Fast täglich gibt es neue Berichte zum Thema Wolf. Ob Risse oder Unfälle: Das Raubtier sorgt für Diskussionsstoff. Das Thema wird inzwischen politisch kontrovers diskutiert. Und auch in der Bevölkerung gibt es immer wieder Unsicherheiten und Streitigkeiten, sobald die Diskussion um Wölfe beginnt. Eins ist klar: Der Wolf polarisiert.
Doch wie viel wissen Sie überhaupt über dieses Tier? Ihr JÄGER beantwortet die häufigsten Fragen.
- Welcher Wolf ist der größte?
- Wie alt werden Wölfe?
- Wie viele Wolfsunterarten gibt es?
- Welche Art ist am weitesten verbreitet?
- Wie viele Zähne hat ein Wolf?
- Welcher Wolf ist der schnellste?
- Sind Wölfe für Spaziergänger gefährlich?
Welcher Wolf ist der größte?
Der Polarwolf (Canis lupus arctos) ist nicht nur die größte, sondern auch die schwerste Unterart. Neben seiner großen Masse helfen ihm außerdem sein langes Fell und vergleichsweise kleine Ohren, der arktischen Kälte von Kanada und Grönland zu trotzen.
Mit bis zu 80 Zentimetern Schulterhöhe und einem Gewicht von etwa 90 Kilogramm ist der Polarwolf eine richtige Wucht. Zum Vergleich: Der eurasische Wolf (Canis lupus lupus) kommt meist auf eine Schulterhöhe von etwa 60 Zentimetern und ein Gewicht von 30-50 Kilogramm. Die Maße des Polarwolfs spiegeln sich auch in seiner Nahrung wieder: Neben Wapitis und Karibus stehen auch Elche auf der Speisekarte.
Was sind die kleinsten Wölfe?
Der Arabische Wolf (Canis lupus arabs) ist die kleinste Unterart des Wolfes. Der Wüstenbewohner wiegt mit 18-20 Kilogramm nicht mal ein Viertel eines Polarwolfs. Hier wird deutlich, wie unterschiedlich sich die verschiedenen Unterarten entwickelt haben, um perfekt für ihren Lebensraum ausgestattet zu sein. Heute wird der arabische Wolf oft auch dem Eurasischen Wolf zugeordnet.
Wie alt werden Wölfe?
In freier Wildbahn kann der Wolf ein Höchstalter von etwa 13 Jahren erreichen. Wölfe in Gefangenschaft werden bis zu ca. 17 Jahre alt. Die Sterblichkeit ist in den ersten beiden Lebensjahren besonders hoch, die häufigsten Todesursachen sind Verletzungen durch Kämpfe und Verhungern, gefolgt von einer Reihe von Krankheiten, darunter Tollwut, Staupe und Borreliose.
Wie viele Wolfsunterarten gibt es?
Die Einteilung der Wölfe in ihre Unterarten ist umstritten, eine geteilte Meinung gibt es also unter Fachleuten nicht wirklich. Der hierzulande heimische Wolf ist der Eurasische Wolf (Canis lupus lupus), auch als Europäischer Grauwolf bekannt. Weitere bekannte Unterarten sind mitunter der Timberwolf (Canis lupus lycaon) oder der Polarwolf (Canis lupus arctos), welche verschiedene Bereiche Nordamerikas besiedeln.
Weniger bekannt ist beispielsweise der Pallipeswolf (Canis lupus palipes), welcher in Indien heimisch ist und optisch eher einem Goldschakal ähnelt. Insgesamt gibt es, je nach Einteilung, über 30 Unterarten, welche sich an ihren Lebensraum und die dort herrschenden Umstände angepasst haben.
Welche Art ist am weitesten verbreitet?
Das größte natürliche Verbreitungsgebiet weltweit hat unser Eurasischer Wolf. Wie sein Name schon sagt, ist die Unterart über weite Teile Eurasiens verbreitet. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich über Ostsibirien bis nach Westeuropa, wodurch auch Russland, Skandinavien, Ost- und Mitteleuropa dazugehören.
