Fit durch den Winter – Der Jagdhund in der kalten Jahreszeit

Klirrende Kälte, Eis und Schnee – die Jagd im Winter fordert nicht nur den Jäger und seine Ausrüstung heraus.

Auch unsere Hunde brauchen bei Minustemperaturen besonderen Schutz.Wir haben die Tierärzte Rudolf Winkelmayer und Olaf Manzel gefragt, was bei der Haltung, Fütterung und Pflege zu beachten ist.

Generell kann ein gesunder Hund die mitteleuropäischen Temperaturen im Winter problemlos verkraften. Sein natürliches Haarkleid dient als ausgezeichneter Wärmeschutz. Die obere Schicht, das harsche Deckhaar, hält Nässe und Schmutz ab. Die dicht am Körper anliegende feine Unterwolle wärmt und isoliert. Allerdings ist der Fellwechsel bei Wohnungshunden nicht so stark ausgeprägt wie bei Zwingerhunden.
Jagdhunde, die im Haus gehalten werden, „haben in der Regel auch keinen so dichten Winterpelz, was jedenfalls bei langen Außenaufenthalten zu berücksichtigen ist”, so der österreichische Veterinär Professor Winkelmayer.

„Besonders empfindlich sind Hunde unter zehn Kilogramm Körpergewicht (je kleiner, desto empfindlicher hinsichtlich der Temperatur) und natürlich Kurzhaarhunde.
Rau- oder langhaarige, mittelgroße bis große Hunde sind relativ kälteunempfindlich.”
Ein Hundemantel ist aus tierärztlicher Sicht aber nur in Ausnahmefällen sinnvoll. „Alten oder kranken Tieren mit orthopädischen Problemen, die sich nicht so schnell warm laufen können, oder kurzhaarigen Hunden kann man durchaus eine Jacke anziehen”, erklärt Dr. Manzel aus Reinbek in Schleswig-Holstein.

Haltung

Für Hunde, die in der geheizten Wohnung gehalten werden, müssen in der kalten Jahreszeit keine besonderen Vorkehrungen getroffen werden. Bei der Zwingerhaltung hingegen müssen die gesetzlichen Anforderungen (Tierschutz-Hundeverodunung) an die Haltungsbedingungen im Freien unbedingt eingehalten werden.
Das heißt, dem Hund muss eine gut isolierte Schutzhütte und außerhalb dieser ein witterungsgeschützter, zugluftfreier Liegeplatz mit wärmegedämmtem Boden zur Verfügung stehen. Die Schutzhütte muss so groß sein, dass der Vierläufer sich darin bequem bewegen, hinlegen und den Innenraum mit seiner Körpertemperatur erwärmen kann, sofern die Hütte nicht beheizbar ist.

Während im Sommer eine einfache, wasserdurchlässige Liegematte als Unterlage für den Schlafplatz ausreicht, gelangt in der nasskalten Jahreszeit der an Deckhaar und Pfoten klebende Schnee mit in die Schlafbox. Durch die Körperwärme des Tieres schmilzt das Eis und wird von der Schlafmatte aufgesaugt. Der Hund liegt notgedrungen in einem feuchten Nest, während draußen eisige Temperaturen herrschen. Unterkühlung, Blasenentzündung und Rheuma können die Folge sein. Um dieses Problem zu umgehen, sind Wärmeplatten oder alternativ Stroh zu empfehlen.

Stroh zieht die Feuchtigkeit an und sorgt darüber hinaus für Wärme. Es muss jedoch regelmäßig gewechselt werden. Außerdem sollte der Hundeführer darauf achten, dass das Trinkwasser nicht gefriert. Von Zwingerhaltung als Dauereinrichtung rät Winkelmayer grundsätzlich ab. „Diese Art der Unterbringung sollte nur stundenweise bei Bedarf erfolgen” – mit der Begründung, dass der Hund ein sehr ausgeprägtes Sozialwesen hat und bei seinem Rudel sein möchte.

Hochsitz Jagd Schnee Dreckjagd ©Flickr

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Fütterung

Die Meinungen zum Thema Futterumstellung im Winter sind unterschiedlich. „Prinzipiell braucht ein Hund natürlich für die Aufrechterhaltung der Körpertemperatur bei großer Kälte mehr Energie. Das hängt im Detail wiederum von der Körpergröße und der Fellbeschaffenheit ab”, erläutert Winkelmayer. Bei Wohnungshunden, die nicht so viel im Freien arbeiten, besteht hingegen so gut wie keine Notwendigkeit, im Winter anders zu füttern. Dr. Manzel vermutet hingegen, dass die Fütterung gänzlich unabhängig von der Jahreszeit zu betrachten ist, „da der energetische Mehraufwand für die Thermoregulation eines Tieres eventuell durch die saisonale Downregulation* in den Wintermonaten ausgeglichen wird.”

Jagdhund Winter Schnee Hund ©Flickr

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Jagd

Jagdhunde müssen auch bei Frost manchmal ein paar Stunden unter dem Hochsitz ausharren oder Enten und Gänse aus dem eisigen Wasser apportieren. „Sie können ihre Thermoregulation jedoch nur dann gut aufrecht erhalten, wenn sie trocken sind”, warnt Winkelmayer.
Nasse Hunde brauchen entweder viel Bewegung, um sich trockenlaufen zu können oder sie sind abzutrocknen. „Nach der Jagd ist ein trockener, zugfreier Platz sehr wichtig. Wenn dieser Platz auch noch warm ist und sich inmitten des (Menschen)Rudels befindet, ist das optimal”, so der Veterinär, der eine Kleintierpraxis östlich von Wien hat. Keinesfalls sollten nasse Hunde auf kaltem Untergrund liegen, denn das kann zu Erkrankungen der Blase oder Lunge führen.

Pflege

Bei Schnee, Eis, Streusand und Salz werden die Pfoten, insbesondere die Ballen, sehr beansprucht. Die empfindliche Zwischenzehenhaut ist nach Reviergängen häufig spröde und rissig. „Verletzungen an den Pfoten durch gefrorenen Boden besonders an den Krallen sind häufig, Schneeklumpen unter den Pfoten sind lästig für die Hunde”, so Dr. Manzel.
Deshalb rät der Fachtierarzt für Kleintiere zu einer besonderen Pfotenpflege im Winter:
„Bei Rassen mit langem Fell empfiehlt es sich, die Haare zwischen den Zehen auszuschneiden und die Ballen mit Vaseline einzucremen.”
Dadurch bleiben weniger Eisklumpen haften, und der Hund kann unbeschwerter laufen. Um Verletzungen zu vermeiden, sollte das Ausschneiden der Ballen von einer fachkundigen Person übernommen werden.