NLWKN-Sprecher Achim Stolz machte die Zweifel der Behörde an der Geschichte deutlich, die schon seit längerem dort vorliegt. „Das geschilderte Erlebnis spreche eher für eine Begegnung mit Hunden. Wolfsbüro und Umweltministerium gehen davon aus, dass es sich bei der beschriebenen Begegnung vermutlich nicht um Wölfe gehandelt hat“, so Stolz weiter.
Im Norddeutschen Rundfunk (NDR) sagte Almut Kottwitz gestern Abend, man gehe davon aus, es habe sich um Hunde gehandelt, da Wolfswelpen zur Zeit „dick und puschelig“ aussähen und keine schlanke Gestalt aufwiesen. Dies hatte der Jogger offenbar in einer Befragung durch das Ministerium zu Protokoll gegeben. Außerdem sei dem Ministerium bisher kein Fall bekannt, bei dem ein Wolf an die Hand des Menschen gegangen sei. Wie das Überwinden von hohen, stromführenden Zäunen vielleicht ein Verhaltens-Novum. Trotzdem ist der Fall für das Ministerium damit beendet. Das politische Fazit: Hunde waren die Täter.

Gestern trat auch Wolfsberater Peter Burkhardt vor die Kamera des NDR und schilderte den Vorfall noch einmal. Burkhardt gilt selbst als Wolfsbefürworter und setzt sich seit Jahren für die Akzeptanz der Grauhunde ein. Er beschreibt den Geschädigten als vertrauenswürdig und glaubhaft. Selbst kennt er sich bestens mit dem Gartower Rudel aus. Er beobachtet und dokumentiert es seit Jahren. Kritik erntete Burkhardt vor allem im Internet von einschlägiger Seite, weil er gleichzeitig sagte, dass Wölfe, die wiederholt durch distanzloses Verhalten ausfallen würden, zum Wohl der Gesamtpopulation geschossen werden sollten. Er sieht die Akzeptanz des Beutegreifers in der Bevölkerung gefährdet, wenn dreiste und aufdringliche Tiere, in diesem Fall bekannte Jungwölfe, das Sicherheitsempfinden der Menschen negativ beeinflussen. Dies sehen einige offenbar anders. Burkhardt erhielt nach Bekanntwerden des Ereignisses zahlreiche Drohungen.
Warum ihm und dem Betroffenen, der ebenfalls als Wolfsfreund gilt, nun vorgeworfen wird, sie hätten die Geschichte erfunden ist unverständlich.

Kritik an der Informationspolitik des NLWKN hagelte es indes von der CDU. Der Landtagsabgeordnete Ernst-Ingolf Angermann bemängelte den Umgang mit dem Vorfall und stellte die Frage, warum die Öffentlichkeit erst so spät informierte wurde. „Die sofortige Bekanntgabe (…) zur Warnung der Bevölkerung wäre Pflicht und Aufgabe des Ministers gewesen“, wie es in einer Mitteilung hieß.

Was sich tatsächlich im Gartower Forst zugetragen hat, wird vorerst weiter Rätsel aufgeben. Ihr JÄGER bleibt wie immer dran.