Der eurasische Wolf besiedelt innerhalb dieses Gebiets verschiedenste Lebensräume. Neben Wäldern kommen hierbei auch Graslandschaften in unterschiedlichen Klimazonen in Frage. Es ist daher nicht unverständlich, dass der Eurasische Wolf sich in den letzten Jahren auch in Deutschland wieder ausbreiten konnte. Hierzulande hat er keine natürlichen Feinde – und ist damit immer wieder im Mittelpunkt verschiedenster Diskussionen zu Artenschutz, Bejagung und Sorgen der Bevölkerung.
Wie viele Zähne hat ein Wolf?
Die Verwandtschaft von Wolf und Hund ist auch am Gebiss ersichtlich, die Anzahl und Art der Zähne ist bei beiden nämlich gleich. Die Kiefer sind wie folgt bezahnt:
- Oberkiefer: vier Backenzähne, acht Vorbackenzähne, zwei Eck- und sechs Schneidezähne
- Unterkiefer: sechs Backenzähne, acht Vorbackenzähne, zwei Eck- und sechs Schneidezähne
Insgesamt haben Hund und Wolf damit 42 Zähne. Der längste Vorbackenzahn einer Oberkieferhälfte wird auch als Reißzahn bezeichnet. Zusammen mit einem Backenzahn des Unterkiefers bildet er eine sogenannte Brechschere, da die Zähne bei geschlossenem Gebiss nicht aufeinander, sondern nebeneinander liegen. Sie ist sehr effektiv für das Zerkleinern von Fleisch und auch Knochen.

Der Wolf hat 42 Zähne, besonders auffällig ist der Prämolar P4, der Reißzahn im Oberkiefer. © Klaus Rassinger
Welcher Wolf ist der schnellste?
Der Timberwolf (Canis lupus lycaon) prägt häufig das Bild, das Menschen von „dem Wolf“ haben. Als größter Grauwolf besiedelt er vorzugsweise die Nadelwälder Nordamerikas und durchstreift diese mitunter mit hohen Geschwindigkeiten. Mit einer Geschwindigkeit von bis zum 60 km/h können sich die Tiere bewegen. Damit sind sie deutlich schneller als Eurasische Wölfe, welche etwa 50 km/h schaffen.
Sind Wölfe für Spaziergänger gefährlich?
Selbst wenn ein Wolf durch menschliche Ansiedlungen streift und sich dabei auch Menschen nähert, tut er das sicher in erster Linie aus Neugier und nicht, weil er den Menschen als potentielle Beute betrachtet. Immerhin zeigt dieses Verhalten jedoch, dass die Mähr vom scheuen Waldtier Wolf tatsächlich auch eine solche ist.
Zur Ranzzeit im Frühjahr kann man sich als Spaziergänger im Wald durchaus fragen, ob eine Gefahr durch Wölfe besteht, zeigen die Leittiere eines Rudels doch gerade jetzt häufig aggressives Verhalten. Die Gefahr besteht jedoch eher für den Hund, mit dem man gegebenenfalls unterwegs ist und der als Konkurrent wahrgenommen werden könnte. Auf eine mögliche höhere Gefährdung des Menschen in dieser Zeit gibt es keine Hinweise.
Begegnet einem doch ein Wolf im Wald, empfiehlt Wildbiologe und JÄGER-Experte Prof. Dr. Klaus Hackländer, Abstand zu halten, Lärm zu machen und sich im Zweifelsfall mit einem Stein oder Ast wehrhaft zu machen. Vom Selfie mit dem Raubtier rät er dringend ab: „Was wir nicht brauchen sind Wölfe, die dran gewöhnt sind, dass Menschen ganz nah an sie herankommen. Dann kommt es nur zu brenzligen Situationen“, so Hackländer.






