Es gibt Dinge im Leben eines Waidmanns, die wecken Begehrlichkeiten. So ist es bestimmt eines jeden Wunschtraum, einmal einen reifen Keiler geschossen zu haben. Aber was ist denn überhaupt ein reifer Keiler? Die auf Facebook und Instagram viral zelebrierten Keiler sind es in aller Regel gewiss nicht. Die mögen groß sein. Oder ein stattliches Gewaff haben. Oder auch einen massigen Körper. Aber, da muss ich leider enttäuschen: so richtig reife Bassen sind das nicht.
Die richtig dicken Schweine: Wann ist ein Keiler so richtig reif?
Ein Keiler gilt gemeinhin mit fünf Jahren als reif. Hier und da wird neben diesem Alter noch ein Gewicht von 100 Kilogramm aufwärts als Kriterium genannt. Aber dann ist er eben „nur“ reif. Ein echter Urian, ein gewaltiger Basse, ist so eine gerade mal reife Sau noch nicht. Warum ist schnell erklärt: Schwarzwild kann gut zehn Jahre alt werden – mit fünf Lenzen bewegen wir uns da klar im Mittelfeld. Und ein Blick in die Streckenlisten zeigt, dass wirklich kapitale Keiler gut und gerne vier Zentner auf die Waage bringen, also 200 Kilogramm. Stellt man hier einen starken Überläufer mit 80 Kilogramm zum Vergleich wird deutlich, weshalb „reif “ nicht automatisch einen Bassen skizziert.
Bassen überlisten: Wie spreche ich einen kapitalen Keiler an?
Reife Keiler sind vorsichtig, heimlich. Sie kommen kaum mit der Rotte an die Kirrung und wenn doch, so bleiben sie meistens am Rand der Fläche. Und dann hat man sie nun mal zumeist in der Dämmerung oder nachts vor. Würden sie sich anders verhalten – wären sie kaum so alt geworden. Aber gerade nachts ist es schwer, einen Keiler sauber anzusprechen. Weil er alleine zieht, sind wir der Möglichkeit des direkten Vergleichs beraubt und wir müssen uns an den drei klassischen Merkmalsgruppen entlanghandeln:
1. Wie sieht der Körper aus? Eher wie ein starker Überläufer mit erkennbarem Wurf oder wie ein Koffer, quadratisch, praktisch, gut? Kann ich eventuell eine lange Quaste ausmachen?
2. Sehe ich den markanten „Kamelhöcker“ oberhalb der Schulterpartie? Der ist in seiner Ausprägung in reiferem Alter stärker. Aber Obacht: auch alte Bachen können diesen Höcker haben – sie haben aber im Gegensatz zum Keiler einen längeren Wurf. Der des Keilers ist kompakter und er wirkt grimmiger.
3. Zu guter Letzt folgt ein Blick an die Bauchlinie, so sie denn überhaupt sichtbar ist. Aber das wäre selbstredend das spezifischste Kriterium: auch die stärksten Bachen besitzen keinen Pinsel! Auch wenn wir es uns beim Ansprechen manches Mal noch so sehr wünschen. Eine große Hilfe zum Ansprechen einzelner Sauen im Revier ist ein gut platzierter Malbaum oder ein mindestens kniehoher Baumstumpf. Diese liefern ein Indiz, das man Tag und Nacht als Referenz nehmen kann. Mit diesen kleinen Tricks kann man in der Jagdpraxis auf die Größe des vorkommenden Wildschweins schließen.
Tipp: Schwarzwild- Hegegemeinschaft
Hat man Schwarzwild im Revier macht es allen Sinn, eine revierübergreifende Hegegemeinschaft zu bilden. Zu groß ist der Streifraum von Sauen, als dass man die Hege auf ein Revier auslegen kann. Und neben dem Austausch von Informationen zu Aufenthaltsorten, Rottengrößen und Wildschaden, sollte man sich hier auch Gedanken zur Abschussplanung von Keilern machen.







