Ansitz im Winter – Wie man der Kälte trotzt

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Auf Ansitz im Winter – wie schützen wir uns vor eisiger Kälte, wenn als Ansitzeinrichtung keine geschlossene Kanzel, sondern nur eine Leiter zur Verfügung steht? Ein Vielansitzer gibt Tipps.

Sauen, Mond und Schnee – Ansitz im Winter

Winterliche Ansitze bei extrem niedrigen Temperaturen ergeben sich, wenn zum Beispiel die Sauen die im Feld liegenden Silos plündern. Auch wenn Schnee und Mondlicht locken, hindert grimmige Kälte den passionierten Fuchsjäger nicht am Waidwerk auf den roten Freibeuter.

Für jegliche Jagdbekleidung hat sich von jeher das Zwiebelschalenprinzip bewährt. Mehrere Lagen dünner Kleidung sind erfahrungsgemäß besser als wenige Lagen dicker. Zwischen den einzelnen Lagen entstehen Luftpolster als zusätzliche Isolationsschicht. Weiterhin kann man sich durch An-/Ausziehen einzelner Schichten sinnvoll auf jedes Klima einstellen. Um ein Optimum zu erreichen, braucht man dafür jedoch die richtigen Materialien und das Gespür für die zweckmäßigste Zusammenstellung.

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Ansitz im Winter? Da hilft die Zwiebeltaktik!

Moderne Jagdbekleidung funktioniert als System nur, wenn die einzelnen Schichten aufeinander abgestimmt sind, von der die Haut deckenden Unterwäsche über die Zwischenschichten bis hin zur Oberbekleidung. Die unterste Schicht, die direkt auf der Haut liegende Unterwäsche, ist die wichtigste Lage in einem Bekleidungssystem.

Wer schnell und stark schwitzt, benötigt auf der Haut Funktionsunterwäsche, deren Hauptaufgabe der Feuchtigkeitstransport ist. Solche Sportwäsche hält die Haut trocken und beugt dem Verklammen in Ruhephasen vor. Im Winter gehören zum Kurzarm- oder Langarmhemd lange Unterhosen mit Eingriff. Unterhosen ohne Eingriff verursachen muss der Jäger Wasser lassen eine Langzeit-Fummelei. Als zweite Schicht trage ich noch einmal Unterwäsche, allerdings gut isolierende mit einem Anteil an Schafschurwolle. Beim Langarmshirt bevorzuge ich einen hohen Reißverschlusskragen. Die lange Unterhose besitzt selbstverständlich einen Eingriff. Oben folgt nun als dritte Schicht ein Fleecehemd, das den Feuchtigkeitstransport nicht unterbricht, wie das etwa durch ein Baumwollhemd geschähe.

Die vierte Schicht gegen Schnee

Als vierte Schicht kommt eine Fleecejacke mit hohem, dicht schließendem Kragen zum Einsatz. Die leichten und gut isolierenden Fleecejacken gewährleisten den Feuchtigkeitstransport nach außen, hohe, dicht schließende Kragen wärmen den Halsbereich und beugen Kältebrücken vor. Endlich erhält hoch isolierende, winddichte und wasserfeste Oberbekleidung ihre Chance. Die Jacke ist im Schnitt großzügig genug, um die Bewegungsfreiheit zu erhalten, dazu lang, bis über das Gesäß reichend. Weitere Eigenschaften: winddicht schließender, hoher Kragen, Kapuze mit Verstellkordel und Dach, winddichte Ärmelabschlüsse, am Bund Weiten-Verstellkordel.

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Der Muff für den Ansitz im Winter

Zweckmäßig sind geräumige Mufftaschen. Die Hose hat entweder ein hochgezogenes Rückenteil oder besitzt einen (anknöpfbaren) Nieren-/Rückenwärmer. Solch ein hoher Rückenwärmer zeigt während des Ansitzes auf einer Leiter seine isolierenden Vorteile besonders dann, wenn sich der Jäger der Bequemlichkeit halber an die eiskalte Rückenstütze lehnt. Genügen zwei Unterhosen und die Winterhose noch nicht, kann zusätzlich eine sogenannte Überhose übergezogen werden. Diese sehr weit geschnittenen Hosen besitzen außen an den Beinen bis zum Becken reichende Reißverschlüsse, welche das Überziehen auch dann ermöglicht, wenn der Jäger voluminöse Winterstiefel trägt.

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Atmungsaktiv beim Ansitz im Winter

Alternativ zur Oberbekleidung aus „atmungsaktiven“ Stoffen steht Fell-Bekleidung zur Verfügung. Bei uns ist gewachsenes Lammfell üblich. Noch höhere Isolationswerte bringt Rentierfell. Die Pelz-Kombinationen der Firmen Leder-Weiß und Dittrich überzeugten. Es gibt im Fachhandel nichts Wärmeres als diese Fell-Kombinationen. Sie bauschen allerdings dick auf.

