Schwarzwild – Altersbestimmung leicht gemacht

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Egal, ob es die Freigabe des Jagdherrn ist, die geltende Jagdzeit oder einfach nur die Neugier, es ist immer interessant zu wissen, wie alt die erlegte Sau nun wirklich ist. Deshalb hier eine übersichtliche Anleitung von JÄGER- Autor Carsten Vogt, wie Sie das Alter der Sau anhand der Zähne taxieren können.

Bei manchen Schalenwildarten geht das Ansprechen des Alters vergleichsweise einfach – zumindest in den ersten Jahres ihres Lebens. Der Jährling ist mehr oder minder zuverlässig von einem mehrjährigen Bock zu unterscheiden. Der Rotspießer und der Knieper unterscheiden sich recht eindeutig vom Kronenzehner bzw. vom Schaufler. Zudem gehört der Blick in den Äser bei Reh-, Dam- und Rotwild zum Ritual der Altersschätzung. Bei unseren borstigen Freunden hingegen scheint das Ansprechen vor dem Schuss als endgültige Altersbestimmung zu genügen. Ob bei großen oder kleinen Jagden: Den meisten scheint ein grober Blick auf die Strecke zu reichen, um die erlegten Sauen anhand des ungefähren Gewichts altersmäßig einzuschätzen. Doch nicht immer passt das taxierte Alter mit dem tatsächlichen zusammen. Viele Jäger würden ihr zahnfaules Wunder erleben, wenn man die Altersschätzung anhand des Gebisses intensiver anwenden würde. Gar nicht so selten entpuppt sich bei genauerem Hinsehen, dass das als Überläuferbache angesprochene Stück in Wahrheit gar keine solche mehr ist, und dass der vermeintlich zweijährige Keiler im Grunde ein wohlgenährter Überläufer ist.

Dreijähriger Keiler: Anschauungsobjekt, wo im Sauengebiss welche Zähne sitzen

Dreijähriger Keiler: Anschauungsobjekt, wo im Sauengebiss welche Zähne sitzen

Die Gewichtsschwankungen beim Schwarzwild sind in unseren Breiten enorm und differieren zum Teil erheblich. Die Gründe hierfür liegen in den unterschiedlichen Frischterminen, dem unterschiedlichen Fraßangebot und eventuellen Krankheiten. Eine weitere Fehleinschätzung hinsichtlich der Größe und des Gewichts liegt bei den Keilern kurz vor und während der Rauschzeit. Zu diesen Zeiten sind ihre Gewichte höher als im restlichen Jahr. Außerdem täuscht die Winterschwarte bei allen Sauen immer ein höheres Gewicht vor. Im Zuge von Gesellschaftsjagden reicht es sicherlich, aus der Rotte die körperlich schwächsten Stücke zu erlegen – hier handelt es sich in der Regel um Frischlinge. Jedoch ist im Einzelfall nicht jedes braune Stück ein Frischling, genauso wenig wie jedes schwarze Stück ein Überläufer oder älter ist. Eine Altersschätzung anhand des Gebisses bzw. des Zahnwechsels bis zum zweijährigen Stück ist recht genau möglich. Es ist weniger entscheidend, ob ein erlegter Frischling sieben oder neun Monate alt ist, genauso wenig wie es kriegsentscheidend ist, ob der gestreckte Überläufer 14 oder 17 Monate auf der Schwarte hat. Mithilfe der Zahnbestimmung lässt sich aber weitestgehend feststellen, ob es sich um einen Frischling, Überläufer oder ein zweijähriges bzw. älteres Stück handelt.

Überläufer oder Frischling

 

Milchgebiss

Anfangs schiebt das Schwarzwild die Schneide-, Eck- und Vorderbackenzähne (mit Ausnahme des P1) als Milchgebiss. Die Milchzähne werden innerhalb der ersten beiden Lebensjahre durch die jeeeiligen Dauerzähne ersetzt. Die ersten acht Lebenswochen verfügen Frischlinge über acht Milchzähne: den dritte Schneidezahn (i3) sowie den Eckzahn (c1) pro Ober- sowie Unterkieferhälfte. Weitere Schneidezähne werden bis zu einem Alter von knapp zwei Monaten nicht geschoben, da die Frischlinge zu dieser Zeit noch an den Strichen der Bache saugen – das reduziert Verletzungen der Zitzen. Während der folgenden vier Wochen schieben die Frischlinge den ersten Schneidezahn (i1) und den zweiten Prämolar (p2). Das Milchgebiss ist nach ungefähr vier Monaten komplett ausgebildet und bleibt in dieser Anordnung bis zum neunten/zehnten Monat erhalten.

