Schlauer als der Fuchs

Pixaybay

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Eine der reizvollsten Jagdarten ist zweifellos der Ansitz am Fuchsbau bei Schnee. Welche Baue sind hierfür geeignet? Zu welcher Tageszeit sind die Aussichten am besten? Und welche Fehler muss man unbedingt vermeiden?

Die Fuchsjagd ist in manchen Revieren aus der Mode gekommen. Alles dreht sich dort nur noch um die Schwarzkittel. Und selbst wenn der Fuchs ganz nah vorbeischnürt, bleibt so manche Schrotpatrone im Lauf, weil man doch die Sauen nicht vergrämen will. Die Lage sähe sicher ganz anders aus, wenn man sich wie früher für zehn gute Winterbälge einen Drilling kaufen könnte. Doch auch ohne finanziellen Anreiz sollte der Winterfuchs ein begehrte Beute bleiben zum einen, um unserem Niederwild zu helfen, zum anderen, um sich über den reifen Winterbalg zu freuen und natürlich, um eine spannende Jagd zu erleben. Denn kaum eine Wildart verfügt über solch scharfe Sinne wie der Fuchs. Es gilt also schlauer zu sein als Meister Reineke.

Passende Baue
Die Jagd am Bau will gut überlegt und gut vorbereitet sein. Nicht jede befahrene Burg kommt da in Frage. Lagen in Dickungen und Nadelholzstangenhölzern scheiden wegen mangelnden Lichts aus. Also untersuchen wir die Baue in Althölzern von Laub- oder Mischwäldern. Gut durchforstete Nadelholzbestände eignen sich auch. Hier bauen wir uns schon im Sommer einen kleinen, unauffälligen Schirm. Da wir bei winterlicher Schneelage oft Ostwind haben, sind zwei Schirme besser, damit der Wind uns keinen Strich durch die Rechnung macht. In einer Viertelstunde ist er fertig, oft reichen eine alte Baumkrone oder ein paar zusammengezogene Äste. Die Entfernung zu den ständig befahrenen Röhren sollte 20 bis 25 Meter betragen. Liegt eine einzelne Röhre zu weit oder zu dicht am Schirm, blockieren wir diese mit einem sperrigen Ast. Auch bei ausgedehnten alten Burgen sind es meist immer nur drei bis vier Röhren, die ständig genutzt werden. Es ist unbedingt darauf zu achten, dass man den Schirm nicht auf einem der Pässe baut, die der Fuchs ziemlich sicher bei seiner Abreise einhält. Sonst hat man ihn spitz von vorn oder hinten, beides unsichere Schüsse, die selten Erfolg bringen. In der Ranzzeit müssen wir immer auch mit anlaufenden Füchsen rechnen, denn dann wird nachts von den Rüden jeder Bau laufend kontrolliert. Bei längerer Schneelage sind die An- und Abmarschwege deutlich zu erkennen. In unübersichtlichem Gelände mit dichterem Bodenbewuchs oder Geländewellen leistet ein Drückjagdbock gute Dienste.

Ergiebige Zeiten
Auch bei dieser spannenden Jagdart stehen wir wieder vor der alten Frage, wann ist der Fuchs denn nun im Bau? Bei nassem Neuschnee sucht er ziemlich sicher sein Schlafzimmer auf, verlässt den Bau aber oft nicht in der ersten Nacht. Es ist eine alte Erfahrung, dass bei dem ersten Schnee das Wild kaum auf den Läufen ist. Umso reger ist es dann in der zweiten Nacht. So erkennen wir nach einigen Tagen mit Schneelage gut, welche Baue befahren sind. Herrscht klares, sonniges Winterwetter, ist der Fuchs in ruhigen Revieren selten in seinem Domizil. Wie unsere Hunde liebt er die Wärme und nutzt jeden Sonnenstrahl. Oft finden wir sein Lager auf dem Bau, was im Schnee gut zu erkennen ist. Umso sicherer trifft man ihn in der Ranzzeit im Bau an. Dies ist die beste Zeit. Wir kontrollieren jetzt täglich die Baue, ohne sie direkt zu betreten. Weit verstreuter Sand vor den Röhren bedeutet nicht, dass der Fuchs im Bau ist. Wie gesagt, die Rüden kontrollieren jetzt laufend die Baue in ihrem Revier. Beim Ausfahren schütteln sie sich natürlich den Sand aus dem Balg, wie unsere Hunde nach dem Verlassen des Wassers.

Der Ansitz
Haben wir einen erfolgversprechenden Bau, beziehen wir unter Beachtung des Windes gegen 16 Uhr geräuschlos unseren Ansitz. In der Ranz sind die Füchse oft früh auf den Läufen. Sonst verlässt der Fuchs seinen Bau meist zwischen 17 und 19 Uhr. Ich bevorzuge Lodenbekleidung, da sie (fast) geräuschlos ist. Im Schirm schlüpfe ich in meinen Ansitzsack, der Schneetarnponcho umhüllt alles. Der Gewehrriemen ist vom Drilling abgenommen, um jedes Geräusch zu vermeiden. Eine mitgenommene Astgabel wird in den Boden gesteckt, darauf ruht das Laufbündel Richtung Bau. Der Schaft liegt unter der Achsel, die Waffe wird entsichert. Ab jetzt spielen wir Lots Weib, auch das Pfeifchen bleibt kalt. Geladen sind 3 mm-Schrote, sie reichen völlig aus und gewährleisten ein sofortiges Verenden auf den breitstehenden Fuchs. Interessant ist das unterschiedliche Verhalten, einige erscheinen völlig vertraut und schnüren sofort los. Ich habe es aber auch erlebt, dass ich zehn Minuten nur die schwarzen Dreiecke der Gehöre von hinten an der Einfahrt sah.

Dann schob er sich Zentimeter für Zenti-meter heraus und sicherte lange in alle Richtungen. Selbstverständlich verharrt man dann bewegungslos, bis der Fuchs in Bewegung ist. Dann genügt ein leichtes Vorbeugen, und die Waffe ist im Anschlag. Ein einfaches Mäuseln ließ den Fuchs damals verhoffen, und er lag im Knall es war übrigens eine uralte Fähe. Ich genehmigte mir einen Schluck verdünnten Tee aus der Thermoskanne und wollte noch eine Weile ausharren. Es war die Zeit der Ranz, da lohnt sich der Ansitz bis Mitternacht Den Fuchs lassen wir fünf Meter von der Röhre, bevor es knallt. So können wir notfalls den zweiten Schuss anbringen. Will man länger sitzen bleiben, lässt man einen erlegten Fuchs liegen, er stört nicht. Natürlich kann diese schöne Jagdart nicht die gewünschte Reduzierung mit Falle und guten Bauhunden ersetzen. Hier stehen die überaus feinen Sinne des Fuchses gegen jägerisches Können. Reineke verzeiht auch den kleinsten Fehler nicht. Umso größer ist dann die Freude, wenn man den prachtvollen Winterbalg in den Händen hält.