Weiterhin sehr wichtig: die Kopfbedeckung, denn über den ungenügend geschützten Kopf verliert der Körper enorm an Wärme und damit an Energie. Am wärmsten halten Fellmützen in der praktischen Tschapkaform. Haben ihre Seitenklappen Hörlöcher, sollten diese bei Bedarf zu verschließen sein. Fjällräven bietet solche Mützen aus Kaninchenfell an. Besser sind die aus gewachsenem Lammfell gefertigten der Firmen Leder-Weiß bzw. Dittrich.

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Warme Füße für den Ansitz im Winter

Sinnvoll und üblich ist weiterhin ein Schal aus hoch isolierendem Material, der den Hals ringsum und auch die Nackenpartie zwischen Jackenkragen und Mütze schützt, ohne Kopfbewegungen wesentlich zu behindern. Ebenfalls hat die Fußbekleidung enorme Bedeutung für den Wärmehaushalt des Körpers. Bewährt haben sich Schuhe mit hohen Schäften und bestens isolierendem Innenfutter. Weit genug, um zwei Paar wärmedämmende Socken zu verkraften, sollten sie sein, aber nicht so weit, dass der Fuß stark an Stabilität verliert.

Schuhe sind nicht gleich Schuhe

Es gibt mittlerweile Schuhe, die zumindest in der Bewegung bis minus 70 Grad Celsius brauchbar sind, ohne das Laufen wesentlich zu beeinträchtigen. Eigene überzeugende Erfahrungen liegen mit Schuhen von Baffin vor. Nun zu den Handschuhen. Als besonders geeignet erwiesen hat sich die Kombination von dünnem Fingerhandschuh innen sowie dickem Fausthandschuh mit Fingerklappe außen. Um bei Bedarf schießen zu können, braucht der Jäger nur das Vorderteil des Fausthandschuhs nach oben zu klappen. Dort wird es durch einen Klettverschluss gehalten. Dank des dünnen Handschuhs kommt der Schießfinger nicht mit dem bitterkalten Metall des Abzugs in Berührung. Die Handflächen der Fausthandschuhe sollten mit wasserfestem, griffigem Material beschichtet sein. Alternative: Schießhandschuhe und Jagdmuff. Mit dieser Kombination ist der Jäger im Nu schussbereit. Leder-Weiß bietet einen solchen Pelzmuff an.

Technische Hilfsmittel für den Ansitz im Winter

Doch damit nicht genug. Der Fachhandel bietet eine ganze Reihe weiterer Wärme-Hilfsmittel, zum Beispiel die praxisgerechten Taschenöfchen, beheizt mit Spezialkohle, oder Handwärmer auf der Grundlage chemischer Reaktionen. Vor allem Letztere verlieren meist nach knapp einer Stunde ihre Wärmewirkung. Der Ansitzjäger wird deshalb mindestens drei Sätze dabeihaben. Zudem steht elektrisch beheizbare Kleidung (Schuhe, Weste) als „Warmhaltekrücke“ zur Verfügung. Als Energiequelle wird möglichst ein Lithiumakku zur Verfügung stehen. Wichtig ist eine Vollkraft-Heizdauer von länger als drei Stunden, denn fällt die Wärmeleistung aus, beginnt das Frieren.

Pulswärmer, Schal und Mütze

Nun zum Kopf des ansitzenden Jägers. Als Kälteschutz für den Kopf gibt`s die üblichen Sturmhauben. Besser weil auch das Gesicht schützend sind Kopfmasken, die aus winddichtem, aber atmungsaktivem Material bestehen sollten; darüber Schutzbrille (Vollsichtbrille), um bei starkem, eisigem Wind das Tränen der Augen zu verhindern. Wer die Masken nicht mag, kann alternativ die unbedeckten Gesichtsteile mit einer hautschützenden Fettcreme bestreichen. Außerdem seien die seit Jahrhunderten im Jagdeinsatz verwendeten Pulswärmer aus Stoff oder Pelz erwähnt, heute überwiegend aus Lammpelz gefertigt. Pulswärmer sind dann ein Segen, wenn ohne sie zwischen Jackenärmel sowie Handschuhen Kältebrücken entstehen, weil beide nicht optimal (winddicht) zusammenpassen.

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Nur nicht übertreiben!

Doch im Umgang mit all den die Frosteinwirkungen mildernden Bekleidungsstücken gilt es einiges zu bedenken, soll ihre wohltuende Wirkung während des Ansitzens nicht beeinträchtigt werden. So empfiehlt es sich, die stark isolierende Jacke, sei sie aus modernen Geweben oder aus gewachsenem Pelz, auf dem oft schweißtreibenden Weg vom Auto zur Ansitzleiter noch nicht anzuziehen, sondern sie irgendwie frei zu transportieren, beispielsweise im Rucksack. Einige Hersteller rüsten ihre Jacken mit innenliegenden Gurten aus, die es dem Jäger ermöglichen, die geöffnete Jacke wie einen Rucksack zu tragen. Auch sollte die eventuelle Überziehhose im Rucksack stecken und erst am Ansitzplatz übergestreift werden, um ein frühzeitiges Schwitzen möglichst zu vermeiden.