Zur Entenjagd mit dem Labrador-Retriever

Abendstrich: Das heißt packende Action für uns Jäger und eiserne Disziplin für die Hunde.

Anna L. Hollweg stellt Ihnen den Labrador-Retriever für die Wasserjagd vor. Fotos©Flickr

Retriever Labrador jagd Flickr Entenjagd

Sie kommen. Das pfeifende Geräusch der Schwingen lässt den Adrenalinspiegel steigen. Gleich fallen die Enten ein. Jetzt bloß ruhig bleiben und den passenden Moment abwarten. Das Wild ist im Landeanflug, der Schuss bricht. Stille, ein Breitschnabel klatscht geflügelt ins Wasser. Nun kommt ihr Einsatz: Geduldig hat die rabenschwarze Labradorhündin ausgeharrt jetzt wird sie geschnallt. Wie ein Blitz prescht Victoria You Two vom Klingerhuf, genannt U2, los und stürzt sich in die Fluten. Angestachelt von ihrem Finderwillen, rudert sie energisch auf ihre Beute zu und apportiert diese stolz ans Ufer.

Erhobenen Hauptes und mit geschwellter Brust steuert sie zielstrebig auf ihren Ausbilder Herbert Schröder zu. Sitz! U2 gibt die erlegte Ente brav aus. Der Schleswig-Holsteiner ist seit 43 Jahren Berufsjäger und betreut seit zwölf Jahren ein 160 Hektar großes Revier in Wacken. Es besteht zur Hälfte aus Wald, zu einem Viertel aus Feld und der Rest ist Wasser. Der Wildmeister weiß, dass er die Ente ohne Hund nicht aus dem kalten See bekommen hätte. Selbst für den Vierläufer mit seiner feinen Nase ist die Verlorensuche im dichten Schilf mühevolle Feinarbeit für den Jäger ist das in der Regel unmöglich.

Darum schreibt das Jagdgesetz für die Wasserjagd auch einen geeigneten Hund vor. Labrador-Retriever sind für ihre ruhige und freundliche Art bekannt. Sie brauchen bei der jagdlichen Ausbildung, anders als so mancher Vorstehhund, keine harte Hand, sind sehr leichtführig und apportierfreudig. Sie besitzen einen ausgeprägten ,will to please das heißt, sie wollen ihrem Führer immer gefallen. Deshalb eignen sie sich besonders für Frauen, junge Leute und Erstlingsführer, so Herbert Schröder.

Retriever Labrador jagd Flickr Entenjagd

Früher jagten sie an der Seite rauer Burschen heute sind sie äußerst beliebte Familienhunde. Der Labrador-Retriever soll ein direkter Nachfahre des St. Johns Water Dog sein. Er stammt von der kanadischen Ostküste und zählt zu den Urahnen des Neufundländers. Die schwarzen Wasserhunde halfen den Fischern bei der Jagd oder dabei, abgetriebene Fische und Netze aus dem Meer zu holen. Anfang des 19. Jahrhunderts gelangten die ersten St. Johns Hunde durch den Seehandel nach England.

Dort wurden sie nach ihrer Heimat Labrador benannt. Hervorragende Apportieranlagen und angezüchtete Weichmäuligkeit, das Wild wird vorsichtig apportiert und nicht geknautscht, machen den Labbi noch heute zu einem Spezialisten für die Arbeit nach dem Schuss ob im Schilf, im freien Gewässer oder an Land. Das einzige, was ihnen häufig fehlt, ist eine gewisse Wildschärfe, weiß Berufsjäger Herbert Schröder.

U2 ist insofern ein Sonderfall, da sie sehr gut auf Schweiß geht. Sie zeigt Schärfe am Schalenwild und traut sich sogar an Sauen heran. Die ruhige Hündin hat die Jagdliche Jugendprüfung für Retriever (JP/R) und die Bringleistungsprüfung für Retriever (BLP) erfolgreich abgelegt. U2 wird im Haus gehalten eine Zwingerhaltung kommt wegen der starken Bindung an ihr menschliches Rudel nicht in Frage.

Rassestandard Labrador Retriever

Der Deutsche Retriever Club e.V. (DRC) unterscheidet zwischen einer Standard- und einer jagdlichen Leistungszucht. So ist der Labrador nach internationalem Rassestandard ein kräftig gebauter, mittelgroßer Hund mit einem breiten Schädel und ausgeprägten Stopp (Winkel zwischen Stirn und Nasen-rücken). Die gewünschte Widerristhöhe eines Rüdens misst zwischen 56 und 57 Zentimeter, die einer Hündin zwischen 54 und 56 Zentimeter. Das Gewicht schwankt je nach Typ und Geschlecht zwischen 25 und 38 Kilogramm Labradore aus einer jagdlichen Zucht sind kleiner und schlanker gebaut als viele Begleithunde. Es gibt sie in den Farben einfarbig schwarz, gelb und leberfarbig/schokoladenbraun. Das kurze, dichte Deckhaar mit wasserabweisender Unterwolle macht den Labrador-Retriever zu einem robusten Schwimmer. Kennzeichnend für diese Rasse ist auch die so genannte Otterrute, da sie der des Wassermarders ähnelt.

Weitere Informationen unter www.drc.de oder www.labrador.de.