Ausbildung von Vorstehhunden – Die Hasenspur

©Flickr/wildrosenavhda jagdhund

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Den Hasen aus der Sasse treten, Hund hinterher und dann mal sehen. 

Die Hasenspur

Ohne Zweifel ist die Hasenspur gerade bei den Vorstehhunderassen eine heikle Angelegenheit. Manche Richter vergeben gute Noten nur, wenn der Hund die Spur selbständig im gestreckten Galopp ausarbeitet, den Hasen nach langer Spurarbeit sticht und ihn dann sichtig bis zum Horizont jagt. Gleichzeitig verlangen sie bei der Feldarbeit eine zwar zügige, aber planvolle, auf den Führer und das Gelände eingestellte Quersuche mit bombenfestem Vorstehen. Es liegt auf der Hand, daß die Arbeit auf der Hasenspur und dabei insbesondere das sichtige Hetzen des gestochenen Hasen sich negativ auf die Suche und das Vorstehen auswirken können. Deshalb wird man bestrebt sein, den Hund so auf die Prüfung vorzubereiten, daß er die Hasenspur mit Passion und Spurwillen ausarbeitet, ohne daß Hetz- und Faßtrieb die Vorstehanlage überdecken. Das geschieht durch sauberes Durcharbeiten in den Gehorsamsfächern und durch kontrolliertes Heranführen an die Spurarbeit. Der Stöberhundführer hat dieses Problem selbstverständlich nicht.

NICHT MIT DEM AUGE JAGEN!

Bereits im Welpenalter wird dem Hund durch Futterschleppen gezeigt, daß er primär durch geschickten Einsatz seiner Nase zum Erfolg kommt. Verlängert man nun die Schleppen, steigert man spielerisch die Konzentrationsfähigkeit des kleinen Vierläufers. Kommt es während der gemeinsamen Reviergänge dazu, daß der Hund eine frische Hasenspur verweist, sie unter Umständen sogar interessiert anfällt, wird er dafür gelobt und dann abgenommen. Dadurch wird vermieden, daß der junge Hund sich eventuelle Fehler aneignet, die nur noch schwer auszubügeln sind, oder dem Führer aus der Hand geht. Deshalb sind auch Sichthetzen, egal auf welche Wildart, tunlichst zu vermeiden, da sich gerade ein junger, in der Ausbildung befindlicher Hund sehr schnell auf das unerwünschte Jagen mit dem Auge einstellen kann. Hat das Tier dann ein Alter von vier bis fünf Monaten erreicht, kann je nach Entwicklungsstand mit dem Einarbeiten begonnen werden. Hat man als Ausbilder das Gefühl, daß der Junghund mit der Aufgabe überfordert ist, gibt man seinem Vierläufer noch etwas Zeit zu reifen.

ARBEITEN MIT NACKENWIND!

Den Großteil der Hasenspuren lassen wir den Hund an der Feldleine ausarbeiten, um ihn zur Spurtreue zu erziehen und um Sichthetzen zu vermeiden. Nur dadurch kann man erreichen, daß der Hund auch tatsächlich die Gesundspur von Meister Lampe arbeitet und nicht in freier Suche das ganze Revier umkrempelt und nach und nach den Kontakt zum Führer verliert. Selbstverständlich vermeidet man auch gleichzeitig, daß der Hund bei der Spurarbeit über eine Straße wechselt und eventuell überfahren wird. Bei unserem heutigen Verkehrsnetz kann man gerade in dieser Hinsicht nicht vorsichtig genug sein. Man sucht sich zum Üben übersichtliches Gelände mit niedrigem Bewuchs, um sich den Fluchtweg des Hasen genau einprägen zu können. Für die ersten Spuren eignen sich die niedrigen Wintergetreideschläge oder Wiesen, auf denen es dem Hund leicht fällt, die Spur zu halten. Nach und nach muß er dann auch mit wechselndem Bewuchs und unterschiedlichen Bodenverhältnissen fertig werden. Hat man dann einen sich drückenden Hasen ausgemacht, nähert man sich ihm von hinten und macht ihn aus der Sasse hoch. Der Hund darf Meister Lampe jedoch auf keinen Fall sehen. Wichtig ist ebenfalls, daß die ersten Spuren mit Nackenwind ausgearbeitet werden, damit der Hund mit tiefer Nase arbeiten muß, um die Spur zu halten. Geht der Krumme dann flüchtig ab, prägt man sich den Spurverlauf genauestens ein.

NICHT DIREKT AN DIE SASSE! 

Jetzt wir der Hund auf der Spur angesetzt. Dabei ist es wichtig, daß wir den Vierläufer nicht direkt an der Sasse ansetzen, sondern zwei Meter dahinter, also nur auf der Spur. Sonst besteht die Gefahr, daß sich Blitz an der starken Wittrung der Sasse festsaugt und die Spur nicht mehr arbeiten will. Wie schon erwähnt, befindet sich der Junghund bei den ersten Spuren ausschließlich an der Feldleine. Beim Ansetzen fassen wir ihn möglichst kurz, weisen ihn mit der Hand auf die Spur hin und fordern ihn mit Such voran! zum Ausarbeiten auf. Dabei wird man darauf achten, daß man dem Temperament des Jagdhundes entsprechend verfährt. Neigt unser Groll schon von Natur aus mehr zu einer stürmischen Arbeitsweise, braucht er nicht noch zusätzlich mit der Stimme aufgeheizt zu werden, sondern wird eher zu ruhigem, konzentriertem Arbeiten ermahnt. Ist er jedoch eher ein ruhiger Zeitgenosse und zeigt recht wenig Interesse an der Spur, werden wir ihn durch geschickten Einsatz von Stimme und Körpersprache etwas anrüden und zum Ausarbeiten animieren. Neben der Feldleine ist gerade die Stimme des Führers das wichtigste Medium, um den Hund auf Distanz zu lenken und ihn bei der Spurarbeit unter Kontrolle zu halten.