Dauergebiss

Die Backenzähne sowie der erste Vorderbackenzahn wachsen sofort als Dauerzähne. Das Dauergebiss ist nach drei bis vier Jahren komplett ausgebildet. Mit zehn bis zwölf Monaten werden die zuerst geschobenen Milchzähne i3 sowie die Eckzähne (c) als erste durch die Dauerzähne I3 sowie C ersetzt. Alle Dauerzähne sind deutlich breiter angelegt als ihre Milchpendants. Dies ist ein wesentliches Indiz für den Übergang vom Frischlingdasein hin zum Überläufer. Des Weiteren wird vom Übergang in das zweite Lebensjahr (ab 13. Monat) der zweite Molar (M2) angelegt und mit gut 14 Monaten der erste Schneidezahn (I1). Nun ist auch deutlich eine Lücke zwischen dem I1 (Dauerzahn) und dem i2 (Milchzahn) sichtbar. Während des 15. und 16. Monats werden die Milchprämolaren gewechselt. Der p4 ist im Milchgebiss dreiteilig, während er als P4 im Dauergebiss zweiteilig ist. Bis auf den i2 sind nun alle Zähne als Dauerzähne vorhanden. Im Alter von 19 bis 20 Monaten wird auch er zum dauerhaften I2. Nun fehlt nur noch der dritte Molar (M3) zum kompletten Dauergebiss. Mit etwa 21 bis 22 Monaten erscheint der M3 zunächst im Unterkiefer, danach im Oberkiefer. Jedoch kann sich das Durchbrechen gerade im Oberkiefer lange hinziehen. Ungefähr zu dieser Zeit, genauer ab dem 24. Monat, sind alle Schneidezähne durchgewechselt sowie durchgebrochen und befinden sich nun auf einer Linie (die vorherige Lücke ist ab dem 24. Monat nicht mehr sichtbar).

Das Gebiss

Für das Dauergebiss werden Großbuchstaben verwendet, für das Milchgebiss Kleinbuchstaben. Die wissenschaftliche Bezeichnung der Zähne lautet wie folgt:

  • • Schneidezahn: I (Incisivus)
  • Eckzahn: C (Caninus)
• Vorderbackenzahn: P (Prämolaris)
  • Backenzahn: M (Molaris)
• Milchgebiss, 28 Zähne: 3 Schneidezähne (i), 1 Eckzahn (c), 3 Backenzähne (p) pro Ober- und Unterkieferhälfte.
  • Dauergebiss, 44 Zähne: 3 Schneidezähne (I1 – I3), 1 Eckzahn (C), 4 Vorderbacken- zähne (P1 – P4), 3 Backenzähne (M1 – M3) pro Ober- und  Unterkieferhälfte.

Die Eckzähne wachsen ein Leben lang.

Wachstum Schneidezähne

  • Mit vier bis sechs Monaten sind alle Milchschneidezähne vorhanden.
  • Mit zehn bis zwölf Monaten wachsen die Dauerschneidezähne I3.
  • Im Wechsel vom ersten ins zweite Lebensjahr bilden sich die Dauerschneidezähne I1. Diese sind während des Wachs- tums vorerst kleiner als die restlichen vorderen Milchschneidezähne.
  • Sind die inneren Schneidezähne (I1) länger als die mittleren (I2), so ist das Stück zwischen dem 18. und 23. Monat alt.
  • Befinden sich die vorderen Schneidezä ne (I1, I2) in einer geschlossenen Reihe, so ist die Sau mindestens 24 Monate alt.

Wachstum Backenzähne

  • Im Milchgebiss ist der vierte Vorderbackenzahn (p4) dreiteilig.
  • Mit vier bis sechs Monaten erscheint der erste Backenzahn (M1)
  • Mit zehn bis 16 Monaten erscheint der zweite Backenzahn (M2).
  • Mit 14 bis 17 Monaten wechselt der vierte Vorderbackenzahn (dreiteilig) zum nun zweiteiligen Dauerzahn.
  • Mit 20 Monaten erscheint ansatzweise der dritte Backenzahn (M3).
  • Mit 24 Monaten ist der M3 bereits deutlich zu sehen.
  • Mit gut 36 Monaten ist der M3 komplett durchgewachsen.