Wolf in Hamburg: Frau verletzt – Senatorin spricht von „Präzedenzfall“

Während Umweltsenatorin Katharina Fegebank von einem Präzedenzfall spricht, ordnet ein Experte das Verhalten des Tieres ein.

Wolf in Hamburg

Nach dem Vorfall in Hamburg prüfen die Behörden derzeit, wie es zu der Begegnung zwischen Mensch und dem mutmaßlichem Wolf kommen konnte. © AdobeStock/Willy Mobilo

In Hamburg ist es am Montagabend, 30. März, zu einem Zwischenfall mit einem Wolf gekommen. Eine Frau wurde im Stadtteil Altona im Gesicht verletzt. Die genauen Umstände sind weiterhin nicht abschließend geklärt. Hamburgs Umweltsenatorin Katharina Fegebank (Grünen) sprach am Dienstag während einer Pressekonferenz von einem „Präzedenzfall“.

Wolf mehrere Tage in Hamburg unterwegs

Nach Angaben von Fegebank war der Wolf bereits seit Samstag im Hamburger Westen unterwegs. Erste Sichtungen gab es demnach in Parks oberhalb des Falkensteiner Ufers in Blankenese.

Am Sonntag wurde das Tier dann unter anderem im Bereich des S-Bahnhofs Othmarschen sowie später in Nienstedten beobachtet. Die Umweltbehörde habe am Sonntag erstmals Kenntnis von dem Wolf erhalten. Bis zum Montagabend habe das Tier ein „arttypisch scheues Verhalten“ gezeigt, so Fegebank weiter.

Vorfall in Hamburg: Wolf beißt Frau ins Gesicht

Der Vorfall ereignete sich am Montagabend im Stadtteil Altona. Nach Angaben der Umweltsenatorin war der Wolf zuvor in eine Einkaufspassage beziehungsweise in einen Supermarktbereich gelaufen.

Eine Frau wurde dabei durch einen Biss im Gesicht verletzt und im Universitätsklinikum Eppendorf behandelt. Nach JÄGER-Informationen konnte sie das Krankenhaus noch am selben Abend wieder verlassen.

Tier an den Wildpark Klövensteen übergeben

Fegebank betonte, dass sich die Situation erst am Montagabend zugespitzt habe: „Gestern Abend kam es dann zu einer unerwarteten und auch sehr überraschenden Verhaltensänderung.“ Zuvor habe es keine Hinweise auf ein auffälliges Verhalten gegeben.

Nach dem Vorfall wurde das Tier weiter im Stadtgebiet gesichtet, bevor es schließlich in der Innenstadt von Einsatzkräften gefasst wurde. Nach Angaben der Polizei konnte der Wolf an der Alster gesichert werden. Das Tier wurde anschließend in den Wildpark Klövensteen gebracht, wo es derzeit untergebracht ist.

Kein Abschuss – rechtliche Grenzen entscheidend

Ein präventiver Abschuss des Tieres sei rechtlich nicht möglich gewesen, erklärte Fegebank. Der Wolf unterliege dem strengen Schutz des Bundesnaturschutzgesetzes.

Auch eine Jagd im Stadtgebiet sei keine Option gewesen: Eine solche Maßnahme hätte ein „unkalkulierbares Risiko“ dargestellt.

Experte: „Das ist eine Frage der Wahrscheinlichkeit“

Der JÄGER hat mit dem Wildbiologen Klaus Hackländer über den Vorfall in Hamburg gesprochen. Für ihn ist das Auftauchen eines Wolfs in einer Großstadt zunächst keine völlige Ausnahme – sondern eine Folge wachsender Bestände.

„Wir haben in Niedersachsen eine sehr hohe Dichte. Die Jungtiere werden spätestens mit zwei Jahren aus dem elterlichen Revier verdrängt und gehen auf Wanderschaft“, erklärt Hackländer.

Da viele Reviere bereits besetzt seien, würden junge Wölfe in sogenannte suboptimale Lebensräume ausweichen: „Dort, wo es noch keine Konkurrenz gibt, sind eben Siedlungen und Städte.“ Auch mit Blick auf mögliche weitere Vorfälle sagt der Experte: „Davon ist auszugehen – das ist eine einfache Wahrscheinlichkeitsrechnung.“

Portrait von Klaus Hackländer

Prof. Dr. Klaus Hackländer ist Leiter des Instituts für Wildbiologie und Jagdwirtschaft an der BOKU University in Wien. © Klaus Hackländer

Hamburger Senat will Wolfsmanagement überprüfen

Der Hamburger Senat will nach dem Vorfall Konsequenzen prüfen. Das bestehende Wolfsmanagement soll laut Fegebank überprüft und gegebenenfalls angepasst werden. Ziel sei es, die Sicherheit der Bevölkerung zu gewährleisten.

Der Fall fällt in eine Phase, in der der Umgang mit dem Wolf auch auf Bundesebene neu geregelt wird: Erst wenige Tage zuvor hatte der Bundesrat Änderungen am Bundesjagdgesetz beschlossen. Damit soll ein klarerer rechtlicher Rahmen für das Wolfsmanagement geschaffen werden – etwa durch die Möglichkeit regionaler Managementpläne und gezielter Entnahmen unter bestimmten Voraussetzungen.

Allerdings liegt die konkrete Umsetzung bei den Bundesländern. Erst wenn die neuen Regelungen in Landesrecht überführt werden, können sie in der Praxis angewendet werden.

LJV Hamburg: Der Wolf ist ein wichtiges Thema

Neben den politischen und rechtlichen Fragen rückt damit auch die Rolle der Jägerschaft stärker in den Fokus. Vor diesem Hintergrund gewinnt auch die anstehende Wahl beim Hamburger Landesjagdverband an Bedeutung: Am 13. April wählen die Mitglieder eine neue Führung. Der Umgang mit dem Wolf war bereits im Vorfeld ein wichtiges Thema in unseren Gesprächen mit den Kandidaten: Andreas Brandt, derzeit Vizepräsident des LJV Hamburg, und Dorothee Giffey.

Der JÄGER hat die Kandidaten zum aktuellen Vorfall in Hamburg angefragt. Einschätzungen dazu werden zeitnah veröffentlicht.