Kontaminierte Sauen – Die Spätfolgen von Tschernobyl in Bayern

Am 26.04.1986 gelangten durch die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl Unmengen radioaktives Material in die Atmosphäre und regnete teilweise wieder ab, besonders über den bayerischen Wäldern.

Noch heute ist die Kontamination von Schwarzwild im Bayerischen Wald ein Problem.

Belastungen im Bereich von weit über 10.000 Becquerel scheinen häufiger vorzukommen, als es das zuständige Umweltministerium verlauten lässt.

Wer sich selbst ein Bild über die Strahlenbelastung von Flora und Fauna machen möchte, kann das auf der Seite des Bayerischen Landesamtes für Umwelt tun.

Jäger Max Wurzel berichtet im Beitrag des BR von bis zu 70 Prozent zu entsorgenden Sauen, eine kaum zu beziffernde Menge an Wildbret, bedenkt man die intensive Bejagung von Sauen zur Wildschadensverhütung in Bayern.

Sauen als Allesfresser nehmen noch heute in bestimmten Gebieten große Mengen radioaktive Strahlung über die Äsung auf. Ein besondere Risikofaktor sind hierbei Pilze, wie etwa der Hirschtrüffel. In diesen Pilzen sind besonders hohe Konzentrationen radioaktiver Strahlung zu finden.

Das Problem mit der Strahlung im Wildbret der Sauen ist den Behörden seit langer Zeit bekannt. Die Jäger in Bayern sind verpflichtet, jedes erlegte Wildschwein auf den Grad der Verstrahlung  hin überprüfen zu lassen, um eine Gefährdung des Menschen durch den Verzehr von zu stark kontaminierten Wildbret zu verhindern.

In Deutschland darf der Höchstwert von 600 Becquerel bei einem Kilogramm Fleisch nicht überschritten werden.  Ist der Wert höher, darf das Fleisch unter keinen Umständen in den Verkauf gelangen. Für jedes Stück Schwarzwild, das durch den Grad der Verstrahlung nicht für den Verzehr geeignet sind bekommt der Jäger 250 Euro Entschädigung vom Bund.

Der Wert von 600 Becquerel ist in Deutschland, im Gegensatz zu anderen Ländern verhältnismäßig niedrig gewählt worden, um eine Gefährdung für den Menschen unter allen Umständen auszuschließen.

Zum Vergleich: in Schweden liegt der Höchstwert bei 1500 Becquerel pro Kilogramm.

„Laut wissenschaftlichen Aussagen von Radiologen müsset ein Mensch ein Jahr lang täglich ein Kilogramm mit 1000 Becquerel belastetes Wildfleisch essen, um in einen gesundheitsgefährdeten Bereich zu kommen.“

Die Höhe der Strahlenbelastung des bayerischen Schwarzwilds fällt recht unterschiedlich aus.

In besonders stark belastet Gebieten in Bayern ist es keine Seltenheit, dass Schwarzwild mit einer Strahlenbelastung  gemessen wird, dessen Becquerel Wert weit höher als die erlaubten 600 Becquerel.

Auch die öffentlich-rechtlichen Sender beschäftigen sich alle Jubeljahre wieder mit dem Thema:

Verstrahlte Wildschweine: Und der Verbraucher weiß von nichts 

Das Magazin Quer von BR hat sich dem Thema gewidmet. In diesem Beitrag wird darüber berichtet, dass die meisten der bayerischen Jäger ordnungsgemäß ihr erlegtes Schwarzwild auf Radioaktivität testen und die Behörden über diese Ergebnisse informieren.  Die Ergebnisse werden in einer Datenbank gesammelt, die der Öffentlichkeit aber offenbar nicht vollständig zugänglich gemacht wird. 

ARD Faszination Wissen: Wie verstrahlt sind bayerischen Wälder 

Die Reporter machen sich in den Wintermonaten nach Bayern auf, um Wildbret von erlegtem Schwarzwild auf die Höhe der Radioaktivität  zu testen. Das Ergebnis überrascht.