Wer schießt besser? Jäger gegen Scharfschütze

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Kann ein Jäger, selbst wenn er ein sehr guter Schütze ist, gegen einen Scharfschützen bestehen? Um das herauszufinden, haben wir beide mit dem Weitschuss-Zielfernrohr Zeiss Victory V8 4,8-35×60 gegeneinander antreten lassen. Das Ergebnis war überraschend eindeutig.

Trotz immer besserer, bedienfreundlicherer Technik, die den Schuss auf größere Entfernungen erleichert und somit präziser machen soll, stellt der Distanzschuss eine große Herausforderung an den Schützen dar. Für Jäger kann ein Fehlschuss mit einer Nachsuche mit ungewissem Ausgang enden, beim Scharfschützen aber hängt gleich das eigene Leben an den Schießfertigkeiten. Von beiden werden schnelle Entscheidungen, Nervenstärke und ein sicheres Ergebnis verlangt.

Wir haben uns gefragt: Trifft der Scharfschütze wirklich besser als der Jäger, und wenn ja, wie viel?

Daniel

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Daniel ©Pauline von Hardenberg

Der Fachmann für Land- und Forsttechnik ist passionierter Jäger aus dem südlichen Schleswig-Holstein. Er gilt als sehr versierter Schütze. Den Jagdschein machte er 2003. Da der Schuss auf flüchtiges Wild die Paradedisziplin des 35-Jährigen ist, war er von der Weitschuss-Aufgabenstellung vorerst wenig begeistert. Doch er meisterte die Herausforderung mit Bravour und musste am Ende sagen: Mit der selbsterklärenden Technik ist es möglich, auch auf 270 Meter sehr ordentlich zu treffen.

Axel

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Axel ©Pauline von Hardenberg

Der 32-jährige Hauptfeldwebel und Fallschirmjäger hat zwar seit letztem Jahr auch einen Jagdschein, seine Schießerfahrung rührt aber aus seiner Scharfschützenausbildung bei der Bundeswehr, bei der er seit 2002 dient. Der Umgang mit Waffen, auch in nervenzerrenden Situationen, ist für den Berufssoldaten Alltag. Entsprechend gelassen und pragmatisch sah er die Aufgabenstellungen. Er meint: Die moderne Technik erleichtert dem technikaffinen Schützen das präzise Treffen immens.

So nah und doch so fern: Ein Blick durchs hochvergrößernde Zielfernrohr holt selbst weit erntfernte Anschussscheiben und Pappsauen in greifbare Nähe. ©Pauline von Hardenberg

So nah und doch so fern: Ein Blick durchs hochvergrößernde Zielfernrohr holt selbst weit erntfernte Anschussscheiben und Pappsauen in greifbare Nähe. ©Pauline von Hardenberg

Die Aufgabenstellung

Um das herauszufinden, haben wir Jäger Daniel gegen den ausgebildeten Scharfschützen Axel antreten lassen. Beide haben mit derselben Waffe geschossen, einer Blaser R8 im Kaliber .308 Win., ausgerüstet mit dem größten Zielfernrohr der Zeiss Victory Familie, dem V8 4,8-35×60 mit Absehenschnellverstellung (ASV) und Parallaxenausgleich. Zunächst sollten beide Schützen erst einmal ein Gefühl dafür bekommen, wie sich die gewählte Munition (Federal Fusion) in Verbindung mit dem Kaliber auf unterschiedliche Distan- zen verhält. Dann sollte es mit den gewonnenen Erkenntnissen ernst werden. Versuchsleiter Hermann Rosenberg sagte den Kontrahenten das Ziel – eine Pappsau auf 100, 150, 200 oder 250 Meter – an und stoppte die Zeit, um eine Schusssituation unter Jagdbedingungen zu simulieren.

Ballistiktest

Kein Problem für Scharfschütze Axel. Daniel, der eigentlich einen Wettbewerb auf bewegliche Ziele erwartet hatte, war zunächst unsicher. Dabei zeigte sich auf der Anschussscheibe schnell, dass dazu gar kein Grund bestand (Ergebnisse unten).

Auf Distanzen bis 150 Meter, also innerhalb des normalen jagdlichen Bereichs, gab’s kaum erkennbare Unterschiede zwischen Jäger und Scharfschütze. Erst ab 200 Meter waren Daniels Schussgruppen etwas größer als Axels. Daniels Streukreis auf 250 Meter passt aber noch locker auf einen Bierdeckel und wäre somit auf stärkeres Wild immer noch gut vertretbar. Wie sieht es jedoch unter Zeitdruck aus, wenn die Absehenschnellverstellung zusätzlich bedient werden muss?

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Daniel zielt genau, bevor er den Finger
krümmt. Für den Drückjagdschützen ist der Distanzschuss eine Disziplin, die ihm erhöhte Konzentration abverlangt. ©Pauline von Hardenberg

Ernstfall

Für den zweiten Teil des Versuchs sollte die Anspannung einer jagdlichen Situation unter Zeitdruck simuliert werden. Dafür wurde den Schützen das zu beschießende Ziel (A = 100 m, B = 150 m, C = 200 m, D = 250 m, E = 270 m) zugerufen und die Zeit bis zur Schussabgabe gestoppt. Immer abwechselnd mussten Jäger und Scharfschütze schießen und zwischendurch den Raum verlassen, um sich keinen Vorteil zu verschaffen. Mit Hilfe der Ergebnisse der ersten Runde sollten die beiden Kontrahenten nun ermitteln, um wie viele Klicks das Absehen angepasst werden sollte. Das Resultat war erstaunlich: Im Durchschnitt war Daniel nur etwa drei Sekunden langsamer als Axel.

Bei den jagdlichen Distanzen war er teilweise sogar etwas schneller. Hier war auch die Trefferlage vergleichbar. Auf 200 Meter leistete sich Daniel dann einen kleinen Fehler und drehte bei der seitlichen Absehenschnellverstellung in die falsche Richtung, der Schuss lag dementsprechend statt auf dem Blatt auf dem Teller der Pappsau. Auf 270 Meter kompensierten beide nicht genug und lagen jeweils etwas tief (Axel) oder etwas rechts (Daniel).

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Fazit

Unser Jäger musste sich erst einmal mit der Technik vertraut machen. Schließlich war er von der selbsterklärenden Absehenschnellverstellung aber sehr begeistert und überzeugte mit prima Schussleistungen. Dies zeigt, dass man sich als Jäger mit regelmäßigem Training, jagdlicher Praxis und moderner Ausrüstung selbst vor Berufsschützen nicht zu verstecken braucht.