KEINE STRAFE AUF DER SPUR! 

Geht der Hund zügig auf der Spur, wird ihm nach und nach die volle Länge der Feldleine gegeben. Als Hundeführer wird man bestrebt sein, sich dem Tempo des Hundes anzupassen. Arbeitet der Vierläufer also zügig, wird man auch selbst die Beine in die Hand nehmen und folgen. Keinesfalls soll uns der Hund jedoch quer über den Acker ziehen. Wird er zu stürmisch, ermahnen wir ihn zur Ruhe und legen ihn notfalls auf der Spur ab, damit er sich beruhigt, und nehmen dann die Arbeit wieder auf. Sollte unser Adlatus beim Ausarbeiten von der Spur abkommen, gibt man ihm die Chance, sich selbst zu korrigieren. Fällt er jedoch eine Verleitfährte an oder geht zur freien Suche über, wird er zurückgerufen und erneut auf der Spur angesetzt. So erzieht man seinen Vierläufer zur Spurtreue und verleidet ihm von Beginn an das Changieren auf andere Fährten, was gerade in Hinsicht auf die Schweißarbeit eine wertvolle Vorübung ist. Auch bei wiederholtem Abkommen des Jagdhundes wird man ruhig bleiben, denn auf der Spur darf unser Hund auf keinen Fall gestraft werden, damit er seine Passion und seinen Spurwillen nicht verliert.

NUR DAS GESEHENE ARBEITEN LASSEN! 

Grundsätzlich wird bei den ersten Übungen die Spur nur so lange gearbeitet, wie der Führer den Hasen mit dem Auge verfolgen konnte. So hat man immer die Gewißheit, daß der Hund auch tatsächlich die richtige Spur ausarbeitet, und kann gegebenenfalls korrigierend einwirken. Macht der Hund nun an der Feldleine den Hasen hoch, was eindeutig das Ziel unserer Übung ist, wird er die Verfolgung aufnehmen. Spätestens jetzt wird die Sache für den Führer anstrengend. Denn um Blitz den Erfolg zu gönnen, heißt es nun, dem Hund zu folgen, solange es Kraft und Lunge zulassen. Die gemeinsame Hetze mit dem Rudelführer wird für den jungen Hund ein Erfolgserlebnis sein, was seine Passion noch festigt. Danach ruft man den Hund heran und lobt ihn ausgiebig. Wird der Hase nicht gestochen, verfolgt man die Spur so lange, wie man Bestätigung hat, nimmt dann den Hund ab und belohnt ihn anständig für seine Arbeit. Hat der Vierläufer auf diese Art mehrere Spuren sauber gearbeitet, lassen wir ihn ein paar ohne Feldleine arbeiten. Dabei setzt man ihn mit der Durchlaufleine an, folgt dem Hund, bis er sich auf der Spur festgesogen hat, und gibt ihn dann frei. Die Durchlaufleine ist eine vier Meter lange Schnur, die durch den Ring der Halsung gezogen wird. Beide Schnurenden hält man so lange fest, bis unser Hund frei suchen soll. Dann läßt man ein Ende los, und der Hund kann ohne weiteres Hantieren die Spur arbeiten. Jetzt heißt es für den Hundeführer stehenbleiben und abwarten. Man verfolgt mit Auge sowie Ohr die Arbeit des Hundes und wartet so lange, bis der Hund zurückkommt.

STÖBERHUNDE MÜSSEN LAUT GEBEN!

Oft werde ich gefragt, wie lange der Hund die Spur auf der Prüfung halten muß, um eine hohe Punktzahl zu erhalten. Es ist klar, daß ein Deutsch-Drahthaar die Spur länger halten soll als zum Beispiel ein Terrier. Doch letztendlich ist die Bewertung mehr oder weniger Ermessenssache der Richter. Dem einen genügen 400 bis 500 Meter sauberer Spurarbeit, der nächste verlangt eine Folge bis zum Horizont mit anschließendem Stechen des Hasen. Stöberhunde, die neben Spurwillen, Spursicherheit und Nase zusätzlich den Spurlaut auf der Hasenspur zeigen müssen, werden genauso eingearbeitet wie der große Gebrauchshund. Das Einarbeiten mit der Feldleine unterdrückt keineswegs die freie Entfaltung des Lautes. Gerade bei meinen Terriern konnte ich feststellen, daß die Behinderung durch die Feldleine sie geradezu animiert, vor lauter Passion und Willen anhaltend Laut zu geben. Hunde, deren Laut bei der freien Folge eher zu wünschen übrig läßt, können so dazu gebracht werden, einen anhaltenden Spurlaut zu entwickeln. Wer seinen vierläufigen Auszubildenden zum konzentrierten Arbeiten auf der Hasenspur einarbeitet, wird mit Sicherheit keinen Schiffbruch auf der anstehenden Prüfung erleiden und legt für die weitere Arbeit mit dem Hund im Jagdbetrieb ein wichtiges Fundament. Viel Suchenglück und Waidmannsheil!